Cannabis-Legalisierung High sein erlauben?

Unter Experten herrscht Uneinigkeit darüber, ob Cannabis auch für den Privatgebrauch freigegeben werden soll. Foto: Cris Faga/Zuma Press/dpa

Soll Cannabis legalisiert werden? Darüber wird heftig diskutiert. Zu medizinischen Zwecken ist ein legaler Verkauf zum Beispiel an Schwerkranke seit über einem Jahr möglich. Unter Experten herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, ob die Droge auch für den Privatgebrauch freigegeben werden soll. Hier kommen die wichtigsten Argumente dafür und dagegen.

 

Das sagt der Suchttherapeut

Dr. Jürgen Unger vom Bezirkskrankenhaus Landshut: „Aus medizinischer Sicht spricht einiges gegen die Legalisierung von Cannabis. Gerade das Argument der Befürworter, den Jugendschutz dann besser kontrollieren zu können, greift in meinen Augen nicht. Die Reifung des Gehirns ist mit 18 nicht beendet. Vielmehr ist sie zwischen 15 und 25 Jahren in der kritischen Phase. Die Droge verändert das Gehirn und beeinträchtigt kritisches und abwägendes Denken. Außerdem erhöht der Konsum das Risiko für psychische Erkrankungen. Es steigt bei regelmäßigem Konsum um das 2,5- bis 3,4-fache im Vergleich zu Nicht-Konsumenten. Regelmäßig heißt mehrfach pro Woche in größeren Mengen. Mit gelegentlich meine ich Freizeitkonsum, also am Wochenende oder auf Partys. Für dieselbe Wirkung braucht man eine größere Menge. Oft werden die Menschen lethargisch, kriegen ihren Job nicht mehr auf die Reihe und haben Probleme in der Schule. Tatsächlich sind aber die negativen körperlichen Auswirkungen im Vergleich zu Alkohol und Zigaretten nicht so hoch. Nur zehn Prozent der Cannabiskonsumenten werden abhängig. Diese Zahl ist bei Alkohol höher. Legalisiert man Cannabis, braucht man effektive Präventionsprogramme.“

 

Das sagt die Sozialpädagogin

Jacqueline Eichinger vom Landshuter Netzwerk: „Ich arbeite mit Jugendlichen, die zum ersten Mal beim Konsum von Cannabis erwischt wurden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen, muss das aber nicht. Ich bin für die Entkriminalisierung dieser Jugendlichen und für eine geregelte Abgabe an Erwachsene. Marihuana zu probieren, gehört für viele zur jugendlichen Lebensphase. Wer dabei erwischt wird, ist polizeibekannt. Auch wenn der Vorfall nicht im Führungszeugnis auftaucht, kann das negative Folgen haben: den Schulverweis, den Verlust des Ausbildungsplatzes oder des Führerscheins. Jeder Vorfall wird an die Führerscheinstelle gemeldet, auch wenn derjenige gar nicht berauscht gefahren ist. Bei Jugendlichen unter 21 Jahren wird zudem das Jugendamt verständigt. Die Gefahr, süchtig zu werden, ist zwar gegeben, allerdings entwickelt nur ein kleiner Teil problematische Konsummuster. Das Risiko, auf dem Schwarzmarkt minderwertige Ware zu bekommen, aber ist hoch. Auch der Reiz des Verbotenen würde verschwinden. Ab 18 sollte jeder die Risiken selbst einschätzen. Cannabis ist keine Einstiegsdroge. Das sind Alkohol und Tabak.“

 

Das sagt der Polizeibeamte

Fritz Schweibold von der Landshuter Polizei: „Ich arbeite in der Prävention mit Kindern, Schülern, Jugendlichen und Auszubildenden. Ich bin gegen die Legalisierung. Cannabis ist nicht mehr oder weniger gefährlich als Alkohol. Deshalb wäre ich auch für ein Alkoholverbot. Beide Substanzen schränken die Wahrnehmung ein. Das ist gefährlich beim Autofahren, beim Bedienen von Maschinen, beim Treffen von Entscheidungen und vielem mehr. Es gibt meines Erachtens keinen verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis. Es handelt sich ganz klar um eine Einstiegsdroge. Ich kenne keinen „Junkie“, der nicht mit Marihuana angefangen hat. Wenn die Polizei entsprechende Delikte bei der Führerscheinstelle melden muss, ist das für die Konsumenten meistens ernüchternd. Die Führerscheinstelle kann einen Abstinenznachweis einfordern. Dafür muss man nach einer gewissen Zeit eine Blutprobe abgeben und nachweisen, dass man nicht regelmäßig konsumiert. Jede Teilnahme am Verkehrsgeschehen unter Drogen kann gefährlich sein – mit dem Auto, mit dem Fahrrad und zu Fuß. Beim Alkohol gibt es klar definierte Werte: Man baut etwa 0,1 Promille pro Stunde ab. Wer aber am Freitagabend gekifft hat, kann am Montag noch immer Ausfallerscheinungen haben.“ 

 

Das sagt der Jurist

Michael Hauck ist Jurist im Justizministerium in München und war als Staatsanwalt lange für die Bekämpfung von Betäubungsmittelkriminalität zuständig: „Ich bin strikt gegen die Legalisierung. Man darf den Konsum vor allem angesichts steigender Wirkstoffgehalte nicht verharmlosen. Ich kann aus Erfahrung sagen: Cannabis ist häufig eine Einstiegsdroge. Natürlich nicht bei jedem. Aber mit jedem neu hinzukommenden Suchtstoff steigt die Wahrscheinlichkeit des Missbrauchs anderer Drogen. Strafmaßnahmen wirken auf jeden anders. Es ist jedoch häufig zu beobachten, dass gerade junge Ersttäter erst durch ein Strafverfahren begreifen, welche Konsequenzen der Konsum haben kann. Gerade im Jugendstrafrecht, das nicht auf Strafe als Sanktion abzielt, sondern am Erziehungsgedanken orientiert ist, bestehen vielfältige Möglichkeiten der Ahndung – von Beratungsgesprächen bis zu Entzugstherapien. Natürlich lässt sich nicht jeder von einer solchen Maßnahme beeindrucken. Ich kenne aber viele positive Rückmeldungen von Jugendlichen, die unter dem Druck des möglichen Strafverfahrens beispielsweise einen Beratungstermin wahrgenommen haben, zu dem sie wahrscheinlich sonst nie hingegangen wären.

 
 

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