Lesen wir mehr oder weniger, seit es Smartphones gibt? Warum ist Lesen überhaupt noch wichtig, wenn wir doch alle wichtigen Informationen als Sprachnachricht, auf Youtube oder – wenn überhaupt in Textform – als Kurztext erhalten?

Das weiß Prof. Dr. Simone Ehmig, die Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen in Mainz. Sie sprach beim Lehrermedientag zum Thema „Lesen im digitalen Zeitalter – Lesekompetenz, Lesepraxis und Lesebegriff“.

Gefühlt lesen wir immer weniger. Informationen erhalten wir oft als Pushed-Nachricht oder per Twitter auf unser Handy. Ist es heutzutage überhaupt noch wichtig, dass wir lange Text lesen können?

Simone Ehmig: Das Gefühl, das Sie beschreiben, hat man nur, wenn man Lesen als Lesen längerer Texte, vor allem von Büchern, versteht. Faktisch ist es aber so, dass wir im Alltag mehr Zeit mit Lesen verbringen. Überall begegnet uns Information in Textform: auf Hinweisschildern, an Fahrkartenautomaten, in Form von Nachrichten aufs Smartphones, in Formularen. Oft müssen wir vor allem schnell lesen können, zum Beispiel am Automaten, der den Vorgang abbricht, wenn wir nicht innerhalb weniger Sekunden das richtige Feld auf dem Touchscreen berühren. Um sich hier zurecht zu finden, sind fundierte Lesekompetenzen erforderlich. Diese erwerben wir über Bücher, Zeitungsbeiträge und so weiter. Die Grundlagen dafür werden in der frühen Kindheit durch das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern, das Vorlesen und Erzählen von Geschichten gelegt.

Welche Folgen hat es, dass Sprachnachrichten, Hörbücher und Podcasts, wenn man also nebenbei Informationen bekommt, immer beliebter werden?

Ehmig: Diese Formate ergänzen die Vielfalt und Vielzahl von Texten. Dabei ist Hören etwas Anderes als Lesen. Wir verarbeiten das, was uns akustisch erreicht, anders als einen Text. Beim Lesen konzentrieren wir uns idealerweise komplett und kommen auch körperlich zur Ruhe. Hörmedien ersetzen das Lesen nicht – vor allem in der frühen Kindheit Hörspiele nicht das Vorlesen.

Wie wirkt es auf die Lesekompetenz, wenn ich ein Smartphone, Tablet oder Digitalbuch statt eine Zeitung oder ein gedrucktes Buch in der Hand halte?

Ehmig: Die Studien, die es dazu gibt, zeichnen ein ambivalentes Bild. Häufig werden nur diejenigen Befunde beachtet, die die Überlegenheit von gedruckten Medien zeigen. So gibt es Hinweise darauf, dass vor allem sachbezogene Inhalte, die unter Zeitdruck gelesen werden sollen, besser verstanden werden...

Das vollständige Interview finden Sie auf idowa.plus: „Wir lesen mehr, nicht weniger“.