NawaRo-Trainer im Interview Benedikt Frank: "Klare Entscheidungen helfen allen"

NawaRo-Trainer Benedikt Frank. Foto: fotostyle-schindler.de

Für NawaRo Straubing, erstmals für die Playoffs der Volleyball-Bundesliga qualifiziert, ist die Saison am Donnerstag auch vorzeitig zu Ende gegangen. Wegen des Coronavirus hat die Liga den Spielbetrieb vorzeitig eingestellt. Im idowa-Interview spricht Trainer Benedikt Frank über diese Situation, blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück und verrät, wie es mit seinem Vertrag aussieht.

Herr Frank, wegen des Coronavirus wurde die Volleyball-Saison vor den Playoffs abgebrochen. Wie haben Sie die Entscheidung am Donnerstag aufgenommen?
Benedikt Frank: Ich selbst habe damit schon gerechnet, weil sich die Situation im Laufe der Zeit einfach zugespitzt hat. Wir haben als Liga eine Vorbildfunktion. Klare Entschscheidungen helfen allen weiter. Ich finde die Entscheidung völlig sinnhaftig und richtig.

Wie sind Sie und das Team damit umgegangen?
Frank: Wir haben unseren Mädels schon zuvor optionales Training angeboten. Nicht jeder geht mit der Situation gleich um. Mein Credo war schon immer: Nur wer sich wohlfühlt, bringt auch seine beste Leistung. Das gilt gerade in einer solchen Ausnahmesituation. Es gab auch ein, zwei, die gesagt haben, sie wollen lieber nicht trainieren. Mit dem Rest haben wir trainiert und dann danach mitbekommen, dass alles abgesagt ist.

Was waren dann die ersten Schritte?
Frank: Wir haben angefangen, auf die Rückrufaktionen der einzelnen Länder zu horchen. Wir haben geschaut, dass wir unsere Ausländerinnen so schnell wie möglich nach Hause bringen, bevor die Flughäfen schließen. Auch jede Art von Saisonabschlussveranstaltung ist abgesagt. Das ist unfassbar schade, aber in meinen Augen komplett richtig. Es macht in der Situation keinen Sinn, irgendetwas unbedingt durchzusetzen. An Nummer eins vor allem anderen muss stehen, die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle zu kriegen, egal wie gefährlich er letzten Endes ist.

Kam Ihnen nicht doch einmal der Gedanke: Ausgerechnet jetzt, ausgerechnet nach dieser guten Saison?
Frank: Nein, eigentlich nicht. Ich hatte schon ein paar Sachen, die ich meinen Mädels gerne noch gesagt hätte. Denn ich weiß, es wird wie in jeder Mannschaft auch hier wieder Veränderungen geben. Dann stehst du da und es fehlt die Bühne. Wir kriegen nicht den verdienten Applaus oder die Saisonabschlussfeier, um uns auch bei unseren Fans zu bedanken.

Wie geht es nun weiter?
Frank: Wir müssen abwarten, wie es weitergeht. Wenn jetzt die Schulen geschlossen werden, kann es sein, dass auch die Hallen geschlossen werden. Dann können wir nicht weitertrainieren. Als Profis dürfen unsere Spielerinnen aber auch ihren Körper nicht vernachlässigen, da stehen wir auch in der Pflicht. Ich habe nächste Woche mit allen ein Einzelgespräch – mit den bereits Abgereisten via Skype. Aber letztlich fehlt mir so ein großes Teamgespräch.

Was würden Sie nach dieser Saison Ihrer Mannschaft denn gerne mit auf den Weg geben?
Frank: Jede Spielerin hatte ihre individuellen Ziele in dieser Saison. Wie viele davon erreicht worden sind, das macht mich sehr stolz.

