NawaRo-Trainer vor dem Saisonauftakt Benedikt Frank: "Haben eine sehr gute Mischung gefunden"

Benedikt Frank geht in seine dritte Saison als Trainer von NawaRo Straubing. Foto: fotostyle-schindler.de

NawaRo Straubing startet am heutigen Samstagabend (19.30 Uhr) in die neue Saison in der Volleyball-Bundesliga. Trainer Benedikt Frank spricht im idowa-Interview über die Kaderplanung im Sommer, über die neuen Facetten des Teams und eine veränderte Wahrnehmung des Vereins.

Herr Frank, am Samstagabend geht’s los, die neue Bundesliga-Saison startet. Mit welchen Gefühlen gehen Sie ins erste Spiel gegen Wiesbaden?
Benedikt Frank: Die Vorfreude ist riesig, wir wollen uns jetzt endlich präsentieren. In den letzten Tagen hat man schon gemerkt, dass die Anspannung wächst. Auf der anderen Seite sind wir aktuell aber auch ein bisschen am improvisieren.

Warum?
Frank: Wir haben ein, zwei Verletzungen, bei denen noch nicht genau absehbar ist, was rauskommt. Da die genauen Diagnosen noch ausstehen, möchte ich die Namen noch nicht nennen. Aber wer beim Gang durch die Stadt die Augen offen hat, der sieht die Spielerinnen auf Krücken rumlaufen (lacht).

Wie gehen Sie das erste Spiel an?
Frank: Die Vorbereitung war ergebnistechnisch sehr erfolgreich, wir haben jedoch auch noch Steigerungsmöglichkeiten ohne Ende. Wir fühlen uns jetzt aber schon gewappnet, dass wir Spiele gewinnen können. Am Samstag wollen wir mit kleinen Schritten ins Spiel gehen und in kleinen Etappen denken, wollen erst einmal in die Saison und in den Rhythmus reinkommen. Wir haben uns in vielen Facetten auf und neben dem Feld verbessert, deshalb ist die Vorfreude groß. Jetzt müssen wir schauen, ob wir das auch im Wettkampf zeigen können.

Wenn man den Kader betrachtet, dann bietet er in dieser Saison mehr Möglichkeiten, in der Breite ist man besser aufgestellt als in der vergangenen Saison, als die erste Sechs doch meistens klar war.
Frank: Das stimmt. Wir haben drei sehr gute Mittelblockerinnen, auf der Vier haben wir mehr Möglichkeiten. Allerdings haben wir nur eine Diagonale. Wenn wir von Breite sprechen, müssen wir auch sagen, dass wir schon noch gerne eine Spielerin mehr im Kader hätten. Das ist aber eine wirtschaftliche Frage, die können wir uns aktuell nicht leisten. Wir sind aber dran und versuchen, dass da noch etwas passiert. Aber ansonsten gibt es derzeit bei der spielerischen Leistung keinen großen Abfall im Team, das ist sehr wichtig für das Trainingsniveau und auch für die Spiele. Wir haben uns auch in der Perspektive und in der Spitze unserer Leistungsfähigkeit verbessert.

Welche neuen Facetten bringt das Team mit?
Frank: Wir mussten letztes Jahr zum Beispiel viel auf eine Zweier-Annahme umstellen. Dieses Jahr haben wir das auf mehr Schultern verteilt. Unsere Libera Sophie Dreblow hat mehr Erfahrung, Julia Schaefer bringt Erfahrung in die Annahme rein. Wir haben mit Magdalena Gryka eine Zuspielerin, die auch bei schwierigen Bällen sehr intelligente Entscheidungen trifft. Wir arbeiten aktuell noch an der Abstimmung, werden da noch ein bisschen brauchen, sind aber schon sehr weit. Was ebenfalls positiv ist: Die Mannschaft geht sehr smart mit verschiedenen Situationen um, findet selbständig Lösungen und ist teilweise auch von sich aus geduldig. Das ist schon ein großer Unterschied zum letzten Jahr. Zudem haben wir eine bessere Ballkontrolle und damit mehr Möglichkeiten, während eines Ballwechsels Lösungen zu finden.

Inwieweit wirkt sich der Wechsel auf der Zuspielerposition auf das Spiel aus?
Frank: Wir sind deutlich flexibler und nicht so leicht ausrechenbar. Magda bringt Erfahrung mit, dadurch sind wir etwas ruhiger auf dem Feld. Wenn wir unsausrechenbarer sind und einen gewissen Witz ins Spiel bringen, dann hilft das dem Team. Wir wollen und werden zum Beispiel auch mehr über die Mitte spielen.

Magdalena Gryka wird auch das Kapitänsamt übernehmen.
Frank: Genau. Co-Kapitänin wird Julia Schaefer und Celin Stöhr ist mit im Teamrat. Das sind drei unserer erfahrensten Spielerinnen, sie sollen die Verantwortung übernehmen. Das habe ich mir auch auf diesen Positionen gewünscht. Wir wollten uns in der Mitte verstärken und im Zuspiel erfahrener aufstellen, nachdem uns Dana Schmit verlassen hat. Ich denke, wir haben eine sehr gute Mischung gefunden und ich bin sehr zufrieden.

Also ist der Kader jetzt so, wie Sie ihn sich gewünscht haben?
Frank: Das ist eine spannende Frage. Während einer Kaderplanung kämpft man natürlich auch mit Absagen, es verändert sich fast wöchentlich. Aber jetzt im Moment kann ich es mir fast nicht besser vorstellen. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen, aber es sind genau die Charaktere dabei, dass wir da etwas rausholen können. Deswegen bin ich maßlos zufrieden. Klar, eine zweite Diagonale wäre toll, die wünschen wir uns alle. Aber wir gehen damit auch sehr rational um, weil wir genau wissen, wo wir hingehören. Das ist eine wirtschaftliche Frage und kein Wunschkonzert.

