Freischreiben Muttertagsgrüße aus Indien von Auslandsbloggerin Franziska Schoßer

Weltgeschichte“ und finde lediglich Listen von Frauen, die die Gegenwart auf die eine oder andere Weise durch ihr Handeln geprägt haben, manche von ihnen waren auch Mütter, aber nur selten wegen dieser Tatsache bekannt. Andere tragen diesen Beinamen wie „Mutter Theresa” eher aus symbolischen Gründen. Du tauchst in diesen Listen nicht auf. Nicht weiter schlimm, wie ich finde und sowieso soll es darum hier ja auch gar nicht gehen. Es geht darum, was in meiner eigenen, kleinen Welt ist. Das ist die Welt, in der ich mich am besten auskenne, die ich täglich erlebe, in der ich mich seit 27 Jahren mit kleinen und großen Problemen, mit Jubelphasen und Unsicherheiten herumschlage. Mal klappt das gut, mal weniger. Immer irgendwie mit dabei bist aber du.

Du bist an meiner Seite, du unterstützt mich. Du trocknest Tränen, backst Geburtstagskuchen oder setzt alle Hebel in Bewegung, um mir die Lieblingstorte meiner Kindheit an meinem 18. Geburtstag vorzusetzen, auch wenn Bofrost seine besten Zeiten doch längst hinter sich hat. Du hilfst bei schlecht geplanten Umzügen, fährst mich durch ganz Bayern auf Partys, die dann doch eher mittelmäßig sind, aber für mein 16-jähriges Ich überlebenswichtig erscheinen. Du überrascht mich mit Dingen, die ich mir schon immer gewünscht habe und von denen ich das manchmal zuvor gar nicht wusste. Du freust dich über meine Erfolge manchmal mehr als ich selbst. Meinen Misserfolgen bietest du Paroli, gewinnst ihnen noch etwas Positives ab oder ärgerst dich mit mir zusammen, als könnten wir so die Ungerechtigkeit und den Frust in die Knie zwingen. Du sprichst an, was mich bewegt, und siehst in meinen Augen und hörst an meiner Stimme am Telefon meinen Gemütszustand, wie es mir geht.

Hilfe beim Erwachsenwerden

Du bist nicht Mutter Teresa. Du bietest nicht den Armen, Kranken und Obdachlosen Zuflucht und geistlichen Beistand. Dafür hilfst du mir bei den täglichen Herausforderungen des Erwachsenwerdens, gibst mir ein Zuhause, egal in welchem Haus, in welcher Stadt oder welchem Land wir uns befinden. Du bist nicht Maria Theresia mit ihren 16 Kindern. Du hältst nicht ein Reich wie Österreich-Ungarn zusammen. Für mich und meine Geschwister hältst du dafür unser überschaubares Universum in der richtigen Bahn. Dabei lässt du uns stets den Freiraum unsere eigenen Entscheidungen zu treffen und dabei auch mal Fehler zu machen.

Blumen, Pralinen, Geschenke

Am Muttertag hat es sich eingebürgert seiner Mutter zu danken, Blumen auf den Tisch zu stellen, Pralinen oder kleine Geschenke zu kaufen. Leider kann ich dieses Jahr nicht mit dir feiern, dich dafür aber hoffentlich mit diesen paar Zeilen etwas überraschen. Während ich also weiterhin versuche „groß zu werden“, mit meinem Leben etwas Sinnvolles anzufangen und auf die Liste der bedeutendsten Frauen zu kommen, hast du seit 27 Jahren unangefochten Platz eins in meinem persönlichen Ranking inne.

Danke, Mama!

 

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