Neues System hilft Schwerhörigen Gut gegen Böse in voller Lautstärke

Nahmen am Mittwochabend auf der Tribüne C Platz: Die Mitglieder der Schwerhörigen-Kontaktgruppe mit Manuela Bindl (Fünfte von rechts) vor dem Regie-Turm. Foto: Julia Adam

Der Drachenstich beeindruckt durch den vierbeinigen Schreitroboter sowie die Reiter- und Kampfszenen. Das Festspiel machen aber vor allem die Dialoge der verschiedenen Darsteller aus. Und diese können nun auch Schwerhörige live miterleben. „Barrierefreiheit und das ganze Drumherum spielen bei uns immer mehr eine Rolle“, bestätigt Lisa Kager von der Drachenstich-Organisationsleitung.

Die Idee, das Drachenstich-Festspiel induktiv hören zu können, reift schon länger in dem Köpfen von Manuela Bindl und ihrem Team. Die Treffelsteinerin ist die zweite Vorsitzende der Kontaktgruppe für Schwerhörige Cham und Umland. Am Mittwoch ging dieser Wunsch in Erfüllung.

Induktiv hören, das bedeute, dass der Träger eine T-Spule im Hörgerät benötigt, die aktiviert ist. Dies hätten fast alle „Hinter-dem-Ohr-Geräte“ (HdO). „Der Träger bekommt dann einen Empfänger mit Induktionsschleife“, beschreibt sie. Vom Techniker beziehungsweise Tonmann des Drachenstichs, Andreas Händler, haben die Mitglieder der Schwerhörigen-Kontaktgruppe einen Funksender, der mit dem Sender ihrer Anlage gekoppelt wird, bekommen.
„Dadurch können wir über unsere Empfänger das Gesprochene besser verstehen“, erläutert Bindl. Vor allem die Dialoge im Festspiel konnte die Gruppe so in voller Lautstärke hören. „Man könnte es auch so beschreiben, als wenn uns jemand ins Ohr flüstern würde“, verdeutlicht die zweite Vorsitzende. Sie würden so nur das Gesprochene hören; die Nebengeräusche werden unterdrückt.

Eine fest unter den Sitzplätzen der Arena verlegte Induktion sei wegen der Metallstangen nicht möglich. „Mit unserer mobilen Anlage müssen wir alle zusammen sitzen.“
Es gebe aber auch Funkempfänger mit großer Reichweite, sodass sie Sitzplatzwahl nicht eingeschränkt ist. „Wir haben das im Vorfeld mit Andreas Händler ausgetestet“, berichtet sie. Alles habe funktioniert.

Auch wenn die Umsetzung nicht ganz unkompliziert war, wie Lisa Kager versichert, freuen sich vor allem die Mitglieder der Schwerhörigen-Kontaktgruppe darauf, den Drachenstich zu erleben. „Wir haben die Anfrage schon vor einiger Zeit erhalten und versucht, eine Lösung zu finden“, erzählt Kager.
Allgemein wolle man das Thema Barrierefreiheit weiter vorantreiben. Damit auch möglichst viele Personen mit unterschiedlichen Handycaps Deutschlands ältestes Volksschauspiel erleben können.

Info
Eine induktive Höranlage ist eine technische Einrichtung, mit der Audiosignale wie Musik oder Redebeiträge für schwerhörige Personen zugänglich gemacht werden können. Die Tonsignale werden dazu in elektrische Signale umgewandelt und diese über eine im Raum ausgelegte Induktionsschleife ausgesendet. Mit Hörgeräten, die eine spezielle eingebaute Empfangsspule haben, können diese Tonsignale störungsfrei verstärkt empfangen werden. Induktive Höranlagen finden sich vor allem in öffentlichen Gebäuden und Veranstaltungsräumen.

 

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