Buch-Tipp Märchen-Klassiker von morgen in "Future Fairy Tales"

„Future Fairy Tales – Geschichten aus einer anderen Welt“ von Holly-Jane Rahlens hat 272 Seiten und ist im Rotfuchs-Verlag erschienen. Foto: Rotfuchs-Verlag, Pixabay

Das Buch „Future Fairy Tales“ erzählt Klassiker der Gebrüder Grimm neu und futuristisch.

Schon mal was von Cyberbella gehört? Nein? Ob wir vielleicht Cinderella, auch als Aschenputtel bekannt, meinen? Nö, du hast schon richtig gelesen. Denn die Autorin Holly-Jane Rahle holt die Märchenklassiker der Gebrüder Grimm in die Moderne ... Oder besser gesagt, in die Zukunft – noch viel weiter von unserem Jetzt entfernt, als wir uns vorstellen können.

Darum geht’s: Aschenbrödel ist keine arme Halbwaise mit einer bösen Stiefmutter samt Stiefschwester. Nein, sie hat gleich zwei Stiefzwillingsbrüder und einen doofen Stiefvater. Und außerdem liebt sie es, zu programmieren.

Auch Hänsel und Gretel verlaufen sich nicht mehr zu einem Lebkuchenhaus. Eher ist es ein heruntergekommenes Bed and Breakfast, in dem die ermordete Hexe als Geist spukt und die Cops an der Nase herumführt.

Ein weiteres Beispiel: Schneewittchen küsst nicht etwa ein edler Prinz wach. Nein, es soll ein Kandidat sein, der sich bei Hunderten Bewerbern durchgesetzt hat, und der dazu bereit ist, das Wiedererwachen des Mädchens als Reality Show aufzeichnen zu lassen – höchst romantisch also.

In aller Kürze: Das Buch „Future Fairy Tales“ erzählt, wie sich die Gebrüder-Grimm-Märchen im Jahr 20XY anhören könnten.

Das Besondere: Jedem Märchen ist eine Art Lektüreschlüssel angehängt. In ihm wird begründet, warum diese Erzählung es in die Sammlung geschafft hat und was der Inhalt und die Sprache des Märchens über die Zeit des Erscheinens verraten. Oder was es Interessantes zum Autor des jeweiligen Stückes zu sagen gibt.

Dieser Lektüreschlüssel wirkt manchmal etwas skurril, weil in ihm oft vom 21. Jahrhundert als eine Zeit gesprochen wird, die schon lange vorbei ist. Etwas ulkig auch, wie Autorin Holly-Jane Rahle auf unser Jetzt und unsere Zivilisation blickt und diese beschreibt. Eine weitere Besonderheit: Kein Märchen ist wie das andere erzählt. Die Motive von Aschenputtel, Rapunzel oder Sterntaler werden mal als Tagebucheintrag, mal als Kurzgeschichte, Drehbuch oder Gedicht verpackt. Sogar ein Blogeintrag dient als Erzählweise. „Future Fairy Tales“ ist also eine Sammlung diverser Textsorten, denen Märchen als Grundlage dienen.

Fazit: Wer ein Fan der klassischen Märchen von Jacob und Wilhelm Grimm ist, muss mit den Neuauflagen von Holly-Jane Rahle erst mal warm werden. Schafft er das nicht, wirken die Texte von Autorin Holly-Jane Rahle sehr befremdlich. Einen Vergleich sollte man zwischen den beiden „verwandten“ Geschichten auf keinen Fall ziehen – der Zauber der ursprünglichen Erzählung geht sonst verloren. Eher sollte man die neuen Erzählungen als das sehen, was sie sind: futuristische Texte. Die der Leser entweder gut finden kann, wenn er sie für sich sprechen lässt. Oder eben schlecht, wenn er zu sehr an ihrer Grimmschen Vergangenheit hängt.

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