Dingolfing/Weng Das Katz und Maus-Spiel des Jaguars

Die Stadt Dingolfing ist das Problem mit dem Jaguar los. Jetzt steht das Auto mit britischer Zulassung am Parkplatz beim Kindergarten in Weng (Kreis Landshut). Foto: mj

Man sollte meinen, ein Auto ist zum Fahren da. Nicht aber in diesem Fall. Über ein Jahr lang hielt der Halter eines Jaguars die Stadt Dingolfing auf Trab, jetzt könnte er zum Problem für die Gemeinde Weng werden.

Das Thema avancierte im vergangenen Jahr zum Dauerbrenner in der Stadt Dingolfing. Im Mittelpunkt des Geschehens, ein Dauerparker und die Frage nach dem Motiv. Über ein Jahr lang stand der blau-graue Jaguar mit britischer Zulassung auf dem Parkdeck am Bahnhof, jeden Monat löste der Halter einen neuen Parkschein. Und wo ein gültiger Parkschein, da kein Grund für ein Bußgeld oder drastischere Maßnahmen. Allerdings blieb der Jaguar eben über ein Jahr lang an Ort und Stelle und wurde so allmählich zum unbequemen Stammgast.

Und genau hier liegt das Problem. „Das Parkdeck am Bahnhof darf ausschließlich von Bahnkunden genutzt werden. Die Nachweispflicht liegt bei dem Nutzer. Die Höchsteinstelldauer beträgt (…) vier Wochen, soweit keine Sondervereinbarung getroffen ist“, erklärt Thomas Layh vom Hauptamt der Stadt Dingolfing gegenüber idowa. Eine solche Sondervereinbarung mit dem Halter des Jaguars existierte allerdings nie. Wie auch? Denn der ominöse Halter ist bis zum heutigen Tag unbekannt.

Hier drängt sich automatisch die Frage auf, wieso weder Stadt noch Polizei den Halter binnen eines Jahres ermitteln konnten. „Es handelt sich hier um ein Fahrzeug mit britischer Zulassung. Mit dem Vereinigten Königreich gibt es leider kein Rechtshilfeabkommen. Dadurch wäre es ein langwieriger Prozess, um den Halter anhand des Kfz-Kennzeichens zu ermitteln. Möglich wäre das wohl über Interpol“, bringt Johann Aigner von der Dingolfinger Polizei Licht ins Dunkel. All dies wäre mit zusätzlichen Kosten verbunden gewesen. In Summe ein Mehraufwand, den man seitens der Stadt offenbar nicht stemmen wollte.

Doch warum stellt jemand sein Auto über ein Jahr lang auf einem Parkdeck ab und blecht dafür monatlich? Man sollte meinen, wer sich diese Parkgebühren und einen Jaguar leisten kann, der sollte auch ausreichend Geld für eine eigene Garage oder einen Stellplatz haben. Fakt ist, dass sich Mister X monatelang völlig unbeeindruckt von jeglichen Strafandrohungen zeigte. Am 19. Dezember 2018 wurde eine polizeiliche Aufforderung auf die Seitenscheibe des Jaguars geklebt. Darauf der eindringliche Hinweis, dass „das Fahrzeug unverzüglich zu entfernen ist“. Aigner: „Ab diesem Moment hat der Halter das Auto innerhalb eines Monats wegzufahren.“ Und trotzdem stand der völlig verstaubte Jaguar auch im Mai 2019 immer noch am selben Fleck.

Erst Dingolfing, jetzt Weng

Wieso wurde also nicht abgeschleppt? Eine konkrete Antwort auf diese Frage lässt die Stadt Dingolfing offen. Man teilt lediglich mit, dass es sich bei dem Parkdeck am Bahnhof um einen Privatgrund der Stadt handelt, die Polizei hier also nicht befugt gewesen wäre, das Auto abschleppen zu lassen. Das erklärt jedoch nicht, weshalb die Stadt sich über Monate hinweg passiv verhielt und den Jaguar eben nicht abschleppen ließ, wozu sie nachweislich befugt gewesen wäre.

Erst im Mai wurde es schließlich auch der Stadt zu bunt. „Die Liegenschaftsverwaltung hat ein Schreiben mit der Aufforderung in Deutsch, Englisch, Polnisch und Russisch verfasst, dass das Fahrzeug unverzüglich zu entfernen ist. Sollte dies bis zum 31. Mai nicht geschehen sein, wurde das kostenpflichtige Abschleppen des Fahrzeugs angedroht“, berichtet Layh. Sogar eine Telefonnummer der Liegenschaftsverwaltung wurde als Kontakt hinterlegt. Layh: „Für die Hilfestellung bei der Findung anderer Abstellmöglichkeiten.“ Da bislang kein Halter zu ermitteln war, wurde dieses Schreiben direkt an dem Jaguar angebracht.

Und siehe da: die Aktion war endlich von Erfolg gekrönt. Am Samstagnachmittag, 18. Mai, war der Dauerparker plötzlich verschwunden. Zumindest aus Dingolfing. Die Stadt ist damit ihren Problemfall am Parkdeck los. Jetzt könnte sich dieses Problem allerdings nur wenige Kilometer weiter verlagern. Denn seit Samstag steht der Jaguar auf dem öffentlichen Parkplatz am Kindergarten in Weng. Und wieder macht es nicht den Anschein, dass der Halter Anstalten machen würde, sein Auto zu fahren. Vielmehr scheint es auch hier eher um einen dauerhaften Stellplatz zu gehen. Diesmal sogar zum Nulltarif. Bei der Gemeinde in Weng wusste man bis Dienstag noch nichts von dem Neuankömmling. „Es ist ein öffentlicher Parkplatz. Wenn sich aber herausstellt, dass es sich hier um einen Dauerparker handelt und Beschwerden anderer Verkehrsteilnehmer kommen, dann schalten wir die Polizei ein, um das Auto abschleppen zu lassen“, sagt Josef Pitoni, Geschäftsleiter der Gemeinde.

Da nicht davon auszugehen ist, dass sich Mister X in naher Zukunft einen eigenen Stellplatz für seinen Jaguar suchen wird, dürfte das Katz und Maus-Spiel mit den Behörden wohl noch einige Zeit weitergehen.

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