Regensburg Jahn-Urgesteine und Nachhaltigkeit

Jahn-Urgestein Oliver Hein ist seit 2007 im Verein. Er hat gemeinsam mit den Fans Höhen und Tiefen erlebt. Er kann sich noch genau erinnern, als auch er einmal mit Teilen der Fans aneinandergerückt ist. Das war im ohnehin sehr emotionalen Abstiegsjahr 2015 beim Auswärtsspiel in Osnabrück. „Da gab es nach dem Spiel eine Meinungsverschiedenheit und es wurde hitzig diskutiert“, erzählt Hein. Eine Situation, die im Rückblick die Bindung der Parteien aber sogar gestärkt hat. „Das hat beiden Seiten gezeigt, dass uns die Situation einfach nicht egal war. Dann gehören Emotionen einfach dazu. Das war ein Punkt, der Mannschaft und Fans hat zusammenrücken lassen, genauso wie die Aussprache am Ende der Saison“, sagt Hein und fügt hinzu: „Der Verein lebt von den Fans und von der Mannschaft. Dann bringt es nichts, wenn man in verschiedene Richtungen marschiert.“

Eine Statue für Oli Hein

Eben weil er mit vollem Herzen dabei ist, hat Hein bei den Jahn-Fans einen ganz besonderen Status. „Er wird in der Fanszene absolut vergöttert“, sagt Matthias Weigert. „Oli Hein ist lange im Verein, hat Höhen und Tiefen mitgemacht und hat dem Verein immer die Treue gehalten – obwohl er auch höherklassige Angebote hatte.“ Das mache den Rechtsverteidiger zu einer ganz speziellen Identifikationsfigur. „Wenn er einmal aufhört, dann bekommt er ziemlich sicher eine kleine Statue in Regensburg“, sagt Weigert.

Es sind Spieler wie Hein oder auch Sebastian Nachreiner, die eine hervorgehobene Stellung haben. Weil sie positive Ausnahmen in einer sich immer schneller drehenden und immer verrückter werdenden Fußballwelt sind. Andere Spieler kommen und gehen, wie es im Fußballgeschäft nunmal ist. „Aber wenn die Fans spüren, dass ein Spieler wirklich alles für den Verein gibt, dann wird er auch anerkannt“, sagt Daniel Eckrich.

Das war in der vergangenen Saison zu spüren, nachdem der Jahn durch eine 2:5-Heimniederlage gegen Heidenheim aus dem DFB-Pokal ausgeschieden ist. Im Anschluss wurde die Mannschaft dennoch von den Fans gefeiert und gepusht – weil sie Einsatz gezeigt hatte. Ein Moment, der von vielen Spielern und Funktionären als Wendepunkt in der vorletzten Saison genannt wird. Auch Oli Hein kann sich noch gut daran erinnern: „Da haben wir Spieler gemerkt: Die Fans und vor allem die aktive Fanszene stehen hinter uns und akzeptieren auch, wenn es noch nicht so läuft, wir aber alles geben. Das war Ansporn für uns, wir wollten als Mannschaft zeigen, dass wir alles raushauen für den Verein.“ Daniel Eckrich sagt rückblickend: „Die Fans haben gemerkt, dass die Spieler wollten. Deshalb haben sie sich nicht abgekehrt, sondern sind nach dem Motto vorgegangen: Jetzt erst recht!“

Es war ein Moment, in dem Mannschaft und Fans noch enger zusammengerückt sind. Ohnehin ist die Beziehung Verein und Anhänger in den vergangenen Jahren Stück für Stück besser geworden. Es liegt in der Natur der Sache, dass Verein und Fans manchmal verschiedene Interessen verfolgen. Bei einer Professionalisierung eines Vereins ist der Vorwurf der Kommerzialisierung meist nicht allzu weit entfernt. „Ich denke, dass die Beziehung zwischen Club und Fanszene in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Der Austausch untereinander ist sehr konstruktiv, aber auch kritisch, wenn es sein muss“, sagt Christian Keller. Eine Einschätzung, die Daniel Eckrich teilt: „Es ist wichtig, dass beide Seiten Verständnis für die jeweils andere Seite haben. Zusammen klappt es immer besser als gegeneinander. Das wird in Regensburg gerade sehr gut gelebt und man zieht an einem Strang.“

Die Unterstützung der Fans ist dabei für die Mannschaft sehr wichtig, wie Oli Hein betont: „Wir sind aktuell in einem Zirkus dabei, in dem wir noch ein kleiner Player sind. Deshalb können wir nur über Emotionalität und Geschlossenheit bestehen.“

Keller: "Weiter auf die positive Strahlkraft unserer Marke einzahlen"

Da die positive Fan-Entwicklung in den vergangenen Jahren einherging mit dem sportlichen Erfolg, stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit unabhängig vom Erfolg. „Schön wäre es, wenn wir irgendwann dahin kommen, dass die Clubmarke, also die Werte, für die der Jahn steht, so stark wahrgenommen wird, dass die Fans deshalb hinter dem Club stehen – unabhängig von der Liga“, sagt Christian Keller. Ihm ist aber auch bewusst: „Dafür brauchen wir noch einiges an Zeit und müssen weiter auf die positive Strahlkraft unserer Marke einzahlen.“ Er ist allerdings überzeugt: „Die Fans haben ein gutes Gespür dafür, was für uns sportlich möglich ist und dass wir aktuell für jedes Zweitligaspiel dankbar sein müssen und es für den Jahn etwas ganz Tolles ist, in der 2. Liga dabei zu sein.“

Dass, wenn es sportlich einmal nicht mehr so gut laufen würde, der eine oder andere Zuschauer weniger käme, glaubt Matthias Weigert schon. „Ein gewisses Eventpublikum hat man immer, aber davon bleiben auch immer ein paar im aktiven Fankern hängen“, sagt er. Der Sozialpädagoge ist sich aber sicher: „Selbst wenn der Verein einmal wieder absteigen würde, dann würde eine größere Fanbasis übrigbleiben als es sie vor ein paar Jahren noch gegeben hat.“ Eine These, die Oliver Hein genauso unterschreiben würde: „Ich muss mich nicht weit aus dem Fenster lehnen, um zu behaupten: Wenn der Verein einmal wieder ein kleines Tal durchschreiten müsste, wäre die Fanunterstützung auf einem deutlich höheren Niveau als es vorher der Fall war.“ Der Jahn ist eben auf einem guten Weg zurück in die Herzen der Menschen in Ostbayern.

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