Freischreiben Laura aus Regensburg wagt den Selbstversuch und grüßt jeden - ungewöhnlich?

Einfach mal jeden, den man trifft, grüßen - damit kann man anderen den Tag verschönern, findet Laura Hiendl. Foto: pixabay.com

Auf dem Dorf guter Umgang, in der Stadt ungewöhnlich: Laura Hiendl (25) aus Regensburg grüßt einen Tag lang jeden, der ihr über den Weg läuft. Ein Selbstversuch.

Zugegeben: Eine „Social Challenge“ scheint in Zeiten von Lockdown, Maskenpflicht und Ausgangs- sowie Kontaktbeschränkungen erst einmal wenig sinnvoll zu sein. Aber warum eigentlich nicht? Gerade jetzt sind einige isoliert und einsam, haben kaum persönliche Kontakte und würden sich wieder mehr soziale Nähe wünschen. Wieso also nicht mal außerhalb der eigenen vier Wände mehr Freundlichkeit und eine kleine, aufmerksame und unerwartete Geste zeigen? Da sind wir schon an dem Punkt: Warum ist das Grüßen in der Stadt eigentlich so unüblich?

Mehr Leute, mehr Anonymität

In meinem Heimatdorf ist es normal und gehört sogar zum guten Umgang, jede Person, der man begegnet, zu grüßen – egal, ob man sich kennt oder nicht. Als ich dann zum Studieren nach Regensburg zog, war es erstmal seltsam, dass das hier in der Stadt anscheinend ganz anders gehandhabt wird. Mehr Leute, mehr Anonymität, mehr Unpersönlichkeit. Zeit, das Heimatliche mal für einen Tag in die Stadt zu bringen!

Eigentlich bin ich ja so gar nicht der Typ, der gerne auf fremde Menschen zugeht. Aber da ich schließlich nur ein kleines „Hallo“ rausbringen musste und dank Mund-Nasen-Schutz eine physische Versteckmöglichkeit hatte, fasste mein schüchternes Ich Mut und wagte sich – auf verwirrte Blicke eingestellt – an die Herausforderung.

Das erste Mal traf ich gleich in der Tiefgarage beziehungsweise im Müllraum auf jemanden, doch hier war ein kurzes „Hallo“ noch nichts Ungewöhnliches. In der menschenleeren Uni allerdings erschreckte ich die paar wenigen Menschen fast zu Tode, als plötzlich inmitten der großen Stille Worte aus meinem Mund kamen. Auch im Bürogebäude meines Studijobs war aufgrund von Home Office nicht viel los. Die einsame Reinigungs-kraft, die ich sowieso immer begrüßte, freute sich, etwas mehr (oder überhaupt) Beachtung zu bekommen. Doch in der Innenstadt gestaltete sich die Umsetzung dann schon schwierig. Denn ab einer gewissen Distanz war es einfach unnatürlich. Und seltsam. Im Supermarkt erwischte ich zum Glück eine ruhige Zeit. Die Regale einräumende Angestellte zeigte sich angesichts meines Grußes positiv überrascht, mal nicht als fester Bestandteil des Inventars wahrgenommen zu werden. Und eine Omi nutzte das Ganze gleich als Gelegenheit, mir ihre halbe Lebensgeschichte inklusive Beschwerden über die aktuellen Preise darzulegen. Beim abend-lichen Spaziergang in der direkten Nachbarschaft schließlich schien das Grüßen auch nicht unbedingt ungewöhnlich zu wirken, da hier immer eher einzelne Menschen unterwegs waren, denen ich doch mal häufiger über den Weg laufe.

Ein kleines Lächeln

Wieder zu Hause stellte ich am Ende des Tages fest: So schlimm war es nicht. Warum auch? Mehr als ein Nicht-Antworten hätte ja eigentlich nicht passieren können. Mein Fazit nach diesem Tag: Es war interessant, die doch recht unterschiedlichen Reaktionen zu beobachten. Und was spricht eigentlich gegen etwas mehr allgemeine Freundlichkeit? Wieso sollte man auch in der Stadt mal nicht nur stillschweigend aneinander vorbeilaufen? Denn wer weiß – womöglich verschönert man dem Gegenüber mit einem kleinen, momentan ja eher angedeuteten Lächeln beziehungsweise Nicken den Tag.

Dieser Text stammt aus der Campuszeitschrift Lautschrift der Universität Regensburg, die von Studierenden veröffentlicht wird. Mehr Infos gibt es hier.

 

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