NawaRo Straubing Ingrid Senft über Kader, Finanzen und Zuschauer

NawaRo-Geschäftsführerin Ingrid Senft. Foto: Fabian Roßmann

NawaRo-Geschäftsführerin Ingrid Senft spricht im Interview über den sehr jungen Kader für kommende Saison, die finanzielle Situation und die Planungen für die neue Saison.

Die Corona-Zeit ist auch für Sportvereine eine schwierige Zeit. Wann und unter welchen Umständen wird wieder gespielt? Dürfen Zuschauer in die Stadien und Hallen? Wie viel finanzielle Power verliert der Sport? Fragen, mit denen sich auch NawaRo Straubings Geschäftsführerin Ingrid Senft beschäftigt. Im idowa-Interview spricht sie über die sportlichen und finanziellen Planungen beim Volleyball-Bundesligisten.

Frau Senft, der Kader für die nächste Saison ist bereits gut gefüllt. Wie ist der Stand der Planungen?
Ingrid Senft: Wir sind so gut wie komplett, werden die weiteren Kaderpositionen noch nach und nach veröffentlichen. Einzig das Thema Co-Trainer bereitet uns nach dem überraschenden Abgang von Marc d‘Andrea noch etwas Kopfzerbrechen. Das kostet zurzeit schon Zeit und auch Energie, hier den Passenden zu finden, der zu unserer Philosophie passt.

Und wie zufrieden sind Sie mit dem Kader?
Senft: Wir wollten heuer noch ein Stück weit mehr auf junge Talente setzen als wir es ohnehin schon gemacht haben. Zudem wollten wir deutsch und europäisch bleiben, da für uns der amerikanische Markt wegen Corona zu unsicher war. Niemand wusste, ob und wann die Spielerinnen kommen können. Das ist bei vielen Clubs auch jetzt noch ein großes Thema, was uns in unserer Entscheidung bestätigt.

Sie haben es bereits angesprochen: Das neue Team wird sehr jung sein…
Senft: Das ist dann natürlich auch immer mit Unwägbarkeiten verbunden. Bei den jungen Spielerinnen kann man nie definitiv voraussagen, wie sie sich entwickeln. Aber das sind überwiegend Junioren-Nationalspielerinnen, die entsprechendes Talent mitbringen. Dazu haben wir mit Magda Gryka, Sophie Dreblow, Iris Scholten und Annegret Hölzig auch gestandene Spielerinnen, die die Jungen anleiten können.

Erwarten Sie die Mannschaft im Ligavergleich ähnlich gut wie vergangene Saison?
Senft: Ich denke schon, dass wir wieder eine ähnliche Platzierung anpeilen können. Wobei man die anderen Teams im Vorfeld oft nicht ganz genau einschätzen kann, weil auch viele neue Spielerinnen in die Liga kommen. Für uns geht es aber auch nicht primär um die Tabellenplatzierung. Für uns ist wichtig, dass wir im Rahmen unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten einen vernünftigen Kader auf die Beine stellen und uns gegen alle Teams gut verkaufen können. Da bin ich guter Dinge.

Im Fußball rechnen die Clubs damit, dass die Preise für Spieler deutlich zurückgehen. Wie sieht das im Volleyball aus?
Senft: Wir haben auch vor Corona nicht die Top-Preise gezahlt. Zu uns sind die Spielerinnen die letzten Jahre nie wegen des Geldes gekommen, sondern weil sie bei uns auch an einer Karriere neben dem Sport arbeiten können und wir ihnen eine gute Plattform bieten, auf der sie sich für größere Clubs empfehlen können. Da haben wir uns die letzten Jahre einen guten Namen gemacht. Aber es ist schon spürbar, dass die Spielervermittler mit der Zeit auf einem anderen Niveau agiert und fair verhandelt haben. Hier muss man auch erwähnen, dass die Clubs untereinander wirklich solidarisch sind und sich auch untereinander abgestimmt haben zu verschiedensten Themen. Dieser Zusammenhalt, der in unserer Liga ohnehin schon groß war, wurde noch einmal größer in der Krise. Ich hoffe, dass das auch über Corona hinaus Bestand hat.

Wie planen Sie finanziell für die kommende Saison?
Senft: Da wir ohnehin schon am Minimum unterwegs waren, gibt es kaum noch Einsparpotenzial. Wo es möglich war, haben wir das aber dennoch umgesetzt, zum Beispiel indem wir noch mehr auf junge Talente setzen. Man muss mit einem kleinen Rückgang beim Sponsoring planen, aber das fällt nicht dramatisch aus, wie es sich bislang darstellt. Und dann gibt es noch die Zuschauereinnahmen, wo keiner weiß, ob man mit Fans und wenn ja mit wie vielen planen kann. Aber der Anteil der Zuschauereinnahmen macht in unserem Etat ohnehin nur rund 15 Prozent aus.

Mit wie viel Verlust rechnen Sie im Sponsoring?
Senft: Von den großen Partnern ist keiner abgesprungen. Einen kleinen Verlust gibt es jedes Jahr, was man im Normalfall über neue Partner auffangen kann, aber das gestaltet sich aktuell natürlich schwieriger. Bislang sind wir in einem niedrigen fünfstelligen Bereich, was wir über das Sponsoring weniger einnehmen. Wobei noch nicht alle Gespräche geführt wurden, denn auch hier hat uns Corona knapp zwei Monate gekostet.

Machen Sponsoren ihre Unterstützung davon abhängig, ob Zuschauer in die Halle kommen können?
Senft: Ich gehe hier mit den Partnern sehr offen um und sage ihnen, dass wir das Stand heute nicht sicher sagen können. Es hat aber noch kein Sponsor gesagt, dass er nur zahlt, wenn Fans in die Halle kommen. Es ist inzwischen tatsächlich auch so, dass die Hauptsichtbarkeit der Sponsoren außerhalb der Halle ist, sei es bei den Übertragungen im Internet, wo es letzte Saison im Schnitt 2.700 Klicks auf die Spiele gab oder auch die Bilder in den regionalen Medien.

Sind Sie denn zuversichtlich, dass zum Saisonstart am 3. Oktober wieder Fans in die Halle dürfen?
Senft: Es ist halb Zuversicht, halb Hoffnung. Wir gehen davon aus, dass wir auf jeden Fall nicht vor einer vollen Halle starten können, um Abstandsregeln einzuhalten. Zudem wird die Nachverfolgbarkeit ein Thema sein. Dies wäre mit Dauerkarten und personalisierten Tickets möglich.

Im Fußball und im Basketball wurden die Sportler quasi in Quarantäne gesteckt und regelmäßig getestet. Wäre das auch im Volleyball denkbar?
Senft: Nein, das wäre nicht umsetzbar, da sind wir uns innerhalb der Liga auch einig. Die Spielerinnen mehrmals pro Woche zu testen wäre für keinen Club der Liga darstellbar.

Dann besteht die Gefahr, dass gar nicht gespielt werden kann.
Senft: Notfalls müsste man die Saison nach hinten verschieben. Es gibt nach aktuellem Spielplan keine Spieltage unter der Woche. Das heißt, wir hätten noch etwas Puffer.

 

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