Bernd Ohlmann (HBE) Einzelhandel: Raus aus den Städten, rein ins Netz?

Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern sprach mit idowa über Vermarktungstechniken in der Online-Welt. Foto: Collage dpa/Handelsverband Bayern

Viele Hotels legen Wert auf eine Instagram-taugliche Aufmachung. Restaurants und Skigebiete sowieso. Wer im Urlaubsbereich nicht auch online zu finden ist, findet nicht statt.

Was aber bedeutet diese Entwicklung für den Einzelhandel in der Region? Muss auch der digital werden und, wenn ja, wie? Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern (HBE) sieht im Online-Marketing Chancen wie auch Risiken.

Herr Ohlmann, welche Bedeutung hat Online-Marketing für die Handelsunternehmen in Ostbayern?

Bernd Ohlmann: Das ist sehr unterschiedlich. Konsequent alle digitalen Kanäle bespielen natürlich die großen Handelsunternehmen. In Ostbayern gibt es vor allem viele mittelständische, inhabergeführte Familienbetriebe. Für die ist es aus Kostengründen und auch von der Manpower her oft gar nicht möglich. Für viele ist die eigene Homepage die einzige Online-Plattform. Der Verkauf über einen eigenen Webshop lohnt sich für die meisten nicht.

Es scheitert also oft an der Manpower. Wofür wird die im digitalen Bereich gebraucht?

Ohlmann: In Social Media muss alles sehr schnell bearbeitet werden. Wenn ich am Freitag eine Produktanfrage oder eine Beschwerde habe, und erst Mitte der darauffolgenden Woche jemand darauf antwortet, dann ist das kontraproduktiv. Da muss in einem Unternehmen jemand bestimmt und ermächtigt werden, sofort darauf zu antworten. Wenn das im Unternehmen erst mal über mehrere Instanzen geht, funktioniert diese Art des Kundenkontakts nicht.

80 Prozent der Einzelhändler verkaufen online

Gibt es Plattformen, die sich mehr „lohnen“ als andere?

Ohlmann: Oft klappt es nur, einzelne Kanäle zu bespielen, die sollten die Unternehmer dann bewusst auswählen. Allen voran die Influencer-Plattform Instagram. Manche sind auf Pinterest oder auf SnapChat, immer mehr bespielen  einen Newsletter per WhatsApp. Es gibt mittelständische Betriebe, die zigtausend Follower auf Instagram beziehungsweise Fans auf Facebook haben.

Bekommt der Einzelhandel hier auch Unterstützung von den Herstellern? Liefern die Werbekonzepte, die zum Beispiel besonders für Instagram taugen?

Ohlmann: Natürlich ist es eine Strategie der Hersteller von Produkten, mit Sondereditionen einen Hype zu erzeugen. Besonders im Bereich Schuhe und Klamotten ist das eine Strategie. Hier wird mit Sondermodellen viel Wirbel gemacht. Wenn das positiv in den Blogs vermerkt wird, ergibt das einen Dominio-Effekt. Auch Cross-Marketing ist ein Faktor, also, dass Hersteller gemeinsam etwas vermarkten. In dieser Liga können aber wirklich nur die großen Unternehmen mitspielen.

Bei Online-Werbung müssten die sogenannten „Impuls-Käufe“ ja eigentlich auch digital passieren. Was sagen die Zahlen dazu?

Ohlmann: Wir haben 60.000 Einzelhandelsbetriebe in ganz Bayern – davon sind die meisten kleine Einzelhändler. 80 Prozent der Händler in der Region haben eine eigene Homepage, ein Drittel etwa verkauft online. Das heißt allerdings nicht, dass sie alle einen eigenen Webshop haben, sondern, dass sie über Marktplätze wie Ebay oder Amazon verkaufen.

Lesen Sie im zweiten unseres Interviews, warum in vielen Bekleidungsgeschäften in Tokyo sogar das Anprobieren digital funktioniert.

 
 
 

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