Corona in Ostbayern Wie barrierefrei sind die Impfzentren in der Region?

Die Zufahrt und der Zugang zum Impfzentrum in Straubing ist ebenerdig und damit barrierefrei. Wie ist man im Inneren des Zentrums auf Menschen mit Behinderung vorbereitet? Foto: Ulli Scharrer

Wie barrierefrei ist der Zugang zur Corona-Impfung? Diese Frage stellt sich nicht nur für Menschen mit körperlicher Behinderung, sondern auch für Sehbehinderte, Gehörlose und Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Barrierefreiheit und Inklusion beginnen schon bei der Impftermin-Vergabe im Internet. Ein Überblick für Ostbayern.

Was die Gegebenheiten vor Ort betrifft, sind die Impfzentren in Ostbayern faktisch barrierefrei. In Straubing ist das Impfzentrum in der Messehalle am Hagen. Weil es sich hier um ein öffentliches Gebäude handelt, ist die Barrierefreiheit ohnehin gegeben, sagt Stephan Bachl vom zuständigen Katastrophenschutz der Stadt.

Die Einrichtung ist laut Bachl in drei Bereiche unterteilt. Es gibt einen Arzt-Container für die Anamnese, einen Container für die Impfung und einen multifunktionalen Container, der eigens für Menschen im Rollstuhl oder Menschen mit besonderen Bedürfnissen eingerichtet worden sei. In dem Container findet sowohl das Arztgespräch als auch die Impfung statt, damit Betroffene den Container nicht wechseln müssen. So könne unnötig Bewegung im Impfzentrum und potentieller Kontakt zu anderen vermieden werden.

Auf Schwerhörige mit Höranlage vorbereitet

„Wir sind insbesondere auf Schwerhörige vorbereitet“, sagt Bachl. Das Aufklärungsvideo zur Impfung werde Menschen mit Gehörproblemen über eine induktive Höranlage zugänglich gemacht. "Hier haben wir mehr getan, als vom Freistaat gefordert war.“ Für Gehörlose gebe es allerdings noch keine angepassten Videos. Dafür verfüge man über die Möglichkeit, Dolmetscher für Gebärdensprache über einen Laptop zuzuschalten.

Auf die besonderen Bedürfnisse ließe sich am besten eingehen, wenn die Impfwilligen bereits bei der Anmeldung zum Impftermin ihre Einschränkung angeben. „Bei uns sind lauter Pragmatiker vor Ort, die individuell auf die Bedürfnisse eingehen“, erklärt Bachl.

Begleitpersonen in Impfzentren erlaubt

Betreuer, Assistenzen, aber auch Familienmitglieder dürfen die Menschen ins Impfzentrum begleiten. Dank der stringenten Terminvergabe seien in Straubing nie zu viele Menschen auf einmal im Impfzentrum. Die Taktung bei den Terminen ließe das gar nicht erst zu. "Deswegen ist es auch kein Problem, wenn sich auch Menschen über 80 von einem Familienmitglied begleiten lassen, auch wenn das nicht zwingend notwendig wäre", sagt Bachl.

Thomas Schindler vom Katastrophenschutz der Stadt Landshut verweist an dieser Stelle auch auf das ausgebildete Personal in den Impfzentren. „Die Mitarbeiter können den Menschen anstelle ihrer Betreuer oder Begleiter behilflich sein, sofern das gewünscht ist.“ Das Personal trägt entsprechende Schutzausrüstung. Arztgespräche zu zweit seien auch erlaubt, in bestimmten Fällen auch sinnvoll. "Die Einrichtung selbst ist zu 100 Prozent barrierefrei", sagt Schindler. Das Zentrum verfüge über großzügige Gänge und damit auch genügend Platz zur Einhaltung der Sicherheitsabstände.

Menschen, die ärztlich von der Maskentragepflicht befreit sind, wolle das Landshuter Impfzentrum eigentlich nicht in Empfang nehmen. Hier müsse man erst noch organisatorische Lösungsansätze finden, etwa einen separaten Eingang für die Betroffenen, meint Schindler. Bislang sei ein solcher Fall aber noch nicht vorgekommen.

Die beiden Impfzentren des Landkreises Cham werden in Krankenhäusern betrieben, ein barrierefreier Zugang ist daher zwangsläufig gegeben. Nach Angaben des Landratsamts ist die Ausstattung im Inneren ebenfalls barrierefrei und rollstuhlgerecht. Es gebe keine Treppenstufen in den Räumen. Die Impflinge weist das Landratsamt bereits in den Einladungs- und Terminvereinbarungsschreiben darauf hin, dass sie bei Sprach- oder Hörproblemen ihre Betreuer, Angehörige oder Dolmetscher mitbringen sollten.

Barrierefreie Webseite in Arbeit

Aber auch im Chamer Land ist das Personal bei Bedarf zur Stelle. An der Barrierefreiheit der Webseiten des Landkreises, wo auch die Informationen der Impfzentren einsehbar sind, wird noch gearbeitet, heißt es weiter vonseiten der Pressestelle des Landratsamts. Eine Webseite gilt als barrierefrei, wenn sie von jedermann ohne Einschränkungen genutzt werden kann.

Sofern eine Befreiung von der Maskentragepflicht ausreichend und glaubhaft nachgewiesen ist, wird das in den Chamer Zentren akzeptiert. Kontakte mit anderen Personen würden ohnehin durch räumliche Vorkehrungen, etwa Einbahnstraßen, vermieden.

Impfwillige mit einem Attest, das von der Maskentragepflicht befreit, werden in Regensburg am Dultplatz möglichst ohne Wartezeiten und ohne Kontakt zu anderen geimpft, wie Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, mitteilt. Vor der Inbetriebnahme des Zentrums mussten aufgrund der eingeschossigen Containerbauweise Rampen angebracht werden, um Unebenheiten zu entschärfen. Dagegen bereits barrierefrei war laut der Sprecherin die Webseite der Stadt Regensburg. In der Einrichtung selbst könne die Stadt bei Bedarf Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung stellen.

Vor jedem genannten Impfzentrum gibt es entweder ausreichend Parkplätze oder ausgewiesene Behindertenparkplätze. Geimpft werden in Deutschland aktuell über 80-Jährige, Personal und Bewohner in Pflegeheimen sowie Gesundheitspersonal mit dem höchsten Ansteckungsrisiko. In der zweiten Gruppe folgen Ältere über 70, aber auch Menschen mit Trisomie 21, mit Demenz oder geistiger Behinderung.

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