Cham Bauarbeiter entdecken im Spitalgarten menschliche Überreste

Menschliche Knochen liegen auch drei Tage nach ihrem Fund noch offen herum. Foto: nik

Auf einer Baustelle im Chamer Spitalgarten treten menschliche Überreste zutage. Ein Minibagger stößt auf große Knochen eines menschlichen Skeletts. Sie liegen am Donnerstag noch immer dort herum. 
Kiefer-, Bein- und Armknochen finden Tiefbauarbeiter am Montag im Spitalgarten. Stadtbaumeister Franz Pamler berichtet, im Zuge des DSL-Ausbaus in der Altstadt seien sie entdeckt worden. Die zuständige Tiefbaufirma hat im Bereich des Verteilerkastens, der an der Spitalkirchenmauer steht, gegraben und ist dort auf die Gebeine gestoßen. Die Arbeiter kommen ihrer Pflicht nach. Sie hören ordnungsgemäß mit den Arbeiten auf, informieren das Landesamt für Denkmalpflege. Gebietsreferent Dr. Christoph Steinmann kommt aus Regensburg zum Fundort.

Am Dienstagmorgen untersucht der Experte die Knochen. Seine Aufgabe ist es, herauszufinden, was es damit auf sich hat. Zwar sind es alte Knochen, doch liegen die in einer wesentlich höheren Erdschicht. Das erscheint zunächst ungewöhnlich. Doch der Fachmann findet heraus: Die Skelettteile wurden zu Beginn dieser Woche nicht das erste Mal exhumiert. „Die Knochen sind nicht mehr in ihrer ursprünglichen Situation erhalten, sondern wurden bereits mehrfach umgelagert“, informiert die zuständige Sprecherin des Landesamtes, Dorothee Ott. „Ein Fund an dieser Stelle ist nicht ungewöhnlich“, sagt Timo Bullemer. Der Stadtarchivar weiß, dort haben die Chamer noch mehr Toten die letzte Ehre erwiesen. Denn der Spitalgarten diente den Bürgern bis Anfang des 19. Jahrhunderts als Friedhof. Dort fanden die Toten des Spitals und auch andere Chamer die letzte Ruhe. Als Schlusslicht in den Akten ist ein gewisser Georg Schneider aus Bergerdorf aufgeführt. Das uneheliche Baby kam am 2. März 1810 in die geweihte Erde des Friedhofs. Die Kreisstadt hat noch einen weiteren „aufgelassenen“ Friedhof. Der befindet sich am Bahnhof im Bereich zwischen Park and Ride und dem Gelände von Dr. Sturm. Mit Eröffnung des Friedhofs auf dem Schulberg 1861 endeten aber auch dort die Begräbnisse, weiß Bullemer.
Der Befund, dass die Leiche in der Erde des Spitalgartens regulär beerdigt worden ist, heißt für die Polizei: Alles in Ordnung. Die Kripo muss nicht anrücken. Ein Gewaltverbrechen kann ausgeschlossen werden, weil Alter der Knochen und Umfeld auf eine reguläre Bestattung hindeuten, sagt Franz Gschwendtner.
Allerdings stehen die Gesetzeshüter parat, wenn bei Untersuchungen des Landesamts Unregelmäßigkeiten ans Licht kommen würden. Sei es, dass Erdschichten Verwerfungen aufweisen oder dass Knochen nicht eindeutig im Alter zu bestimmen sind. Aktiv wird die Polizei auch, wenn Leichenteile an nicht als solchen gekennzeichneten Begräbnisstellen gefunden werden. Der vorliegende Fall aber ist nachvollziehbar. Wenig aufregend ist der Fund auch für Altertumsforscher, Sprecherin Ott: „Aus archäologischer Sicht sind sie (die Knochen) nicht relevant.“

Ist das der Grund, weshalb sie am Donnerstag noch immer am Fundort liegen? Die Stadt ist laut Landesamt für einen würdevollen Umgang damit zuständig. In der Stadtverwaltung allerdings glauben sie, das Landesamt müsse ran. Ott: „Dr. Steinmann und der Stadtbaumeister werden nach einer Lösung suchen.“ Doch wie die aussehen soll, weiß keiner so recht. Ordnungsamtsleiter Josef Altmann und Stadtbaumeister Franz Pamler machen sich jedenfalls für einen Platz in geweihter Erde auf dem Friedhof am Schulberg stark. Altmann ist eines wichtig: „Die Pietät soll auf jeden Fall gewahrt bleiben.“

 

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