Können Sie einen genaueren Einblick in die Kaderplanung geben, wie sich diese im Laufe eines Sommers verschiebt?
Frank: Wir hätten zum Beispiel gerne mit Dana Schmit weitergemacht. Als das nicht geklappt hat, habe ich versucht eine Spielerin zu holen, die mit Erfahrung agieren kann und das Erfahrungslevel hochhebt. Damit wirkt sich das wieder auf andere Positionen aus. Dass wir zum Beispiel eine 16-Jährige mit in den Kader nehmen, dass eine 18-Jährige dabei ist – wir aber trotzdem volle Erfahrung auf dem Feld haben. Je nachdem, ob es eine Zusage oder Absage einer Spielerin gibt, kann es sich Woche für Woche ein bisschen verschieben, damit am Ende die Persönlichkeiten, Charaktere und auch die sportliche Qualität zusammenpassen.

Sprechen Sie auch mit mehreren Spielerinnen gleichzeitig?
Frank: Ich arbeite nicht so, dass ich fünf Spielerinnen auf einmal anspreche. Meistens spreche ich nur mit einer für eine Position, die wir unbedingt wollen – dann aber auch mit einem schnellen Ultimatum. Wenn das nicht klappt, beschäftige ich mich mit einer anderen Option. Es macht keinen Sinn, viele Spielerinnen gleichzeitig anzusprechen. Denn dann enttäusche ich auch welche und ich verliere zudem meine Glaubwürdigkeit. Wir wollen bei NawaRo aber mit einer klaren Glaubwürdigkeit arbeiten.

Um die besten Spielerinnen gibt es auch immer einen Wettbewerb. Hat sich das Standing von NawaRo auf dem Markt durch die Arbeit der letzten Jahre verbessert?
Frank: Ja, komplett. Ich habe von keiner Spielerin die Aussage gehört, dass sie auf Straubing gar keinen Bock hätte. Spielerinnen wie Julia Schaefer oder Magda Gryka hätten wir vor einem Jahr vermutlich nicht holen können. Auch die Norwegerinnen haben von ihrem Berater gehört, dass wir ein guter Ausbildungsverein und ein guter erster Schritt für sie sind. Tionna Williams kam von einer renommierten Universität. Ich hatte auch mit anderen Spielerinnen Kontakt, die am Ende bei deutlich größeren Vereinen untergekommen sind. Aber die waren hier in Straubing, haben sich das angeschaut. Für die war NawaRo eine ernsthafte Option. Das ist schon krass zu sehen, wie sich unsere Außenwirkung innerhalb eines Jahres verbessert hat.

Die meisten Spielerinnen Ihres Kaders machen nebenbei eine Ausbildung oder studieren. Müssen Sie als kleiner Verein aktuell noch andere Sachen anbieten, um Spielerinnen nach Straubing zu holen?
Frank: Bei anderen Vereinen ist das sicher eher die Ausnahme als die Regel, bei uns ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass Spielerinnen neben dem Sport etwas machen. Ich bin ganz ehrlich: Es wäre auch für mich einfacher zu arbeiten, wenn wir mehr Vollprofis hätten. Aber es ist auch unser Anspruch, dass wir den Mädels die Möglichkeit geben, sich auf beiden Wegen zu entwickeln. Auf der anderen Seite macht es keinen Sinn, wenn sie es nicht hinbekommen. Die Ausbildung steht schon auf einer ähnlichen Ebene wie der Sport, darf aber nicht auf Kosten des Volleyballs sein. Der Leistungssport muss funktionieren.

Was erfordert das konkret in der täglichen Arbeit?
Frank: Als Spielerin musst du schon auch viel Toleranz für deine Mitspielerinnen mitbringen. Es ist schwer zu verstehen, dass eine Mitspielerin einmal ein Training nicht da ist oder nach acht, neun Stunden Arbeit plus Krafttraining dann im Balltraining vielleicht mal nur bei 80 Prozent ist. Das ist schwierig, denn man will als Spielerin wie als Trainer ja immer ans Maximum heran. Das ist ein spannender Spagat, den wir aber ganz gut hinbekommen.

Zum Start in die Saison geht es gegen Wiesbaden. Wie schätzen Sie die Aufgabe ein?
Frank: Schön ist, dass wir mit einem Heimspiel starten. Ansonsten kann man über jeden Gegner sagen, der ist gut oder nicht. Aber letztlich musst du den Gegner nehmen, der kommt. Wiesbaden ist eine spielfähige Mannschaft, da treffen zwei ähnliche Teams aufeinander. Ich glaube, dass wir gute Chancen haben, das Spiel für uns zu entscheiden, dass die Chancen ausgeglichen sind. Dann kommt es wirklich auf den Kopf an.

Haben Sie das Gefühl, die Erwartungshaltung im Umfeld ist höher als vergangene Saison?
Frank: Das weiß ich nicht, wir spüren es nicht. Aber im Grunde ist das auch nicht wichtig. Vor der letzten Saison hieß es, wir gewinnen nicht einmal einen Satz.

Wie sieht es mit Ihren persönlichen Erwartungen an die Saison aus?
Frank: Ich möchte es schaffen, dass wir in jedem Spiel nahe an den 100 Prozent sind von unserem Leistungsvermögen in diesem Moment. Ich will, dass wir uns von Spiel zu Spiel steigern und in jedes Spiel reingehen mit dem Gefühl: Es steht 0:0, wir haben eine Chance – und die wollen wir nutzen.

 

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