Olympiasieg beim Debüt Skeleton-Pilotin Neise setzt Goldserie fort

Vor Freude schlägt Olympiasiegerin Hannah Neise im Ziel immer wieder auf ihren Schlitten. Foto: Robert Michael/dpa

Die jüngste Starterin war am coolsten. Olympia-Debütantin Hannah Neise fährt mit ihrem Skeletonschlitten das Rennen ihres Lebens und holt die nächste deutsche Goldmedaille.

Hannah Neise schlug vor Freude immer wieder auf ihren Skeletonschlitten, Cheftrainer Christian Baude empfing sie mit der deutschen Fahne: Mit ihren erst 21 Jahren hat die Olympia-Debütantin völlig überraschend die Goldmedaille bei den Winterspielen in China gewonnen und die deutsche Siegesserie im Eiskanal von Yanqing fortgesetzt. Nach vier Läufen hatte die Bahnrekordlerin aus dem Sauerland 0,62 Sekunden Vorsprung vor der starken Australierin Jaclyn Narracott. Bronze sicherte sich die Niederländerin Kimberly Bos vor Weltmeisterin Tina Hermann vom WSV Königssee. Zuvor hatten die deutschen Athleten alle vier Rodel-Wettbewerbe und Weltmeister Christopher Grotheer als erster Deutscher Skeleton-Gold gewonnen.

"Für mich ist es eine völlig neue Situation, dass wir alle Rennen gewonnen haben", sagte der Vorstandschef und Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, Thomas Schwab. "Ich bin ja schon lange dabei, aber das habe ich noch nie erlebt."

Neise hatte sich im dritten Lauf mit Bahnrekord von 1:01,44 Minuten an Narracott vorbeigeschoben und war mit 0,14 Sekunden Vorsprung in das Finale gegangen. Dabei hatte die Junioren-Weltmeisterin nach dem ersten Lauf nur auf Platz acht gelegen. Im Finale machte sie von allen Medaillenkandidatinnen trotz ihrer fehlenden Erfahrung die wenigsten Fehler uns sicherte sich mit Lauf-Bestzeit letztlich souverän den Olympiasieg. Jacqueline Lölling, die nur Achte wurde, von der RSG Hochsauerland nahm sie im Zielraum glücklich in die Arme.

Dabei hatte es die Jüngste im Team gerade so nach China geschafft. Das Ticket löste sie erst durch Platz acht beim Saisonfinale in St. Moritz. Und wie ihr Teamkollege Axel Jungk war Neise nach dem Weltcup-Rennen in der Schweiz Ende Januar positiv auf das Coronavirus getestet worden. Während Jungk am Freitag zu Silber hinter Grotheer raste, reichte es für Neise bis ganz nach oben.

Schon in den Testrennen in Yanqing hatte Neise im Oktober PLatz zwei belegt. Für den großen Coup war sie wie immer ihrem Dresscode gefolgt. Unter dem Rennanzug trug sie Kompressionsstrümpfe und ein pinkes T-Shirt. Als Glücksbringer hat sie bei den Winterspielen ein Kuscheltier von ihrem Freund, einem Skispringer, dabei.

Nur in der Heimat in Schmallenberg lief es nicht wie geplant. Das vom Papa und der Werbegemeinschaft Schmallenberg organisierte Public Viewing auf dem Schützenplatz musste kurzfristig etwas eingedampft werden. Der Aufbau der Eventbühne wurde wegen Sicherheitsbedenken gemäß der aktuellen Corona-Schutzverordnung abgesagt. Trotzdem versammelten sich rund 150 Leute bereits im dritten Lauf auf dem Platz vor zwei Bildschirmen.

Die deutschen Frauen hatten bereits vor den Rennen nördlich von Peking olympische Medaillen gewonnen, aber nie ganz oben auf dem Treppchen gestanden. In Vancouver gewann Kerstin Szymkowiak 2019 Silber, Anja Huber (heute Selbach) holte Bronze. Vor vier Jahren in Pyeongchang musste sich dann Jacqueline Lölling nur der Britin Elizabeth Yarnold geschlagen geben.

 
 
 

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