Frisch vom Hof Kathi Köberl verkauft selbstgemachte Joghurts in Supermärkten

Kathi hat auf dem Hansl-Hof ihre Berufung gefunden: „Ich lebe hier meinen Traum.“ Foto: Anna-Lena Weber

Kathi Köberl ist Landwirtin. Seit drei Jahren produziert und verkauft sie Erzeugnisse vom Hansl-Hof. Ein weiteres Standbein, das diesen am Leben hält.

Beige, angeraute Fliesen. Jeder Schritt von Kathi Köberl platscht auf dem nassen Boden, der das Licht der Neonröhren spiegelt. Sehr klinisch, kahle Wände mit Edelstahlplatten daran. Sie trägt weiße Gummistiefel, weiße Schürze, weißes Haarnetz. Der einzige Farbtupfer ist der beerenfarbene Pulli, den sie anhat, damit sie nicht friert. Bei zwölf Grad Raumtemperatur.

Der große silberne Kessel wärmt den Raum, sobald er die 300 Liter Milch auf 92 Grad erhitzt. Die Milch läuft über eine unterirdische Leitung direkt vom Melkroboter aus dem Stall hierher. Kathi hebt mit einer Hand den Deckel an und kippt mit der anderen 20 Eiswürfel hinein. Sie sind mit einem cremefarbenen Pulver versetzt: „Jetzt hab’ ich die Milch beimpft.“ So nennt sie es, wenn sie Joghurtkulturen in die Milch gibt.

Jeden Mittwoch und Donnerstag arbeitet die Jungbäuerin aus Machtesberg bei Waldmünchen in der hauseigenen Molkerei. 50 Quadratmeter, auf denen sie Joghurt, Butter, Pudding und Frischkäse aus der Milch ihrer Kühe herstellt. Vor drei Jahren probiert sie das Joghurtmachen zum ersten Mal aus. Damals noch in ihrer Küche. Wie es geht, hat sich die Hauswirtschaftsmeisterin selbst beigebracht.

Joghurts vom eigenen Hof: „Des kauft doch eh keiner“

Sie hat sich in den Kopf gesetzt, eine Milchtankstelle zu eröffnen und neben dem Ab-Hof-Verkauf von Rohmilch auch andere Produkte anzubieten. Ihre Schwiegereltern sind zunächst skeptisch: „Was willst denn mit dem Joghurt? Des kauft doch eh keiner“, sagen sie. Ein bisschen kann sie die Bedenken schon verstehen. Schließlich geht es auch um die Wirtschaftlichkeit ihres Vorhabens. Es soll dabei was für den Betrieb rausspringen. Den Betrieb ihrer Schwiegereltern und ihres Mannes Hubert. Den hat sie ein Jahr zuvor beim Feiern kennengelernt. Hubert, Landwirt, ist für sie die perfekte Partie: „Jemand andern wie an Bauern hätte ich eh ned wollen“, sagt Kathi.

Sie ist auf einem Bauernhof groß geworden. Kühe, die frische Milch geben, und Eier von eigenen Hühnern sind ein Luxus, den sie von klein auf kennt und nicht aufgeben will.

Im Mai 2016 kann sie ihren Willen, eine eigene Milchtankstelle zu eröffnen, durchsetzen. Zu diesem Zeitpunkt arbeitet sie noch 30 Stunden in der Woche als Dorfhelferin im Landkreis Cham. Jeden Mittwoch geht sie auf die Meisterschule für Hauswirtschaft.

Wie ein Getränke-Automat, nur mit Milch statt Cola

Die Milchtankstelle, eine Holzhütte mit Ziegeldach, steht an der linken Seite der Hofeinfahrt zum Wohnhaus. Beim Öffnen der Tür lachen einem Kathi und Hubert in Tracht auf einem Heuballen sitzend an. Mit einem Glas Milch in der Hand verkörpern sie den Hansl-Hof und seine Produkte. Das Foto ziert die untere Hälfte des mannshohen Milchautomaten. Es soll die Kunden davon abhalten, nicht zu zahlen.

Kathi hat das in einer Vermarkterzeitschrift gelesen. Der Verkauf in der Tankstelle ist auf Vertrauensbasis. Kathi legt die Preise fest. Den fälligen Betrag werfen die Besucher in den Schlitz einer hellblauen Blechkasse. Sie ist zugesperrt und am hölzernen Regalboden festgeschraubt. Wechselgeld gibt es nicht. Dafür ein großes Sortiment, mit dem sie auch am Chamer Bauernmarkt vertreten ist.

