Reisebericht Eine Burg, viele Treppen: Das ist Marburg

Am Bahnhof angekommen, bietet eine Brücke über den Gleisen einen tollen Blick auf die Stadt.
Am Bahnhof angekommen, bietet eine Brücke über den Gleisen einen tollen Blick auf die Stadt. Foto: Julia Huber

Freischreiben-Autorin Julia Huber war in Marburg. Was die kleine hessische Stadt mit Hogwarts und den Gebrüdern Grimm zu tun hat, verrät sie in ihrem Reisebericht.

Wer über Marburgs schöne Ecken schreiben will, fängt nicht beim Bahnhof an. Doch hier kommst du an, wenn du mit dem Zug anreist, was von Bayern aus über Frankfurt sehr gut funktioniert. Von den schönen Fachwerkhäusern oder dem Schloss ist hier noch keine Spur. Aber: Gehst du über die hohe Brücke, die über die Gleise führt, erwartet dich eine Aussicht, die dich neugierig macht, die Stadt genauer zu erkunden.

Die Stimmung in der Stadt lässt sich nicht googeln

Du hast vielleicht schon mal nach Marburg gegoogelt. Von Bildern kennst du zum Beispiel das Schloss, das mitten in Marburg auf einem Hügel steht. Oder die Fachwerkhäuser, für die Marburg bekannt ist. Letztere findest du schnell, sobald du in die Kernstadt vorgedrungen bist. Die Häuser verleihen der Stadt eine ganz besondere Atmosphäre. Du wirst schnell verstehen: Die Stimmung in der Stadt lässt sich nicht vorher googeln. Meine Freundin und ich haben gewusst, dass wir in eine Studentenstadt fahren – aber als wir durch die Straßen laufen, sind wir umgeben von jungen Leuten und schnappen Gesprächsfetzen zu unzähligen verschiedenen Studiengängen auf. Marburg gilt auch als „Blindenstadt” – hier wurde der Blindenstock erfunden, hier sitzt „blista“, die Blindenstudienanstalt.

Die Gebrüder Grimm studierten in Marburg

Wir wollen nicht ganz ziellos durch die Stadt laufen. Das Landgrafenschloss möchten wir uns auf jeden Fall ansehen. Also ist Treppensteigen angesagt, immer weiter nach oben, bis zu den alten Gemäuern, die entfernt an Hogwarts erinnern. Hier oben befinden sich auch Museen und eine kleine Grünanlage. Wir beschränken uns darauf, ein wenig auf dem Gelände herumzulaufen und darüber nachzudenken, was für Menschen hier in der Vergangenheit gelebt haben: der Landgraf Heinrich I. zum Beispiel, ein Enkel der Heiligen Elisabeth. Bei ihr handelt es sich um eine heiliggesprochene Adelige, die sich wohl für arme und kranke Menschen eingesetzt haben soll. Sie hat in Marburg auch eine bekannte Sehenswürdigkeit vorzuweisen: die Elisabethkirche. Zwei Türme ragen mit schlanken Spitzen hoch in den Himmel auf. Eine imposante Kirche – allerdings muss man Eintritt zahlen. Wir verzichten darauf, uns die Innenwelt anzusehen.

Was uns persönlich besser taugt, ist der sogenannte Grimm-Dich-Pfad, ein Weg mit verschiedenen Stationen zu den Grimm-Märchen. Denn die beiden Brüder studierten in Marburg. Übrigens: Beide sind keine Geschichtenerzähler oder besonders fantasier-freudig, sondern kommen aus einer anderen Richtung – sie sind Sprachwissenschaftler. Sie wollten keine neuen Geschichten erfinden, sondern jene, die schon seit langer Zeit im Volk kursieren, schriftlich bewahren.

Über die Stadt verteilen sich verschiedene Statuen oder Installationen zu den bekannten Grimm-Märchen. Besonders gut gefällt uns die Station zu den Sterntalern. Im Märchen wird ein armes, aber sehr freundliches Mädchen letztlich mit einem Talerregen von den Sternen beschenkt. Diese Szene wird in Marburg an der Wand einer Kirche mithilfe von Licht dargestellt.

Marburgs Spezialität ist ein deftiger Eintopf

Zugegeben: Man braucht Zeit, um all diese Orte zu Fuß abzuarbeiten. Zum Glück hat Marburg neben den Gebäuden und Märchen und Treppen noch eine andere Spezialität – Eintopf. Damit kannst du dich zwischendurch gut stärken. Wir suchen uns das Café Barfuß aus, das damit wirbt, eins der ältesten Lokale der Stadt zu sein. Das Café ist gut besucht und liegt mitten in der Innenstadt, auf einer Straße, die – wie sollte es anders sein – bergauf führt. Da ich vegan lebe, entscheide ich mich für einen Salat, während meine Freundin den typischen Eintopf bestellt. Beides schmeckt sehr lecker! In der Karte kannst du einige Zusatzinfos über die Stadt nachlesen.

Eintöpfe liegen recht schwer im Magen. Deshalb geht es zu Fuß weiter zur Lahn, einem Nebenfluss des Rheins.

Ein Tag reicht, um einen Eindruck von Marburg zu bekommen

Was uns an die Lahn führt: Tretboote. Die kannst du mieten und damit über den Fluss schippern. Dieses Vorhaben fällt für uns allerdings ins Wasser, was an dieser Stelle kein sonderlich originelles Wortspiel ist. Es nähert sich ein Gewitter und weil es sowieso schon Abend ist und wir noch einkaufen wollen – in Marburg schließen die Supermärkte erstaunlich spät – machen wir uns auf den Rückweg. Per Bus, keine Sorge, die gibt es auch in Marburg, trotz der vielen Fußwege.

Als wir am nächsten Tag über die Brücke mit der tollen Aussicht zum Gleis laufen, sind wir uns sicher, dass es sich gelohnt hat. Ein Tag reicht aus, um einen Eindruck von Marburg zu bekommen, der für uns sehr positiv ausgefallen ist.

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