Bayerisches Rotes Kreuz 8.10 Uhr, zweiter Einsatz: „Starker Schwindel“

Wieder piept der Alarm. Den Weg zum Einsatzort fahren wir mit Blaulicht und Martinshorn. Der zweite Einsatz wird der schwierigste für mich sein. Der, der mich am meisten berührt.

Das Navi im Fahrzeug zeigt Marko, wo er hinmuss.

Der 80-jährige Rentner, der über starken Schwindel klagt, ist alleine in seinem Einfamilienhaus aus den 70er-Jahren und kann niemanden erreichen. Blutdruck- und Fiebermessen, EKG. Das Herz des alten Mannes schlägt unregelmäßig. Auch ihn nehmen wir mit ins Krankenhaus.

Wie einsam muss sich der Rentner fühlen, so alleine in dem riesigen Haus? Vor drei Jahren ist seine Frau gestorben. Er gibt sich Mühe, das sieht man. Sein Zuhause ist sauber und ordentlich. Er habe sich extra warm angezogen an diesem Morgen, weil es draußen so kalt ist, erzählt er. Er erzählt viel. Als wäre er froh, mit jemandem reden zu können.

„Hat sich deine Sicht auf das Leben verändert?“, frage ich Marko auf dem Weg ins Krankenhaus. „Man lernt, das Leben so zu leben, wie es zu leben ist. Kleine Probleme sind mir egal. Ich lebe intensiver. Negative Gedanken beeinflussen mich nicht mehr so stark. Ich genieße das Leben.“

9.55 Uhr, dritter Einsatz: „Wohnungswechsel“

Der dritte Einsatz ist ein Krankentransport. Wenn keine Kapazitäten da sind, macht das ein Rettungswagen. Eine alte Dame kommt ins Seniorenheim. Sie ist seit zwölf Jahren bettlägerig und nicht mehr ansprechbar. Schleichende Demenz. Gepflegt wurde sie von ihrer älteren Schwester, die selbst 90 Jahre alt ist. Mit der Liege kommen wir nicht in das Haus. Daher: Tragetuch. Ich helfe Marko und Marius, den schwachen Körper auf das Tragetuch zu heben. Er fühlt sich ganz steif an und sieht so anders aus als auf den Bildern an der Wand. Zusammen tragen wir die Frau nach draußen auf die Liege. „Sagt Bescheid, wenn ihr Hilfe braucht“, ruft ein Nachbar.

Der Alltag im Rettungswagen ist unvorhersehbar. Es kann immer etwas passieren, mit dem man nie rechnen würde. Extremsituationen, extreme Emotionen. Oft spannend, oft frustrierend.

Es folgen noch zwei Einsätze: Eine Schülerin ist im Sportunterricht auf ihr Knie gefallen, ein weiterer Krankentransport. Gegen 14.30 Uhr sind wir wieder auf der Rettungswache. Ich bin erledigt, obwohl nicht ich, sondern Marko und Marius die Arbeit gemacht haben. Was Menschen wie die beiden täglich und seit Jahren für uns tun, hat mich tief bewegt. Wenn ich einmal einen Rettungswagen brauche, weiß ich: Ich werde gut versorgt.

 

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