Bayern Behörden beraten nach Bericht über Pflegemängel in Augsburg

Augsburg (dpa/lby) - Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) über gravierende Pflegemängel in einem Augsburger Heim wollen die Aufsichtsbehörden in den kommenden Tagen über das weitere Vorgehen beraten. "Hier geht es um Menschen, die versorgt werden müssen", betonte der Augsburger Gesundheitsreferent Reiner Erben am Mittwoch. Deshalb könne ein Heim zwar nicht von jetzt auf gleich geschlossen werden. "Doch die Entwicklung in der Einrichtung Ebnerstraße ist unakzeptabel." Möglich seien viele Schritte, von weiteren Anordnungen bis hin zur Schließung.

"Dass die hohe Kontrolldichte und die Anordnung von Maßnahmen unterlaufen werden kann, ist ein Missstand und muss gelöst werden", fuhr Erben fort. Der BR hatte unter Berufung auf mehrere ehemalige Mitarbeiter und eine intensive Recherche berichtet, dass es in dem Heim gravierende Mängel geben soll. So hätten die Senioren teils zu wenig Essen und Trinken bekommen, einige seien ungepflegt und ungewaschen gewesen, und auch bei der Medikamentengabe habe es Defizite gegeben. Zudem seien Pflegefehler vertuscht worden. Das Heim hat gegenüber dem BR die Vorwürfe bestritten und war für eine weitergehende Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Einrichtung stand bereits unter besonderer Aufmerksamkeit der Behörden, nachdem ein Heim desselben Trägers im oberbayerischen Schliersee nach skandalösen Vorfällen geschlossen worden war. Dennoch waren die vom BR veröffentlichten Mängel bislang nicht aufgefallen. "Die in der Berichterstattung beschriebenen Missstände waren in ihrer Dimension und diesem geschilderten Ausmaß der Regierung von Schwaben nicht bekannt", teilte deren Pressesprecher am Mittwoch mit.

Allerdings habe es bei zwei unangemeldeten Begehungen im Mai und Oktober vergangenen Jahres Beanstandungen etwa wegen Defiziten in den Bereichen Wundmanagement und Thromboseprophylaxe, aber auch wegen defekter Hilfsmittel oder mangelhafter Dokumentation gegeben. Die Stadt Augsburg teilte ebenfalls mit, dass diese extremen Mängel nicht festgestellt worden seien. Allerdings wurden durchaus bereits Maßnahmen zur Behebung von Mängeln angeordnet.

© dpa-infocom, dpa:220209-99-51954/2

 
 
 

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