An einem lauen Abend im vergangenen Sommer steht Lars Klingbeil an einer besonders malerischen Stelle der Lüneburger Heide. Genau hier hat er vor zwei Jahren Hochzeit mit seiner langjährigen Partnerin Lena-Sophie gefeiert. Er liebt diese karge Landschaft in Niedersachsen, die einmal im Jahr violett erblüht, in der Region ist er groß geworden.

Versonnen schweigend blickt der 43-Jährige in die Weite. Zuvor hat der SPD-Generalsekretär lange geredet, eineinhalb Stunden einer Runde zweifelnder Journalisten die Strategie erklärt, die Olaf Scholz zum Bundeskanzler machen soll. Ein Vorhaben, das damals, als die SPD in den Umfragen zur Wählergunst bei 15 Prozent und darunter dümpelt, geradezu utopisch scheint.

Nur wenige Wochen später, am Abend des 26. September, zeigt sich, dass Klingbeils Strategie aufgegangen ist. Die SPD hat die Wahl gewonnen, Scholz wird Deutschland voraussichtlich bald regieren. Und auch Klingbeil, Regisseur des unwahrscheinlichen Comebacks, steht vor einem mächtigen Karrieresprung. Es gilt als sicher, dass er bald den Part des scheidenden Norbert Walter-Borjans (69) in der SPD-Doppelspitze übernehmen wird - neben Saskia Esken, die voraussichtlich weitermacht.