Was hat die Mannschaft im Gesamten gelernt?
Frank: Wir haben viel gelernt. Ich würde in den Fokus stellen, wie wir mit unserer Situation umgegangen sind. Nach außen haben wir immer gesagt, wir wollen nicht absteigen. Aber innen war schon in der Vorbereitung bei jedem das Gefühl da: Wir können echt was reißen. Das ist ein Riesendruck. Das war der Druck von uns selbst, von außen kam keiner. Es waren auch im Team zwei Welten. Die einen, die schon ein bisschen was erreicht haben und der Rest hatte noch keine Ahnung davon, wie man etwas erreicht in der 1. Bundesliga. Da treffen Welten aufeinander, die Ansprüche muss man vereinen. Die einen sagen im Training: Hey, so muss das sein. Die anderen sagen: So etwas habe ich noch nie gemacht, ich bin froh, dass wir überhaupt mithalten können. Das war richtig krass.

Wie haben Sie diese Ansprüche vereint?
Frank: Gerade nach der Hinrunde haben wir die Ansprüche auf ein Level gehievt. In der Rückrunde haben wir uns detailliertere Ziele gesetzt. Dass das so einschlägt, war Wahnsinn. Wenn wir gegen Vilsbiburg in den fünften Satz kommen und mit mehr Selbstvertrauen aus dem Spiel rausgehen, dann ist vielleicht sogar mehr als der achte Platz möglich. Am meisten freut mich die Entwicklung – sowohl unserer Jungen als auch unserer Führungsspielerinnen, die das davor noch nie waren. Julia Schaefer, Magda Gryka und Lisa Izquierdo, die schon viel gewonnen haben, freuen sich unfassbar über diese Saison. Das sagt alles darüber aus, was wir in dieser Saison geleistet haben.

Nach dem Vilsbiburg-Spiel kam vor allem vom internen Kreis selbst eine Verärgerung. Unterstreicht das den gewachsenen Anspruch?
Frank: Genau. Der Anspruch ist riesig geworden. Nicht mehr: Wir wollen gewinnen. Sondern: Wir sollten gewinnen. Und das war auch möglich. Nach dem dritten Satz wären wir fast nochmal zurückgekommen, hätten fast den vierten Satz gewonnen. Das tut dann schon der Seele weh, wie das in Vilsbiburg passiert ist. Da haben wir dann eine Woche gebraucht, um da rauszukommen, das war ein bisschen zu lange. Aber ich würde sagen: Respekt, dass wir das im letzten Spiel noch geschafft haben. Wir haben in der gesamten Saison nur eine Woche gehabt, in der wir nicht gut performt haben.

Wenn Sie auf die Saison zurückblicken: Gibt es ein Highlight, das Ihnen in Erinnerung bleibt?
Frank: Ein Moment war, als die Zuschauer nach dem Potsdam-Spiel ohne Anstimmung von unserem Hallensprecher Georg Kettenbohrer gesungen haben: „Oh, wie ist das schön“. Da habe ich echt Gänsehaut bekommen. Darüber hinaus gibt es viele kleine Momente.

Zum Beispiel?
Frank: Wie Valbona Ismaili strahlt, wenn sie einen Punkt macht. Oda Lovo Steinsvag, als sie ihren ersten Aufschlag gemacht hat und kaum atmen konnte, so nervös war sie. Wie Magdalena Gryka auf einmal unfassbar viele Emotionen zeigt, wenn sie einen Block macht. Wenn man sieht, wie Julia Schaefer mit einem Wadenbeinbruch zu uns kommt und jedes Spiel gespielt hat außer den letzten drei krankheitsbedingt. Auch Lisa Izquierdo, die kurz nach ihrer Meniskus-Operation als Libera auf dem Feld stehen muss. Sophie Dreblow, wie sie nach ihrer Verletzung zurückkommt und mal schnell fünf Spiele mit uns gewinnt. Wenn man begleitet, wie Ragni Steen Knudsen zu einer der besten Annahmespielerinnen und Schnellangreiferinnen der Liga wird innerhalb von ein paar Monaten. Oder Sofia Turla, die hierher kommt während der Saison und dich, wenn sie mal spielen durfte, anstrahlt als hätte sie gerade die Weltmeisterschaft gewonnen. Das sind schon viele kleine und schöne Momente.

