Was heute gar nicht mehr so erinnert wird, ist die Tatsache, dass es die CDU war, die mit ihrem Kanzler Konrad Adenauer nach dem Zweiten Weltkrieg verstand, dass nur eine Westbindung an die USA Zukunft für die Bundesrepublik Deutschland verbürgen würde. Deshalb stellte man die deutsche Frage mitsamt der Wiedervereinigung dahinter zurück. Es war damals die SPD, die sich "durch ihr Beharren auf dem Primat der deutschen Einheit ein nationales Profil erwarb". So erzählt es der Historiker Heinrich August Winkler in seinem gerade erschienenen Buch "Wie wir wurden, was wir sind".

Dabei setzt er interessanterweise keine der beiden Positionen gegeneinander ins Recht, denn unverzichtbar war Adenauers Kurs auf den Westen hin in jedem Fall, aber der Historiker erkennt auch an, dass es eine historische Leistung der SPD war, die deutsche Frage damals weiter lautstark zu thematisieren.

Wir wissen heute alle, wie die Geschichte ausging: Nach der Verhärtung des Konfliktes zwischen der westlichen Welt und dem Warschauer Pakt war es die SPD, die dann in den 70er-Jahren mit ihrer Ostpolitik auf die DDR zuging, um Verbesserungen für die Menschen in der DDR und ihre Beziehungen in die Bundesrepublik zu erreichen. Nochmals 20 Jahre später waren die politischen Positionen dann vertauscht. Helmut Kohl wollte die Wiedervereinigung und erkämpfte sie, als die Sterne dafür glücklich standen. Maßgebliche Kräfte in der SPD, an der Spitze mit Oskar Lafontaine, glaubten, dass dies für die Weltgeschichte keine so gute Idee wäre, und hatten dafür durchaus auch nicht ganz von der Hand zu weisende Argumente.