Präsentiert auf Holzlatten und an die Wand geschraubte Weinkisten: elf Sorten Fruchtaufstrich, eingemachtes Obst und Gemüse von Kirschen und Zwetschgen über Bohnensalat und Tomatensoße, Frischkäse, Eier und Apfelsaft. „Alles, was da herin steht, mach’ ich selbst. Außer die Schilder, die schreibt mei Schwägerin“, sagt Kathi und lacht. Schönschreiben kann die 24-Jährige nicht.

In der Gegend um Waldmünchen machen viele Urlaub. Im Sommer kommen Touristen täglich zum Familienbetrieb. Wenn sie gerade beim Kochen ist, beobachtet Kathi die Gäste: „Dann seh’ ich, wie sie sich abwechselnd auf den alten Holzstuhl hinsetzen und meinen Joghurt löffeln.“

Vom Bauernhof ins Supermarktregal

Der erste Sommer läuft gut. Ende 2016 steht sie vor der Entscheidung: Ihr sicheres Einkommen oder die Selbstvermarktung aufgeben? Sie entscheidet sich für ihre Kühe und was sie aus ihrer Milch machen kann. Damit sich der Umbau des Kellers zu einer Molkerei lohnt, braucht Kathi mehr Abnehmer. 2017 kann sie gleich drei Kunden für sich gewinnen.

Ab Januar verkauft sie Butter, Joghurt, Pudding und Frischkäse im Edeka in Rötz und der Klostermühle in Cham. Im Herbst kommt die Rewe-Filiale in Cham dazu. Beide Supermärkte setzen seit gut acht Jahren verstärkt auf regionale und lokale Produkte. Ein Trend, der der Jungbäuerin in die Hände spielt. Ein Mittel, um aufzufallen, ist ihr Logo. Jedes ihrer Produkte trägt ein Etikett, auf dem eine schwarze Kuh auf weißem Hintergrund abgebildet ist. Darunter steht Hansl-Hof. Hansl ist der Hausname der Familie Köberl. Der Name bleibt im Kopf. Und außerdem: „Wennst vor nem Regal stehst und dich schaut hundertmal de Kuh an ... des wirkt scho“, sagt Kathi.

Für Kathi sind ihre Kühe nicht nur die Nummer auf der gelben Ohrmarke. Das war bei ihr schon als kleines Mädchen so. Wenn bei ihr auf dem Hof eine Kuh verkauft wurde: „Da habe dann drei Tage lang nimmer mit da Mama gred“, erinnert sich Kathi. Jeden Abend geht sie in den Stall.

Kathi liebt ihre 75 Wiederkäuer und kennt sie alle beim Namen. Gleich hinter den Boxen der Babys ist der Laufstall samt Melkroboter. Hier können sich die Kühe frei bewegen. In der Ecke steht ein schon in die Jahre gekommenes Tier. Es hört auf den Namen Sophie. Auch wenn sie nicht mehr so viel Milch gibt wie die anderen, ist sie Kathis Lieblingskuh. „De wenn da Hubert hergibt, dann lass i mi scheiden“, scherzt Kathi.

Sophie ist eine Ausnahme, denn trotz aller Liebe zum Tier kommt es auch auf ihre Leistung an. Eine Kuh auf dem Hansl-Hof gibt zwischen 20 und 40 Liter Milch am Tag. Das macht auf den ganzen Stall verteilt um die 1300 Liter täglich. Für einen Liter bekommen sie knapp 36 Cent. Bei der Milchgeldabrechnung stehe dann erstmal eine riesengroße Zahl. Ziehe man die Kosten wie Diesel, Futterzukauf, Strom, Wasser und Tierarztkosten ab, bliebe davon nicht mehr viel übrig. Für zwei Haushalte reiche das nicht.

Mit Milch allein wird man nicht reich

Neben dem Milchkuhbetrieb verkaufen die Köberls Brennholz, Hubert und sein Vater machen den Winterdienst in den umliegenden Orten und haben die Molkerei. „Mit da Milch allein wern wir ned reich. Des ergänzt sich halt alles.“

Kathis Erklärung klingt nicht verbittert. Im Gegenteil, sie will wachsen und will mit dem Hansl-Hof erfolgreich sein. Dieser besteht seit mehr als zehn Generationen und soll auch noch eine elfte und zwölfte erleben. Ihr nächstes Ziel: Selbst Käse produzieren und statt Plastikbecher auf Gläser umstellen.

 

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