Gab es die Momente auch abseits der Mannschaft?
Frank: Ja. Zum Beispiel unsere Fans, die nach Suhl und Erfurt gefahren sind. Das hat so viel Spaß gemacht. Martina und Michael Lowin sind aus Potsdam, sie sind NawaRo-Fans und sind nach Münster und Schwerin gefahren, sind zu so vielen Spielen von Potsdam nach Straubing gekommen. Solchen Leuten müsste man am Ende einer Saison danken. Als wir bei unserem Auswärtsspiel in Münster auf dem Parkplatz standen und nach einer Buspanne nicht mehr weiter kamen, haben wir zwei Kleinbusse organisiert und zwei Jungs standen spontan zur Verfügung um uns zu fahren. Unser Busfahrer hat uns ein Weißwurstfrühstück hingestellt, der hat uns die ganze Zeit unterstützt. Oder Trainingsgäste, die uns ausgeholfen haben – für nichts, einfach nur um Part dieser Geschichte zu sein. Und diese Geschichte war diese Saison einfach eine tolle.

Wie Sie vorhin über Ihre Spielerinnen gesprochen haben, die sich alle entwickelt haben: Da kann man wohl sagen, NawaRo als Ausbildungsclub hat seine Aufgabe in diesem Jahr vollends erfüllt.
Frank: Komplett, ja. Ohne Wenn und Aber.

Blicken wir nach vorne. Sie haben Ihren Vertrag bislang noch nicht verlängert. Würden Sie gerne in Straubing bleiben?
Frank: Das ist eine ganz spannende Frage. Gespräche laufen natürlich. Leider nicht so, wie ich es zeitlich für sinnvoll erachten würde, denn ich finde, wir sind zeitlich ein bisschen spät dran. Natürlich würde ich gerne hier bleiben. In den drei Jahren ist es sportlich sehr progressiv gegangen. Das hat dann doch auch sehr viel mit meiner Arbeit zu tun. So etwas will man natürlich nicht gerne hergeben. Dennoch gibt es auch Zeichen der Zeit. NawaRo kann sich nicht nur für Spielerinnen als Sprungbrett-Verein erweisen, das betrifft auch mich. Es laufen ein paar Gespräche in alle Richtungen, da muss ich auch ehrlich sein.

Haben Sie für sich ein Zeitfenster definiert, bis wann Sie wissen wollen, wie es bei Ihnen weitergeht?
Frank: Nein, das habe ich nicht. Aber klar: Je länger es dauert, umso mehr verdichten sich dann auch andere Gespräche oder Ideen in deinem Kopf. Es wird dann immer schwieriger.

Haben Sie ein konkretes Angebot von NawaRo vorliegen?
Frank: Wir sind in Gesprächen. Aber es ist bis jetzt noch nicht so, dass ich sage: Das passt.

Wie sieht es bei den Spielerinnen aus?
Frank: Da ich noch nicht weiß, wie es mit mir weitergeht, habe ich noch keine konkreten Gespräche mit den Spielerinnen geführt. Man muss aufpassen, wohin sich das alles entwickelt. Ich hoffe, dass das in den nächsten Wochen relativ klar wird. Je später es NawaRo macht, umso schwieriger wird es. Die richtigen Talente kommen nicht einfach so. Wir hatten vor dieser Saison schon auch ein bisschen Glück, dass wir eine Tionna Williams bekommen haben, dass wir Julia Schaefer ausleihen konnten, dass unsere Norwegerinnen eingeschlagen haben oder dass wir eine Zuspielerin wie Magda Gryka verpflichten konnten. Solche Spielerinnen bekommst du nicht von hier auf jetzt. Da musst du dich frühzeitig darum kümmern. Da geht es gar nicht so sehr um wirtschaftliche Mittel, sondern darum es früh fix zu machen.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading