Kommentar Gehaltsverzicht beim Jahn: Ein starkes Zeichen

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Dass die Jahn-Profis auf Gehalt verzichten, ist ihnen hoch anzurechnen. Sie bewegen sich in Gehaltsklassen weit weg von Millionengehältern. Besonders bemerkenswert ist auch der angekündigte Zeitraum für den Verzicht. Ein Kommentar.

In einem offenen Brief haben die Fußball-Profis des SSV Jahn Regensburg am Donnerstag verkündet, auf einen Teil ihrer Gehälter und Prämien zu verzichten, zudem wird die gesamte Mannschaftskasse gespendet (Hier geht's zum Bericht). Weil beim Jahn niemand Millionen verdient, ist das umso höher zu bewerten.

Vorneweg: Jeder Verzicht ist uneingeschränkt positiv zu sehen. Auch wenn man sich ein müdes Lächeln nicht verkneifen kann, wenn die Bayern-Profis auf 20 Prozent ihres Gehalts verzichten und gleichzeitig durchsickert, dass Torhüter Manuel Neuer für die Verlängerung seines Vertrages angeblich eine Gehaltsaufstockung auf rund 20 Millionen Euro fordert – pro Jahr! Zur Einordnung: Das sind vier Fünftel des gesamten Jahresumsatzes, den der SSV Jahn Regensburg in diesem Jahr (vor Corona) angestrebt hat.

Die Profis des SSV Jahn bewegen sich weit weg von diesen kaum noch vorstellbaren Summen, weit weg von Millionengehältern. Viele kümmern sich neben der sportlichen Karriere – beispielsweise durch ein Studium – bereits um die Zeit nach der Fußballerlaufbahn. Im Zweitliga-Vergleich sind die Oberpfälzer sicher im unteren Bereich anzusiedeln. Entsprechend wird ein Jahn-Kicker einen Gehaltsverzicht mehr spüren als ein Bundesliga-Topverdiener, manchem dürfte das wegbrechende Geld auch wehtun. Dass die Mannschaft – genauso wie Geschäftsführung, Trainerteam und Abteilungsleiter – geschlossen auf einen Teil ihrer Gehälter und ihrer Prämien verzichtet, ist deshalb umso höher zu bewerten und zeugt von einem großen Solidaritätsgedanken.

Bemerkenswerter Zeitraum

Besonders bemerkenswert ist auch der Zeitraum, in dem die Jahn-Kicker auf das Geld verzichten werden. "Bei diesem Verzicht wird es auch so lange bleiben, bis der reguläre Spielbetrieb wieder mit Zuschauern stattfinden kann und unserem Club dadurch wieder sämtliche an den Spielbetrieb anhängigen Einnahmequellen zur Verfügung stehen", schrieben die Profis. Da aktuell nicht absehbar ist, wann Fußballspiele vor Zuschauern wieder möglich sind, kann sich das womöglich monatelang hinziehen. Dazu ist die Mannschaft "in Abhängigkeit von den weiteren Entwicklungen natürlich auch dazu bereit, auf noch höhere Beträge zu verzichten, als dies im ersten Schritt der Fall ist."

Es zahlt sich aus, dass der Jahn neben der sportlichen Qualität seit Jahren auch explizit auf den Charakter seiner Spieler achtet. Einstellung und Charakter sind eben oftmals mehr wert als die rein fußballerischen Fähigkeiten. Und wenn Geschäftsführer Christian Keller zu Jahresbeginn – weit vor Corona – "Jahn sein" als Jahresmotto für 2020 ausgegeben hat, dann zeigt sich in einer solchen Situation, was das wirklich bedeutet: im Sinne des Clubs und der Gesellschaft zusammenhalten.

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