Bayern Krankenkasse: Pflegenotstand in Bayern größer als erwartet

Eine Pflegeschwester hält die Hand einer Bewohnerin. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild/dpa

Dass immer mehr alte Menschen gepflegt werden müssen, weiß inzwischen jeder. Dass es zu wenige Pflegerinnen und Pfleger gibt, auch. Eine neue Berechnung zeigt nun, dass noch viel mehr Pflegekräfte benötigt werden als bisher gedacht. Aber wo sollen die herkommen?

München (dpa/lby) - Der Notstand in der Pflege wird nach Berechnungen der Krankenkasse Barmer noch schlimmer als befürchtet: Bis 2030 werden demnach allein in Bayern mehr als 4000 Pflegerinnen und Pfleger zusätzlich zu dem bisher erwarteten Bedarf gebraucht. Insgesamt steige die Zahl der benötigten Pflegekräfte somit von 115 000 im Ausgangsjahr 2019 auf rund 146 000 im Jahr 2030, sagte Barmer-Landesgeschäftsführerin Claudia Wöhler am Mittwoch in München. "Das sind in Summe rund 30 000 Mitarbeiter mehr - und wir wissen schon heute um die erheblichen Engpässe in der Pflege!"

Mit rund 751 000 Pflegebedürftigen steige die Zahl der Betroffenen gegenüber bisherigen Hochrechnungsmethoden um rund 135 000, heißt es im aktuellen Barmer-Pflegereport. Dies wäre gegenüber dem Ausgangsjahr 2019 eine Steigerung um 45 Prozent. Bis 2040 betrage das Plus dann mit insgesamt 869 000 Pflegebedürftigen knapp 70 Prozent.

Um ihre Versorgung müssten sich der Prognose zufolge im Jahr 2030 etwa 67 000 Pflegefachkräfte, 27 000 Pflegehilfskräfte und 52 000 Pflegehilfskräfte ohne Ausbildung kümmern. "Der Bedarf ist und bleibt enorm", betonte Wöhler. Deshalb müssten der Berufsstand attraktiver gemacht, die physisch wie psychisch oft belastende Arbeit auch durch digitale Hilfen erleichtert und der Fachkräftemangel entschlossen bekämpft werden.

Zu diesem Zwecke sei es richtig, zum Beispiel geteilte Dienste abzuschaffen und den Anspruch auf familienfreundliche Arbeitszeiten einzuführen, erläuterte Wöhler. Auch um Auszubildende müsse nicht nur mit angemessener Bezahlung, sondern auch mit flexibleren Arbeitszeitmodellen gezielt geworben werden. Und die Einrichtungen müssten sich zu beliebten Arbeitgebern wandeln.

Wöhler verwies auch darauf, dass drei Viertel aller Pflegebedürftigen von Angehörigen versorgt werden - in Bayern waren dies im vergangenen Jahr 186 000 Menschen. Jedoch: Fast 60 Prozent der Pflegenden sind selbst schon im Rentenalter. Zudem kommen in den nächsten Jahrzehnten die geburtenstarken Jahrgänge mit wenigen eigenen Kindern in die Pflegebedürftigkeit, und viele Familien leben ohnehin nicht mehr an einem Ort.

Anders als bisherige Vorausberechnungen haben die Experten der Barmer bei ihren Prognosen nicht ausschließlich demografische Effekte berücksichtigt, sondern zudem die Effekte der in den vergangenen Jahren verabschiedeten Pflegegesetze einbezogen. Durch diese steige die Zahl der Anspruchsberechtigten und des benötigten Pflegepersonals zusätzlich, hieß es.

© dpa-infocom, dpa:220216-99-147402/3

 
 
 

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