Interview Massenmobilität - „ein sozialpolitisches Problem“

Kein Hoffnungsschimmer, dass sich das einmal ändern könnte?

Prof. Bargende: Hoffnung gibt, dass die CO2-Grenzwerte bis 2030 so streng werden, dass man sie nur unter Ausnutzung aller CO2-Minderungsmaßnahmen erreichen kann. CNG ist dann eine hervorragende Möglichkeit dem Kunden ein Fahrzeug zu bieten, das deutlich unter 20.000 Euro kostet und nur sehr niedrige CO2-Emissionen hat. Da wird dann plötzlich Erdgas ganz furchtbar attraktiv.

Die CO2-Bilanz aber würde deutlich schlechter, wenn man das CNG extra für die Autos herstellen müsste, oder?

Prof. Bargende: Die nicht-fossile Zukunft heißt: künstliches Erdgas. Da sind wir dann wieder beim Methan. Der Fachbegriff heißt: Substitute Natural Gas, SNG. Gemeint ist die Herstellung von Methan aus überschüssigem regenerativem Strom. Zum Beispiel, wenn der Wind stark weht und der erzeugte elektrische Strom nicht verbraucht werden kann, produziert man damit künstliches Erdgas und speist es ins Erdgas-Netz ein. Das ist dann wirklich in jeder Beziehung CO2-frei. Gleiches gilt natürlich für Sonnenstunden mit überschüssiger Energie. Wenn der Wind dann einmal nicht weht und die Sonne nicht scheint – wir nennen das „Dunkelflaute“ – dann kann man aus dem künstlichen Erdgas wieder Strom machen. Oder man kann es halt in Autos tun. Das ist der klare Zukunftsplan, der aber leider erst in einigen Jahren greifen wird.

Im Zuge des Ausbaus der regenerativen Energien müsste man doch dann aber gleichzeitig die Produktionsanlagen für das künstliche Erdgas schaffen, oder?

Prof. Bargende: Die Firma Audi hat eine entsprechende Versuchsanlage mit sechs Megawatt in Werlte in Niedersachsen. Dass ein Autobauer hier voran gehen muss, liegt daran, dass die Politik die Notwendigkeit der Zwischenspeicherung lange unterschätzt hat. Man glaubte, dass man Engpässe durch eine Nord-Süd-Verlagerung im Stromnetz ausgleichen, bzw. synchronisieren könnte. Das geht aber ab einem bestimmten Anteil regenerativer Energien nicht mehr, wie diverse Untersuchungen zeigen.

Interessanter Exkurs. Warum haben die Energieversorger dem nicht widersprochen?

Prof. Bargende: Die Energieversorger sind sehr vorsichtig mit entsprechenden Äußerungen, weil sie alle miteinander darum kämpfen wieder ein positives Image aufzubauen. Eines ist klar: Es ist noch ein sehr weiter Weg, bis wir unsere gesamte Energie regenerativ beziehen und ohne Zwischenspeicherung, bzw. ganz allegemein der Herstellung und des Einsatzes chemischer Energieträger – wie z.B. Methan – wird es nicht gehen.

Zurück zum Verkehr: Ist der Plugin-Hybrid dann die Lösung?

Prof. Bargende: Der Plug-In-Hybrid ist definitiv ein wichtiger Baustein, um die 2030er Grenzwerte einzuhalten. Der Plug-In-Hybrid hat nur ein Problem: Er ist nach heutigem Technikstand für deutlich unter 20.000 Euro nicht zu haben. Das ist am Ende ein sozialpolitisches Problem, bezogen auf die Massenmobilität. Das Thema wird sein: Wie halten wir die Fahrzeuge, die derzeit bei etwa 15.000 Euro und darunter liegen, im Markt? Da hilft natürlich Erdgas mit seinem niedrigen CO2-Bildungspotential enorm.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

1 Kommentar

Kommentieren

null

loading