Reise & Erholung Amsterdam: Grachten, Kroketten und lange Nächte

Die intensivsten Eindrücke von der Architektur Amsterdams gibt es auf den Bootsfahrten durch die Grachten. Foto: Stefan Karl

Diese Stadt ist anders – vor allem anders als die Klischees, die über sie kursieren. Mit beinah einer Million Einwohnern ist Amsterdam eine pulsierende Großstadt. Gleichzeitig wirkt sie auf Schritt und Tritt entspannt und cool – was wahrscheinlich gleichermaßen mit der Mentalität ihrer Bewohner wie auch ihrer Architektur zu tun hat. Ein Kurzurlaub in Europas lässigster Hauptstadt.

Freitag, kurz nach 11 Uhr: Ankunft in Amsterdam Centraal, dem Hauptbahnhof der Stadt. Das geschäftige Treiben auf den Straßen hat lang schon begonnen; die Stadt geht ihrem Tagwerk nach. Schon bei den ersten Schritten aus der Bahnhofshalle öffnen sich Räume: Keine Häuserzeilen, dafür liegt vor uns das tiefblaue IJ, jener ehemalige Meeresarm der Zuidersee, der heute die Amsterdamer Innenstadt von Amsterdam-Nord trennt. Die Überfahrt mit der Fähre ist kostenlos – der Ausblick absolut fesselnd. An der Amsterdamer Skyline zeichnet sich die markante Silhouette des „A’dam Lookout“ ab. Das Dach des Hochhauses beherbergt ein 360-Grad-Aussichtsdeck, von dem aus man an klaren Tagen bis Utrecht sehen kann.

Eine weitere Attraktion auf dem Dach des A'dam Lookout ist Europas höchste Schaukel „Over The Edge“. Wer sie besteigt, hat das Gefühl, ohne Boden unter Füßen direkt über die Wellen des IJ und die Stadt zu schaukeln. Der Ausflug auf das Aussichtsdeck kostet 13,50 Euro, 20 Minuten auf der Riesenschaukel kosten fünf Euro. Wer Amsterdam noch nicht kennt, ist aber gleichzeitig fasziniert von der Choreographie des Schiffsverkehrs auf IJ. Fähren, Frachtschiffe und Küstenwache ziehen dicht an dicht ihre Bahnen, kommen sich meist bis auf wenige Meter nahe. Wer als Kapitän in Amsterdam fährt, muss Boot fahren können.

Kurze Zwischenstation beim Hostel zur Gepäckabgabe – das Clink Noord befindet sich im Stadtteil Overhoeks und bietet trotz seiner studentischen Atmosphäre eine hochwertige Ausstattung – bei Preisen ab etwa 30 Euro die Nacht.

Die Schätze des „goldenen Zeitalters“

Nach einer weiteren Übersetzung mit der Fähre, zurück ins Amsterdamer Zentrum, reihen wir uns im herbstlichen Sonnenschein in den Strom der Touristen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt ein. Genau dieser Sonnenschein wird uns im Lauf des Tages kleidungstechnisch vor Herausforderungen stellen – in Kombination mit der kühlen Meeresbrise, die immer wieder durch die Straßen und Gassen zieht, sorgt er immer wieder für gefühlte Temperatursprünge von um die zehn Grad. Vorbei geht’s am Palais op de Dam, dem Prachtbau aus dem 17. Jahrhundert, aus dem „goldenen Zeitalter“ Amsterdams als Wirtschafts- und Handelszentrum in Europa. Noch heute wird das Palais von der königlichen Familie der Niederlande zu festlichen Anlässen genutzt.

Das große Business findet längst woanders statt – geblieben sind Pracht und Architektur. Und die Kunst. Das „Rijksmuseum“, das Reichsmuseum Amsterdam, ist mit seiner umfangreichen Sammlung von Malerei aus dem „goldenen Zeitalter“ eine Art inoffizielle Nationalgalerie Hollands. Mindestens genauso interessant ist allerdings das Drumherum, eine Gartenanlage, in der im Sommer – wie könnte es anders sein in Amsterdam – Tulpen wachsen.

Amsterdam als Museumsstadt bietet alles, was der Kulturtourist sich wünscht. Als solcher sehe ich mich nicht, daher fällt meine Sammlung von Museumstipps wohl eher untypisch aus: Neben dem „Rijksmuseum“ ist aus meiner Sicht ein Besuch beim Van-Gogh-Museum etwas außerhalb des Grachtengürtels im Süden Pflicht, außerdem das NEMO Museum of Science, direkt am Wasser zwischen Nieuwmarkt und Kattenburg und das Käsemuseum an der Prinsengracht.

Unter anderem Kulinarisches aus Amsterdam gibt es im zweiten Teil unseres Artikels.

 
 

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