Filmtipp Rubinrot: Teenager auf Zeitreisen

Gideon de Villiers (Jannis Niewöhner, links) und Gwendolyn Shepherd (Maria Ehrich) begeben sich auf eine gefährliche Mission und müssen dabei lernen, einander zu vertrauen. (Fotos: Concorde Filmverleih GmbH 2013) Quelle: Unbekannt

Ein Mädchen im fliegenpilzfarbenen Regenmantel tritt aus einer schweren Flügeltür. Die Gesichter vorbeigehender Passanten verschwimmen vor ihren Augen. Ein nachtschwarzer Rabe mit metallisch glänzendem Gefieder flattert auf. Rubinrotes Licht zerreißt das Bild. Die junge Frau kugelt eine Treppe hinunter und landet in der Vergangenheit.

Auf dieser Schlüsselszene basiert die Handlung des Films "Rubinrot". Die 16-jährige Gwendolyn Shep-herd führt ein gewöhnliches Teenagerleben, bis sie sich plötzlich im London der letzten Jahrhundertwende wiederfindet. Der Grund ist ein seltenes Zeitreise-Gen, das sie anstelle ihrer Cousine Charlotte geerbt hat. Mit ihrem arroganten Zeitreisekollegen Gideon de Villiers begibt sie sich völlig unvorbereitet auf eine gefährliche Mission, die das größte Geheimnis ihrer Familie lüften soll. Und ganz nebenbei erkennt sie, dass Liebe schwierige Missionen alles andere als einfacher macht.

Mit der Fantasyromanze entführt Regisseur Felix Fuchssteiner seine Zuschauer in eine Traumwelt zwischen den Zeiten. Vorlage für "Rubinrot" ist der gleichnamige erste Roman aus der sogenannten "Edelstein-Trilogie" von Autorin Kerstin Gier. Die Geschichte um die Zeitreisenden Gwen und Gideon eroberte die Regale Tausender Bücherwürmer im Sturm. Dementsprechend begierig erwarteten die Fans die Besetzung der beiden Hauptrollen. Mit zwei vielversprechenden und talentierten Nachwuchsschauspielern ist das gut gelungen.

Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt

Die 20-jährige Maria Ehrich ist mit ihrem Schneewittchen-Look eine wahre Typbesetzung für die Rolle der Gwen. Die märchenhafte Beschreibung "Rot wie Blut, weiß wie Schnee und schwarz wie Ebenholz" bestätigt sich außerdem in einer unerwarteten und dramatischen Szene gegen Filmende, die so manchem Fan den Atem stocken lassen wird.

Das schafft auch Jannis Niewöhner als Gideon de Villiers sehr gut. Er darf das Klischee "Harte Schale, weicher Kern" bedienen und außerdem zeigen, wie gut er mit einem Degen umgehen kann. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt ebenfalls. Den ein oder anderen etwas arg schmalzig geratenen Dialog machen sie durch ironische und humorvolle Wortgefechte wieder wett.

Liebe zum Detail

Unterstützt werden die Hauptdarsteller durch perfekt besetzte Nebenrollen. Kostja Ullmann zum Beispiel holt als affektierter, weiß gepuderter Geist James aus dem 18. Jahrhundert einige Lacher. Für seine perfekten Fächerkünste kann man ihm dabei nur gratulieren.

Ebenfalls herzallerliebst: die Figur der Schneiderin Madame Rossini. Die Französin mit Amy-Winehouse-Gedächtnisfrisur versorgt Gwen mit der passenden Garderobe zu jeder Zeitreise und blumigen Beschreibungen wie "Schwanen'älschen".

Das Ziel der Filmmacher ist deutlich erkennbar: "Rubinrot" als großes Popcornkino im internationalen Stil, da die Handlung auch in London spielt. Mit der detailverliebten Kostümausstattung und den opulenten Drehorten ist ihnen das gelungen. Im Gegensatz zu vielen Hollywood-Blockbustern wurde an Computereffekten gespart. Das ist eine große Stärke des Films. Wo doch Effekte zum Einsatz kommen, funktionieren sie sehr gut. Trotzdem wirkt das Ganze an manchen Stellen etwas zu gezwungen "international". Wenn deutsche Darsteller "Mum" und "Dad" sagen, nimmt man ihnen das einfach nicht so ganz ab. Dass die Figuren auf englischen Websites surfen und englische SMS schreiben, sollte es wohl vertuschen, verwirrt aber nur. Das hat der Film gar nicht nötig.

Fans der Bücher sollten sich außerdem vor allem in der zweiten Hälfte des Films nicht zu sehr an die Vorlage klammern. Was in einem Buch gut klappt, funktioniert nicht immer auch auf der Leinwand. Der Film schließt einen gelungenen Kompromiss zwischen Fans der Buchreihe und Lesemuffeln, denn man versteht ihn auch, wenn man den Roman nicht gelesen hat.

Insgesamt machen der Filmstil und auch das Ende Lust auf mehr. Wenn also genug Kinofans die Sitzreihen füllen, kann Gwen gemäß ihrem Familienmotto "Hic rhodos, hic salta" (Zeig, was du wirklich kannst) in weiteren Filmen noch beweisen, was sie draufhat.

 
 

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