Freischreiben Für die Menschlichkeit – Johannes Geith war Teilnehmer beim 153. Jugendpressekongress

Beim Jugendpressekongress wurde den Teilnehmern gezeigt, wie eine Bergung abläuft. Foto: young leaders GmbH

Wie arbeitet der Sanitätsdienst der Bundeswehr? Auf diese Frage hat Johannes Geith beim 153. Jugendpressekongress in München einige Antworten bekommen. Was er dort alles erlebt hat...

Ein dunkler Herbstfreitag tief im Münchner Norden: Kalt, ungemütlich und die Stille an diesem Abend wird nur von einem permanent ratternden Geräusch durchbrochen. Es sind die Trolleys derjenigen Jugendlichen, die nach und nach in der Sanitätsakademie der Bundeswehr eintreffen. Ein Bus spuckt diese vor dem großen, bemannten und videoüberwachten Tor in kleinen Gruppen aus. Einer der Trolleymenschen bin dieses Wochenende ich. Ich hatte von dem Kongress von einer Freundin erfahren, mich sofort beworben und siehe da: eine Zusage. Mit Vorfreude im Gepäck bin ich dorthin gefahren: Was Neues erleben, sich journalistisch weiterbilden, Leute kennenlernen. Am Bus treffe ich einen alten Bekannten wieder: Simon. Er hat 2016 mit mir Abitur gemacht und studiert jetzt in München. Wie im Film. Ich sag’ noch großspurig: „Bin am Weg zum Bund, werd jetzt eingezogen.“ Simon versteht und so sind wir beide Teilnehmer des 153. Jugendpressekongresses in München.

Webmagazin und Videos

Die Jugendpressekongresse werden von der „Young Leaders GmbH“ ausgerichtet. Das Ziel: Engagierten jungen Leuten Raum bieten, um sich untereinander zu vernetzen und sich weiterzubilden. Dabei werden sie von Profis unterstützt: Journalisten von überregionalen Zeitungen oder großen Sendern sind plötzlich deine Gruppenleiter und schauen dir beim Verfassen von Arbeiten im Rahmen des Kongresses über die Schulter. Ein straffer, aber interessanter Tagesplan begleitet dich jeden Tag. Mit einer orangefarbenen Mappe unter dem Arm – ich war in der Gruppe, die ein Webmagazin erstellte – lief ich zum nächsten Termin. Das fühlte sich wirklich nach Kongress an.

Die meisten Teilnehmer sind Oberstufenschüler, viele tätig in Schülerzeitungen. Da waren Simon und ich als Studenten schon alte Hasen, die sich aber trotzdem pudelwohl gefühlt haben. In verschiedenen Gruppen werden die Programmpunkte - Vorträge, Ausstellungen und eine „Live-Vorführung“ der Soldaten – verarbeitet und umgesetzt. Es entstanden eine Videoproduktion, eine Kongresszeitung und ein Webmagazin. Beeindruckend ist vor allem: Die Jugendlichen sind für die Inhalte selbst verantwortlich und müssen diese bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auch fertig abgeben. Danach setzen sich die Profis bis spät in die Nacht zusammen, schneiden, korrigieren und editieren die verschiedenen Formate. Noch in der Nacht wird das fertige Layout der Zeitung zur Druckerei nach Berlin geschickt. Am Sonntagvormittag kommt mit einem Transporter dann die fertige Zeitung wieder an.

Labor auf Rädern

„Der Menschlichkeit verpflichtet“ – Das ist der Slogan des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Vermutlich denken die meisten bei „Sanitätsdienst“ in erster Linie an Soldaten, die mit schwerer Ausrüstung Verletzte aus einem Kampfgebiet bergen. Der Sanitätsdienst umfasst aber noch einiges mehr: zum Beispiel das Mobile Labor. Das ist ein hochmodernes, technisches und medizinisches Gebilde aus Containern und Zelten. Es kann in Kisten gepackt werden und dann im Einsatzgebiet beliebig groß wieder aufgebaut werden. Bei der Recherche für das Webmagazin war es die Aufgabe meiner Gruppe, den Jungs aus dem Labor ein paar Fragen zu stellen. Mit Augen, die Stolz und Begeisterung ausstrahlten, erzählten die zwei jungen Männer detailreich jede Funktion des beeindruckenden medizinischen und chemischen Wunderwerks. Teilweise kosten die Geräte wie spezielle chemische Maschinen oder ein Mikroskop Beträge im sechsstelligen Eurobereich.

Bergen unter Beschuss

Einmalig war auch „Action Live“. Mit Kameras, welche an der über 30 Kilo schweren Ausrüstung festgemacht wurden und einer passenden Szenerie, die mit dem Beamer im Raum projiziert wurde, spielte eine Gruppe von Soldaten eine Bergung von Verletzten im Falle eines Einsatzes nach. Ein internationales Schema kommt hier zum Einsatz. Und die Umstände, unter denen die Soldaten hier in unwegsamen Gelände, vielleicht sogar unter feindlichem Beschuss arbeiten müssen, sind unvorstellbar. Wir hielten die Luft an und kein Mucks war von den Rängen zu hören.

Der Sanitätsdienst hat sich uns in seiner ganzen Bandbreite vorgestellt. Ich bin sehr beeindruckt, welchen wichtigen Dienst ein Teil der Truppe hier leistet, der vielleicht weniger bekannt ist als andere Teilbereiche der Bundeswehr.

Nach der Präsentation der Inhalte am letzten Tag wurde der Kongress beendet. Mit demselben ratternden Geräusch, aber viel mehr Erfahrung im Gepäck verließen wir die Kaserne und in kleinen Grüppchen verloren sich die Wege im Getümmel des Münchner Hauptbahnhofs.

Du machst bei der Schülerzeitung mit und bist gesellschaftlich, kulturell oder politisch engagiert und willst Gleichgesinnte treffen? Dann informiere dich im Internet unter www.young-leaders.net.

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading

Videos