Co-Trainer des SSV Jahn Sebastian Dreier: Jung, verlässlich, meinungsstark

Seit diesem Sommer Co-Trainer beim SSV Jahn Regensburg: Sebastian Dreier. Foto: Fabian Roßmann

Sebastian Dreier hat mit gerade einmal 27 Jahren schon die höchstmögliche Trainerausbildung. Seit diesem Sommer ist der Landshuter Co-Trainer beim SSV Jahn Regensburg.

Als Spieler ist Sebastian Dreier eine Karriere im Profifußball verwehrt geblieben. Einige Verletzungen im jungen Alter hinderten den früheren Mittelfeldspieler daran, durchzustarten. Mit gerade einmal 21 Jahren hat er seine Karriere bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern München beendet. Im Profibereich ist der Landshuter nun aber dennoch angekommen. Seit Sommer, nach einem Jahr als U15-Coach beim FSV Mainz 05, ist er Co-Trainer beim Oberpfälzer Zweitligisten SSV Jahn Regensburg.

Nach dem Abgang von Achim Beierlorzer zum 1. FC Köln rückte im Sommer Mersad Selimbegovic bei den Oberpfälzern vom Co- zum Cheftrainer auf, worauf es galt, einen Nachfolger auf der Position des Assistenten zu finden. Einer von mehreren Kandidaten war dabei eben Dreier, der mit gerade einmal 27 Jahren schon die höchstmögliche Trainerausbildung, den Fußballlehrer, abgeschlossen hat. Nach den Gesprächen mit den Kandidaten kristallisierte sich Dreier als Wunschlösung von Selimbegovic und Geschäftsführer Christian Keller heraus, wie der Cheftrainer rückblickend sagt. „Er hat uns mit seiner Art und seiner Expertise überzeugt. Wir sind menschlich wie fachlich von ihm überzeugt. Zudem ist er jemand, der eine eigene Meinung hat und diese auch sagt. Das ist ganz wichtig für einen Co-Trainer“, sagt Selimbegovic. Diese Feedback-Kultur und der offene Umgang mit Kritik ist auch für Dreier sehr wichtig. „Man muss dem offen gegenüber stehen, denn nur so ist Entwicklung möglich“, findet er.

Klare Prinzipien

Für Dreier ist es eine neue Situation. Erstmals arbeitet er im Profibereich, erstmals ist er im Herrenbereich als Trainer tätig. „Es ist schon etwas anderes als im Nachwuchs“, sagt er. Die größten Unterschiede? „Wenn man während des Spiels etwas reinschreien will, dann verstehen dich die Spieler nicht, weil es so laut ist“, sagt Dreier und lacht. Deshalb müsse man im Vorfeld noch detaillierter arbeiten, den Spielern klare Prinzipien an die Hand geben Das wichtigste Prinzip des Jahn ist dabei die stets hohe Intensität. Ein weiterer Unterschied sei, dass die Spieler schon weiter sind, dass sie bereits mehr Erfahrungen gesammelt haben und selbst mehr Lösungen finden.

Schwierig war für Dreier die Umstellung aber nicht. Auch nicht, dass er plötzlich Spieler trainiert, die älter sind als er. „Das Alter“, ist Dreier überzeugt, „spielt keine große Rolle. Entscheidend ist der Inhalt und die Art, wie man diesen vermittelt. Der Ton macht hier die Musik.“ Mit einem Schmunzeln fügt er an: „Zu mir hat zumindest bislang kein Spieler gesagt: Das mach ich nicht, weil du jünger bist als ich.“ Kurios ist, dass Dreier nun Spieler trainiert, mit denen er selbst schon auf dem Platz stand. Mit Andi Geipl und Benedikt Saller spielte er beispielsweise im Nachwuchs bei 1860 München zusammen, mit Jann George in der Bayernauswahl und mit Julian Derstroff in Nachwuchsnationalteams des DFB. Chima Okoroji trainierte er bereits, als seine Trainerkarriere in der U17 des FC Bayern begann – übrigens an der Seite des späteren Jahn-Trainers Heiko Herrlich.

Trainerkarriere beginnt im Bayern-Nachwuchs

Dreier sei für ihn damals eine „tolle Unterstützung“ gewesen, blick Herrlich auf diese Zeit heute zurück. „Er war sehr wissbegierig und hat auch eigene Ideen eingebracht.“ Als Herrlich dann zum Jahn ging, gab es schon damals Gespräche, Dreier ins Jahn-Trainerteam einzubauen. Dreier ging aber einen anderen Weg und wurde 2016 Cheftrainer im Nachwuchs der SpVgg Unterhaching. „Es war mutig von ihm, den Weg nach Unterhaching zu gehen. Aber er hat es dort und auch später in Mainz sehr gut gemacht“, sagt Herrlich.

Mit Herrlich tauschte sich Dreier in der Vergangenheit regelmäßig aus. Auch der Jahn war entsprechend ein Gesprächsthema. „Der Jahn ist ja quasi vor meiner Haustür“, sagt der gebürtige Niederbayer. „Als Heiko hier Trainer war, habe ich mich nochmal mehr mit ihm beschäftigt. Wir haben uns immer wieder über Fußball und seine Spiele in Regensburg ausgetauscht.“ Vom Jahn hatte Dreier auch von außen schon einen guten Eindruck. „Die Tabelle und die sportliche Entwicklung lügen ja nicht. Das hat man schon mitbekommen, dass hier in allen Bereichen gute Arbeit geleistet wird und dass der Jahn wieder eine sehr gute Nummer in der Region geworden ist“, sagt Dreier.

Den Jahn etablieren

Er erinnert sich daran, als er 2016 einmal am Trainingsgelände am Kaulbachweg war. „Da hat es noch deutlich anders ausgesehen als jetzt“, sagt er. Nun will er selbst dabei mithelfen, die Entwicklung des Jahn voranzutreiben. „Über allem steht das Ziel des Vereins, sich in der 2. Liga zu etablieren. Das ist eine schöne Herausforderung und es macht großen Spaß, Tag für Tag mit den Spielern und im Trainerteam daran zu arbeiten“, schätzt der junge Coach ein. Aktuell steht der Jahn wieder gut da. Zur Länderspielpause hat die Mannschaft nach fünf Spielen sieben Punkte auf dem Konto. Dreier bewertet die Situation „insgesamt positiv“. Die neuen Spieler seien schon gut integriert und nach einem kurzen Durchhänger sei das Spiel in Wiesbaden wieder ein Schritt nach vorne gewesen im Vergleich zu den Partien davor. „Wir befinden uns auf einem Weg, den wir jetzt genau so weitergehen müssen“, umschreibt der Fußballlehrer.

Die Aufgaben Dreiers im Trainergespann des Jahn sind vielfältig. „Wir sind ja ein sehr kleines Trainerteam, da hat man auch übergreifende Aufgaben.“ Das Trainerteam trifft sich immer vier Stunden vor dem Trainingsbeginn. Dreier ist zum Beispiel intensiv in die Vor- und Nachbereitung von Trainingseinheiten und Spielen involviert, übernimmt im Training Teile auf dem Platz, arbeitet aber auch mal individuell im Austausch mit den Spielern. Selimbegovic lobt: „Sebastian nimmt mir viel ab, er ist top organisiert und kann super mit seiner Zeit umgehen.“ Das muss er auch, denn neben dem Amt des Co-Trainers ist Dreier auch, genauso wie Selimbegovic zuvor, Koordinator des Übergangsbereichs der Jahnschmiede, dem Nachwuchsleistungszentrum des SSV Jahn. Um bei den vielfältigen Aufgaben auch mal abzuschalten, zieht Dreier an freien Tagen gerne mal seine Bahnen im Schwimmbad, verbringt Zeit mit Freunden oder besucht seine Eltern in Hohenthann im Landkreis Landshut.

Das Trainer-Team will Action auf dem Platz

Dreier hat bereits sechs Jahre im Nachwuchsbereich gearbeitet und hat dort den Ballbesitzfußball präferiert, wie er im Sommer 2018 gegenüber idowa verriet. Wie das nun zum Powerfußball des Jahn passt, der nicht für das Ballbesitzspiel bekannt ist? Für Dreier gibt es hier einen Unterschied zwischen Jugend- und Herrenbereich. „Ich denke, dass die Jugendspieler gerade in den jüngeren Teams erst einmal ihre individuellen Fähigkeiten, die Technik und das Spiel mit Ball lernen müssen, das andere kommt dann später“, so Dreiers Einschätzung. Beim Jahn sei dieses hohe Attackieren, dieses nach vorne Verteidigen Teil der DNA. „Gerade daran arbeiten wir intensiv. Unser Ziel ist es aber auch, nach den Eroberungen möglichst effektiv fortzusetzen und auch im eigenen Ballbesitz Lösungen zu finden, wie wir den Gegner knacken“, sagt Dreier. Darauf sei auch der Kader mit schnellen und zweikampfstarken Spielern ausgelegt. Laut Selimbegovic liegen er und Dreier dabei voll auf einer Wellenlänge. „Sebastian ist ein junger Trainer, will dynamischen Fußball sehen und Action auf dem Platz haben. Das passt genau zu mir und dazu, wie ich den Fußball sehe."

Was Dreier in seiner Arbeit auszeichnet? „Er hat eine sehr große Epathie für die Spieler, schafft es aber auch die nötige Distanz zu halten. Er ist neben seinen Qualitäten als Trainer vor allem auch ein ganz toller Mensch“, sagt Heiko Herrlich. Mersad Selimbegovic beschreibt ihn als „ruhigen und offenen Menschen, der unglaublich zielstrebig ist und etwas erreichen will.“ Er sei voll integriert im Trainerteam, was – ähnlich wie in der Mannschaft – aber auch nicht sonderlich schwer sei. Für sein Alter sei er zudem schon sehr reif. Was Selimbegovic dazu noch gefällt: „Er ist jemand, auf den man sich zu einhundert Prozent verlassen kann. Er passt genau zu uns, gibt Vollgas und immer sein Bestes.“

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