Drogen-Skandal Prozess in München gegen Polizisten

Vor einem Landgericht hält eine Statue der Justitia eine Waagschale. Foto: Stefan Puchner/dpa/Symbolbild/dpa

Koks verschwindet aus der Asservatenkammer, Polizisten arbeiten mit Dealern zusammen - oder dealen selbst. Ein nie dagewesener Drogen-Skandal erschütterte 2020 das Münchner Polizeipräsidium. Jetzt kommt es zum Prozess.

Im Jahr 2020 wurde der Skandal um koksende und dealende Münchner Polizisten bekannt - jetzt beginnt am Amtsgericht München der Prozess gegen einen Beamten, der darin verwickelt sein soll. Der 28 Jahre alte, inzwischen suspendierte Polizeibeamte muss sich von Donnerstag (9.00 Uhr) an wegen 79 Straftaten verantworten. Er ist unter anderem wegen unerlaubten Besitzes und Handeltreibens mit Betäubungsmitteln angeklagt, wegen Unterschlagung und des Verrats von Dienstgeheimnissen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll er sich von 2016 an bis zu seiner Festnahme im Jahr 2018 Kokain in die Polizeiinspektion haben liefern lassen - und auf das Oktoberfest-Gelände. Außerdem soll er Koks an Kollegen verkauft haben.

Der Drogen-Skandal hatte das Polizeipräsidium München 2020 erschüttert. Der Fall war ins Rollen gekommen, nachdem ein Münchner Drogenhändler als Kronzeuge gegen seine Kunden in Uniform ausgesagt hatte.

Die Staatsanwaltschaft führte seither 39 Ermittlungsverfahren gegen 37 Polizeibeamte und erhob sechs Anklagen. 15 Verfahren wurden eingestellt, in zwölf Fällen wurde nach Angaben von Sprecherin Anne Leiding ein Strafbefehl beantragt - auch wenn es dabei um sehr hohe Geldbeträge ging.

"Wir waren gerade in Corona-Zeiten dazu angehalten, von Strafbefehlen soweit wie möglich Gebrauch zu machen, um die Gerichte zu entlasten", sagte Leiding. "Hinzu kam noch, dass man durch Vermeidung öffentlicher Hauptverhandlungen auch bewusst das Ansehen der Polizei schützen wollte."

In einem ersten Urteil war ein Polizist im Oktober 2021 verwarnt und unter Vorbehalt zu einer Geldstrafe von 2250 Euro verurteilt worden, weil das Amtsgericht München es als erwiesen ansah, dass er Dopingmittel gekauft hatte. Anfang November wurde ein weiterer Angeklagter nach Angaben einer Amtsgerichtssprecherin freigesprochen. In dem Fall war es zur Hauptverhandlung gekommen, weil der Polizist Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt hatte.

Im Verfahren gegen den nun angeklagten 28-Jährigen hat das Amtsgericht zwei Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte demnach am 16. Februar fallen.

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