Jordanien Petra - rosafarbene Felsenstadt der Nabatäer

Das Schatzhaus wurde durch den Film "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" von Steven Spielberg bekannt. Foto: Karsten-Thilo Raab

Bei der bloßen Erwähnung des Namens Petra schnalzen nicht nur Kulturliebhaber begeistert mit der Zunge. Keine Frage, die rosafarbene Felsenstadt ist nicht nur Jordaniens bedeutendste Attraktion, sondern gehört zu den faszinierendsten Kulturdenkmälern der Welt.

Auch wenn schon viel über das Weltkulturerbe, das im Jahr 2007 auch zu einem der sieben Weltwunder der Gegenwart gekürt wurde, geschrieben wurde, bereitet einen nichts auf diesen bemerkenswerten Ort vor. Denn der Anblick der versteckt liegenden Felsenstadt ist schier überwältigend. Der Weg in das rosarote Meer aus Tempeln, Grabstätten, Opferaltären und Obelisken führt durch den knapp 1.200 Meter langen Siq. Der schmale, verwinkelte Gebirgspfad wird auf beiden Seiten von bis zu 80 Meter hohen Felsen eingekeilt, die sich an einigen Stellen fast berühren. Vorbei geht es an bizarren Felsformationen. Zwei Männern in historischen Uniformen der nabatäischen Krieger säumen den Weg, lassen sich bereitwillig von der nicht enden wollenden Heerschar der Touristen ablichten.

"Stopp. Alle die Augen schließen und langsam weiter gehen!", befiehlt Raef Hassein. Der charmante Fremdenführer bereitet die kleine Gruppe auf den ersten Höhepunkt eines jeden Petra-Besuchs vor. Nach 25, 30 Schritten erhallt wieder Raefs Stimme: "Stehen bleiben. Jetzt können Sie die Auge langsam wieder auf…" Der Rest des Satzes geht in den kollektiven Ahs und Ohs und sonstigen Begeisterungsausrufen unter.

Am Ende der schmaler werdenden Schlucht funkelt rosarot ein Teil des legendären Schatzhauses, des Al-Khanzehs. Ein Bild, das millionenfach um die Welt ging, und 1989 in Steven Spielbergs Leinwandabenteuer "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" in den Olymp der Kinogeschichte einging.

"Hier in Petra gibt es im wesentlichen drei Arten von Gräbern: die für Könige, die für Krieger und die für das einfache Volk", erklärt Raef, nachdem sich die allgemeine Aufregung langsam gelegt hat. Gleichwohl gehört die Aufmerksamkeit weniger seinen Worten als dem imposanten Tempel mit der 30 Meter breiten und 43 Meter hohen Fassade, die von sechs Säulen im hellenistischen Stil verziert wird. Im Innern des Schatzhauses herrscht hingegen fast gähnende Leere. Allerdings hatten Archäologen hier bei Grabungen im Jahre 1995 neun Kinderschädel und zwei Kilogramm Weihrauch entdeckt.

"Petra ist ein natürliches Gesamtkunstwerk"

"Bis heute ist unklar, für wen dieses Felsengrab errichtet wurde", verweist Raef auf die Tatsache, dass die Historiker vermuten, dass hier König Aretas IV., der im Jahre 40 verstorben sein soll, seine letzte Ruhestätte fand. Genüsslich schlürft Raef einen Tee mit Minze, zieht an seiner Zigarette, ehe er förmlich ins Schwärmen gerät: "Petra ist ein natürliches Gesamtkunstwerk."

Recht hat er. Zumindest teilweise. Denn die mehr als 900 Felsenwohnungen, Gräber, Tempel, Opferstätten und Felsenreliefs von Petra sind nicht das Werk der Natur. Im Gegensatz zu den bizarren Felsenformationen und Schluchten wurden sie von Menschenhand geschaffen - und zwar vor gut 2.200 Jahren.

Lange vor Christus Geburt schlugen die Nabatäer die riesige Stadt am Knotenpunkt der antiken Handelsrouten für Gewürze und Seide in den rosaroten Sandstein. Zur Blütezeit umfasste die Hauptstadt des nabatäischen Königsreichs eine Fläche von rund zehn Quadratkilometern.

"Die Nabatäer waren Meister des Wasserbaus", verweist Raef auf die Reste eines weit verzweigten Be- und Entwässerungssystems. Das Wasser und der Schutz der Täler und Schluchten öffneten den Nabatäern auch das Tor zu großem Wohlstand. Sie ließen sich für ihre Gastfreundschaft, den Schutz des Tales und das frische Wasser großzügig von den Karawanen entlohnen.

Eine weitere Blütezeit erlebte Petra unter der Herrschaft der Römer im ersten Jahrhundert nach Christus. Auch die Römer hinterließen ihre Spuren, errichteten ein Theater mit 3 000 Plätzen und pflasterten die Kolonnade.

Stadt verschwand einst komplett von der Landkarte

"Ab dem achten Jahrhundert verlor Petra zunehmend an Bedeutung und verschwand erst aus dem Bewusstsein der Leute und dann schließlich komplett von der Landkarte", erklärt Raef mit Blick auf ein wichtiges Ereignis im Jahre 1812. Damals wurde die Stadt vom Schweizer Johann Ludwig Burckhardt eher zufällig wieder entdeckt.

Das Gros der Häuser von Petra war in der Zwischenzeit durch Erdbeben zerstört. Gleichwohl lässt sich die Pracht der Stadt noch deutlich erahnen. Mehr als 500 Gräber und Grabkammern mit zum Teil aufwendigen Inschriften - darunter die Monumentalgräber an der Königswand - trotzten erfolgreich den Naturgewalten und sind noch immer vorhanden.

Hoch oben über dem Tal steht das gewaltige Ad-Deir-Kloster, zu dem 800, in den Fels geschlagene Stufen empor führen. Ein schweißtreibender und lohnender Aufstieg. Denn von hier oben wird einmal mehr die ganze Pracht der Felsenstadt deutlich - vor allem in den Morgenstunden und am späten Nachmittag, wenn die beeindruckenden natürlichen Farben der Felsen durch die Sonne noch verstärkt werden.

 

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