Kultur in Passau Das "studio12" trotzt der Corona-Krise

Adrian Tadić und Finn Kirberg (von links) gründeten das "studio12" zu Beginn der Corona-Krise. Foto: Dominik Ivanusic

Das "studio12" ist das Herzensprojekt der beiden Studenten Finn Kirberg und Adrian Tadić. Sie wollten der Kultur buchstäblich Raum geben und dabei die Gelegenheit für Input jenseits der üblichen Studentenpartys schaffen. Sie haben den Nerv der Kulturwelt in der Dreiflüssestadt Passau getroffen. Doch wie soll es nun trotz der Corona-Beschränkungen weitergehen?

Es war eine lange Entstehungsgeschichte, die sich über das Studium in Passau hinweg entwickelte. Finn Kirberg und Adrian Tadić (beide 25) organisierten immer wieder Events. Flohmärkte, Partys, sogar ein Festival war dabei.

Daraus erwuchs eine Leidenschaft für Kultur und Gastronomie. Nachdem eine geeignete Räumlichkeit gefunden war, stellten die beiden einen kulturellen Abend mit Musik und Lesungen auf die Beine.

Finn Kirberg blickt auf diesen Abend als die Geburtsstunde des "studio12" zurück: "Die Resonanz war unglaublich gut, weil die Leute froh waren, mal einen "anderen" Abend erlebt zu haben. Mit mehr kulturellem Input. Und nicht, wie das ja oft in der Studentenkultur ist, wo sich dann doch alles nur um Alkohol dreht."

Während der Jungunternehmer vom "Rumgetrinke" der Studenten spricht, die sich eigentlich trotzdem nach Input sehnen, wird seine Leidenschaft für Kunst als tiefergehende Triebfeder deutlich. "Dann wurde uns der Laden zur Übernahme angeboten. Wir wollten eigentlich beide raus aus der Stadt. Wir wollten nur noch kurz unser Studium beenden." Doch nun eröffneten sich neue Möglichkeiten.

Der Plan, kulturelle Veranstaltungen in größeren Städten aufzuziehen, stand im Raum. Sich bereits in Passau daran versuchen zu können, schien da verlockend. Im März 2020 unterschrieben sie den Mietvertrag.

Dann kam Corona

"Das Timing war jetzt vielleicht nicht das Allerbeste", schmunzelt Finn Kirberg. "Wir wollten aufmachen, dann war erst mal Corona." 

Am 4. Juni 2020 konnten sie aber wenigstens den Außenbereich öffnen. Kultur wurde mit Gastronomie gepaart. Es entstand Raum für Kunst. Montags stellten Autoren ihre Texte in kleinen Lesungen vor. Mittwochs standen Hip-Hop-Discjockeys auf der Agenda, donnerstags dann Livebands. Ziel war eine "Late-Night-Jazzy-New-York-Atmosphäre", wie es Finn Kirberg bezeichnet. Später durfte dann auch unter strengen Hygienmaßnahmen der Innenbereich öffnen.

Das "studio12" hat sich schnell als "Treffpunkt für kreative Köpfe" etabliert, wie der Mitgründer stolz erzählt.

Dann kam Corona zurück

Das "studio12" war fünf Monate geöffnet, nun ist es bereits wieder seit fünf Monaten zu. "Der Innenbereich ist komplett geschlossen", fasst der Jungunternehmer die aktuelle Situation zusammen.

"Der Außernbereich ist auch zu, einfach, weil wir das Infektionsgeschehen sehr ernst nehmen. Aber wir haben wenigstens mit To-go-Verkauf angefangen." Bei gutem Wetter kann man sich also nun einen Kaffee oder ein anderes Getränk zum Mitnehmen kaufen.

Neue Wege

"Wir haben diesen Lockdown anderweitig nutzen können“, erklärt Kirberg. "Ich konnte mein Studium beenden, mein Kollege machte auch große Fortschritte. Und wir haben uns auf den Digitalbereich fokussiert.“

Eine Aussage, die sich auch im Interview widerspiegelt. Anstatt wie gewohnt vor Ort zu sprechen, findet das Interview als Videokonferenz statt. Corona beeinflusst nicht nur Kulturschaffende.

Unter Mithilfe von außen begannen die beiden, Konzerte aufzuzeichnen und auf einem eigenen Youtube-Kanal zu veröffentlichen. Regionale Künstler spielten ihre Musik. Inspiriert worden sei man von den "Tiny Desk Concerts“ von NPR Music in Washington, DC. Darüber hinaus haben die beiden Kulturbegeisterten angefangen, T-Shirts zu designen. Eine Podcast-Serie auf Soundcloud ergänzt das derzeitige Spektrum.

Zukunft noch ungewiss

"Wir wünschen uns, dass eine Öffnungsperspektive geboten wird", sagt Finn Kirberg. Er hoffe auf ein gutes Konzept unter Verwendung der neuen Schnelltests.

Mit Optimismus planen die Kulturfans weiter. "Ich habe auch kürzlich mit der Stadt Passau telefoniert, weil wir gerne Bootspartys veranstalten würden." Tagesaktuelle Schnelltests wären Finn Kirbergs Meinung nach auch hier eine mögliche Lösung. Innovative Konzepte müssen auch vonseiten der Politik her. "Damit Kultur wieder stattfinden kann. Den Menschen fehlt das", gibt er zu bedenken.

Und nicht nur ihnen fehlt etwas. Finn Kirberg und Adrian Tadić bestreiten aus dem "studio12" ihren Lebensunterhalt. "Wir wurden bei den Coronahilfen gut bedacht", erzählt Kirberg erleichtert. "Bei uns sind die Hilfen angekommen." Auch der Vermieter ist den beiden entgegengekommen. "Wir können uns so über Wasser halten."

Besorgnis erregt hier die Situation der Angestellten in der Gastronomie. Viele seien nur auf Stundenbasis beschäftigt.

Wie sich die Situation für Minijobber verhält, können sie hier lesen: Was Minijobber jetzt wissen sollten

Künstlernetzwerk in Arbeit

Durch ihre virtuellen Events sollen künftig auch Kulturschaffende vernetzt werden. Die neu aufgebaute Website "studio12.world" soll dabei helfen, eine Verbindung zwischen Online-Events, Planungen und kulturellem Angebot zu schaffen.

Eines ist für die beiden Unternehmer klar: Sie möchten weiterhin einen Beitrag zur Kulturwelt in Passau liefern. Wie auch immer das in der Pandemie letztlich aussehen mag.

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