Freischreiben Anne Oy über Anne Frank und ihr weltberühmtes Tagebuch

Das jüdische Mädchen Anne Frank ist nach ihrem Tod durch ihr Tagebuch berühmt geworden. Foto: Andreas Arnold, ANP/dpa

Anne Frank hat das berühmteste Tagebuch der Welt verfasst. Was steckt dahinter und was ist so interessant an dem jüdischen Mädchen? Darüber schreibt die 15-jährige Anne Oy.

Das erste Mal, als ich von Annelies Marie Frank las, war Weihnachten 2015. Ich hatte von meiner Tante das Buch „Wenn du nur bei mir wärst – Eine Annäherung an Anne Frank“, geschrieben von Waltraut Lewin, zu Weihnachten geschenkt bekommen. Ich war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt – genauso alt wie Anne, als sie sich als Jüdin vor den Nazis mit ihrer Familie verstecken musste. Annes fröhliche und unbeschwerte Art fand ich sofort sympathisch. Trotz allem, was sie als Jüdin in der Zeit des Zweiten Weltkriegs erleben musste, hat sie ihre Fröhlichkeit nicht verloren.

Zwei Jahre und einen Monat musste sie sich mit ihrer Familie verstecken. In dieser Zeit konnte sie sich kaum bewegen und nur leise flüstern. Das war für die temperamentvolle 13-Jährige sehr schwierig. Obwohl die meisten Menschen zu den Juden unmöglich waren, hat Anne immer noch an das Gute im Menschen geglaubt. Das ist sehr bewundernswert, finde ich. Ihr Schreibstil, wie sie mit ihren 13 Jahren die Klassenkameraden beschreibt und nicht selten auch kritisiert, ist unglaublich. Zu ihrem 13. Geburtstag bekommt sie ein rot-weiß kariertes Tagebuch geschenkt, das später weltberühmt wird. Die Idee, Tagebuch zuschreiben kommt daher, weil Anne zwar viele Freunde hat, aber selten mit ihnen über Vertrauliches reden kann. Sie denkt sich eine Freundin aus, die sie „Kitty“ nennt und ihr Tagebuch in Form von Briefen an sie richtet. Das Tagebuch wird in der Untertauchzeit ihr wichtigster vertrauter Begleiter. Mit der Zeit im Versteck wird ihre Art, wie sie sich ausdrückt, immer besser. Ihr größter Wunsch ist es, eine berühmte Schriftstellerin zu werden. Sie hatte vor, ihr Tagebuch nach Kriegsende zu veröffentlichen.

Ihre scharfe Beobachtungsgabe ist auch faszinierend, ihren Augen entgeht nichts. Streitereien oder Gespräche zwischen den Mitbewohnern im Hinterhaus schildert sie sehr genau. Auch Menschen auf der Straße, wenn sie heimlich mal aus dem Fenster nach draußen sieht, beobachtet Anne und schreibt darüber, dass sie sich vorstelle, was die Menschen reden und denken. Ihre Selbstkritik zählt auch zu den Eigenschaften Anne Franks, die mich sehr faszinieren. Sie beobachtet sich selbst wie ein anderer Mensch, erkennt ihre eigenen Fehler und versucht ständig, sich selbst zu verbessern. Zu den Dingen, die sie an sich selbst sehr stören, zählen zum Beispiel ihre Oberflächlichkeit. Anne ist deswegen nicht oberflächlich, nein. Sie kann einfach nicht über tiefere Dinge mit anderen reden. Sie zeigt ihre witzige Seite, aber ihre ernste und tiefsinnige Denkweise kommt nie zum Vorschein. Das ärgert Anne sehr und sie versucht jeden Tag aufs Neue, sich zu verbessern. Ihre Reife für ihr Alter ist unglaublich.

Annes Denkweise über Gott und die Welt ist ihrem Alter voraus. Sie denkt über Dinge nach, über die sich Leute in ihrem Alter nie den Kopf zerbrechen würden. Anne verurteilt Menschen, die Juden hassen, nicht und verzeiht ihnen. Jedes normale Kind würde die Nazis als „böse“ bezeichnen und auf sie schimpfen. Anne dagegen sieht den Zwang der Menschen mitzumachen und ist sehr dankbar für die Helfer, die ihre Familie unterstützen. Die Offenheit, mit der Anne über die Sexualität zu ihrer Zeit reden kann, fasziniert mich ebenfalls. Sie schafft es sogar, sich über ihre erste Periode zu freuen. Endlich bin ich eine richtige Frau, denkt Anne. Sie findet es wichtig, dass jeder früh genug aufgeklärt wird. In der Zeit, in der Anne lebte, war das ein sehr schwieriges Thema. Offen darüber gesprochen wurde nie. Jeder musste sich sein Wissen selbst aneignen. Heute hat sich in diese Richtung viel getan, auch wenn es immer noch bei vielen Menschen ein Tabuthema ist.

Es gibt so viele bewundernswerte Eigenschaften von Anne Frank. Natürlich hat sie auch Schwächen. Kein Mensch kann perfekt sein. Eines steht aber fest, sie ist ein faszinierender und toller Mensch, der viel in seinem kurzen 15-jährigen Leben bewegt hat.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading