"Jetzt ist aber mal Schluss mit dem Autismus." Das hat Benedikts Oma einmal gesagt. Der Junge solle sich halt einfach bemühen, sich anzupassen. Aber er ist nun mal anders. Benedikt Obser ist 17 Jahre alt und hat das Asperger-Syndrom. Mit 13 Jahren erhielt er die Diagnose. "Es war eine Konfrontation mit etwas, das ich nicht kenne. Davor habe ich immer ein bisschen Respekt", sagt er.

"Wir haben früh gewusst, dass im Sozialverhalten etwas nicht stimmt", sagt Vater Stefan. Anfangs machte die Familie nur negative Erfahrungen mit Ärzten. Von "das verwächst sich" bis hin zu "jedes Kind kann Regeln lernen". Geschuldet sei dies aber der Tatsache, dass es keine klassischen Autisten gibt - "die sind alle anders". Im Kinderzentrum Sankt Martin in Regensburg fanden sie sehr gute Fachleute. "Und seitdem geht es steil bergauf", sagt Stefan Obser.

Benedikt spricht sehr überlegt, konzentriert. Seine Sätze sind grammatikalisch perfekt. Und er analysiert seine Gesprächspartner. "Ein Versuch, sie kennenzulernen", nennt er es. Er will eindeutige Charakterzüge durch das Verhalten ausmachen. Sein Gegenüber einschätzen.

Benedikt besucht die Berufsschule in Sankt Gunther in Cham. Das Berufsbildungswerk in Abensberg bietet ihm eine Perspektive. "Ich brauche Ruhe, um Dinge einordnen zu können. Ich will alles genau geplant haben", erklärt er. Deshalb ist er froh, dass er noch Zeit hat, wie es mit seinem Leben weitergeht. "Ich bin noch nicht in der Lage, mich von all dem zu lösen. Aber ich werde der Familie nicht ohne ein Wort des Abschieds den Rücken kehren", versichert er. Weil Benedikt alles genau geplant haben möchte, gehen keine spontanen Familienausflüge. "Jetzt fahren wir kurz da hin - das geht nicht", sagt Vater Stefan. Mutter Christine ergänzt: "Da müssen wir schon einen wirklich guten Tag erwischen." Bei seinem Geburtstagsgeschenk aber ist es okay, wenn er es davor nicht weiß. "Dafür bin ich offen", meint Benedikt.