Frauenpower Typisch Frau? Typisch Mann? Das wollen Feminist*innen erreichen

Freischreiben-Autorin Veronika Gruber studiert in Passau. Foto: privat

Weg mit den Stereotypen – das ist ein Ziel des Feminismus. Was die Frauenbewegung sonst noch erreichen will, erklärt Veronika Gruber (23) im ersten Teil ihrer neuen Serie „Frauenpower“.

Feminismus ist ein Thema, das in unserer heutigen Gesellschaft zum Glück immer wichtiger wird. Es geht dabei aber um viel mehr als um das Anhängsel „*in“. Für viele Menschen ist Feminismus ein schwieriges, etwas unangenehmes Thema, weil sie nicht genau wissen, was Feminist*innen eigentlich wollen und warum ihre Aussagen oft so provokant erscheinen. Einige von euch haben vielleicht auch Vorurteile gegenüber Feminismus, wie zum Beispiel, dass Feminist*innen Männer hassen.

In dieser Serie möchte ich euch aufklären und euch den Feminismus näherbringen. Denn Feminismus ist nicht nur für Mädchen und Frauen, sondern auch für Jungen und Männer wichtig. Unsere Gesellschaft kann von dieser Bewegung profitieren. Im ersten Teil meiner neuen Serie will ich erst mal eine grundlegende Frage klären: Was ist eigentlich Feminismus?

Typisch Frau, typisch Mann

„Das ist typisch Frau!“ oder „Das ist typisch Mann!“ – Sätze wie diese hören wir in unserem Alltag häufig. Im Zusammenhang damit werden Frauen oder Männern bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die sich nur auf das Geschlecht zurückführen lassen, mit dem sie geboren wurden, also auf das biologische Geschlecht. So entstehen in unseren Köpfen bestimmte Stereotype davon, wie ein Mann oder eine Frau zu sein hat und wie die Beziehung zwischen beiden gestaltet ist.

Schön und schlank

Eine Frau hat demnach schön und schlank zu sein, sollte sich zurechtmachen, den Haushalt führen, für die Kinder sorgen, gefühlsbetont und empathisch sein. Sie lässt sich beim Kennenlernen vom Mann erobern.

Ein Mann solle dagegen stark sein, scharfsinnig, den Ton angeben, einer erfolgversprechenden Arbeit nachgehen, ein so breites Kreuz vom vielen Gewichtheben haben, dass er schräg durch die Tür gehen muss, und er sollte vom rationalen Denken getrieben sein. Und natürlich wagt er beim Dating den ersten Schritt und geht auf die Frau zu. Stereotype wie diese können nützlich sein. Denn sie helfen unserem Gehirn bei der Verarbeitung von neuen Situationen. Allerdings sind sie auch gefährlich. Denn Stereotype, die sich tief in einen Menschen einbrennen, verleiten diesen zum vorschnellen Verurteilen von anderen Personen. Und dieses Verurteilen verhindert, dass eine Gesellschaft entsteht, die freundlich, zuvorkommend und tolerant miteinander umgeht.

Neben dem biologischen Geschlecht gibt es noch das soziale Geschlecht, auch Gender genannt. Es beschreibt, mit welchem Geschlecht man sich identifiziert. Zum Beispiel kann eine Person biologisch als Junge zur Welt kommen, sich aber selbst als Frau wahrnehmen.

Entspricht ein Mann oder eine Frau nicht dem gerade genannten Stereotypen, werden sie oft mit Aussagen konfrontiert wie: „Der Achim backt gerne Kuchen, hört am liebsten Taylor Swift und will nicht mit zum Bayernspiel kommen. Das ist doch kein richtiger Mann!“ Oder: „Die Annette gibt ja überhaupt nichts auf ihr Aussehen. Ständig irgendwelche zu großen Klamotten, kurze Haare, nie geschminkt und sie hört Metal – sowas ist doch nicht weiblich!“

Diese Verurteilung, keine „richtige Frau“ oder „kein richtiger Mann“ zu sein, kann Achim und Annette persönlich stark verletzen und ihnen Angst davor machen, so zu sein, wie sie eigentlich sind. Dabei sind Achim und Annette okay, genauso wie sie sind!

Außerdem ist in diesem Gedankensystem kein Platz für andere sexuelle Orientierungen, da diese aus dem stereotypischen Muster fallen, das von einer Verbindung zwischen Mann und Frau ausgeht. Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transsexuelle, Asexuelle und so weiter – sie alle erfahren also ebenfalls Diskriminierung.

Ungerechtigkeit bis heute

Diese Ideen, die unsere Gesellschaft davon hat, wie Frau und Mann sein sollen, haben zu einem großen Ausmaß an Ungerechtigkeit geführt. Da Frauen damit in Verbindung gebracht werden, zu Hause bei den Kindern zu bleiben und den Haushalt zu führen, hatten sie besonders früher kaum Chancen auf eine gute Ausbildung oder einen Job, der ihnen finanzielle Unabhängigkeit garantiert.

Bis heute ist das noch zu spüren, denn Frauen verdienen in vielen Jobs weniger als Männer. Männern wird dagegen von klein auf antrainiert, dass sie keine „Schwäche“ zeigen dürfen, also zum Beispiel nicht vor anderen weinen sollen. Und das, obwohl Weinen doch so guttun kann!

In dieser veralteten gesellschaftlichen Idee gelten Frauen als unterlegen, Männer als stark.

Das Patriarchat auflösen

Dieses System, das viele Menschen einschränkt und ihnen Angst davor macht, das Leben zu leben, das sie leben wollen, nennt man auch das Patriarchat. Es kann jede*n schädigen, egal ob Mann oder Frau.

Und genau hier kommen wir zum Feminismus: Dieser möchte das Patriarchat auflösen, um so jedem Mitglied der Gesellschaft ein freies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen – ohne Normen und Konstrukte hinsichtlich des sexuellen Selbstkonzepts. Das heißt konkret: Jede*r soll sich kleiden dürfen, wie sie oder er will, die Musik hören, die sie oder ihn glücklich macht, sich zu den Menschen hingezogen fühlen, die ihr oder ihm gefallen. Kurzum: Jede*r soll so leben, wie sie oder er will. Das gilt auch für dich!

Was wollen eigentlich Feminist*innen? Dieser Frage geht Veronika Gruber aus Leberskirchen im Landkreis Passau in ihrer neuen Serie „Frauenpower“ nach. Die 23-Jährige sieht sich selbst als Feministin und setzt sich für mehr Toleranz und Gleichberechtigung ein. Alle kommenden Teile ihrer Serie findest du hier.

 

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