Bei rund 40 Grad schwitzen vier Jungs an einem heißen Sommertag in ihrem Proberaum unterm Dachboden. Schon nach kurzer Zeit fordert die Hitze ihren Tribut, sie reißen sich ihre T-Shirts vom Körper - und ein Bandname ist geboren: "Take Off Your Shirts". Dass dieser Name abgekürzt das englische Wort "toys" ergibt, wird den jungen Musikern erst später bewusst. Seitdem rockt die Nachwuchsband T.O.Y.S. als Spielzeugarmee die Bühnen in ganz Bayern. Inzwischen wird zwar im kühlen Keller geprobt, die Shirts bleiben dran, doch zum Schwitzen kommen die Nachwuchsmusiker dabei nach wie vor. Vor allem ihre erste CD, die seit 9. November auf dem Markt ist, hat ihnen einiges abverlangt.

T.O.Y.S., das sind vier Freunde, die - jeder für sich - schon lange Musik machen und die in einem Anflug von Langeweile beschließen, sich in einer Band zusammenzutun. Seit über einem Jahr stehen sie gemeinsam auf der Bühne. Dabei gibt es die Band schon länger, genau genommen seit 2009. Doch von der ursprünglichen Besetzung ist nur noch einer übrig: der Sänger und Gitarrist Timo Raith, 23 Jahre, Chemiestudent aus Cham. Er rekrutierte neue Mitglieder für seine Spielzeugarmee: seinen 19-jährigen Bruder Florian Raith, Abiturient aus Cham (Schlagzeug), den 20-jährigen Markus Tautz, Chemiestudent aus Regensburg (Bass) und den 24-jährigen André Knott, Informatikstudent aus Cham (Gitarre).

Vier ihrer Songs gibt es seit ein paar Wochen auf CD. Ein Dreivierteljahr Arbeit steckt in diesem Werk, auf das die jungen Musiker nicht ohne Grund stolz sind. "Es ist alles selbstgemacht", erzählt Markus, denn Geld für ein Aufnahmestudio haben die Studenten nicht. Bei den technischen Geräten half ihnen ein guter Freund. "Wenn du dann das fertige Ding in der Hand hältst mit deinen eigenen Liedern drauf, dann ist das schon ein Wahnsinns-Gefühl", sagt Timo und fügt dann gleich hinzu: "Das wäre aber nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung meiner Eltern." Die vier Jungs sind dankbar, sei es für den Probenraum in Muttis Waschkeller, sei es für Papas Dienste am Mischpult, selbst ein erfahrener Musiker, der immer dann einspringt, wenn kein Mischer da ist, sei es für die Benutzung des Autos, wenn zu einem Auftritt gefahren wird, oder sei es einfach nur für die ehrliche Kritik einer ihrer größten Fans, der Mutti.

Kofferraum packen ist wie Tetris spielen

Seit einem Jahr erobert T.O.Y.S. in der aktuellen Besetzung den Freistaat. Beinahe an jedem Wochenende ist die Band in Bayern unterwegs. Wegen der zeitaufwändigen CDProduktion sind die Jungs in den vergangenen Monaten etwas kürzer getreten. Das alles neben dem Studium zu koordinieren, geht, so Timo, manchmal an die Grenzen der Belastbarkeit. "Wir sind für alles selbst zuständig: Wir sind Manager für unsere Verträge, Grafik-Designer für das Werbematerial, wir sind Dichter und Komponisten und wir sind nicht zuletzt Profis im Packen." Instrumente und Musikanlage in den Kofferräumen der beiden Autos zu verstauen, mit denen zu den Auftritten gefahren wird, ist wie das alte Computerspiel Tetris- Spielen. Darin sind die vier inzwischen Meister, jeder Zentimeter Raum wird ausgenutzt. Eine Firma zu finden, die der Band einen Bus zur Verfügung stellt, würde vieles erleichtern. Doch solange dies nicht der Fall ist, wird eben weiter Tetris gespielt.

Blinddarm-Durchbruch zwei Tage vorm Auftritt

Die Jungs teilen sich die vielen Aufgaben auf. Jeder kann sich auf den anderen verlassen und vor allem haben sie Spaß an der Sache. "Wir genießen es, mit den besten Kumpels auf der Bühne zu stehen und unsere eigenen Songs zu spielen." Und das tun sie in ganz Bayern: München, Landshut, Neumarkt, Regensburg und Straubing. Beim Pfingst-Open-Air in Straubing auf der Hauptbühne zu spielen, war bislang der Höhepunkt in der noch jungen Karriere der vier Musiker, genauer gesagt der drei Musiker, denn Markus musste das Open Air vom Krankenhaus aus verfolgen. Er erlitt zwei Tage vor dem Auftritt einen Blinddarm-Durchbruch. Beim Open Air stand dann Papa Raith mit dem Bass auf der Bühne, seine 30-jährige Banderfahrung hat es möglich gemacht! Ganz so turbulent soll es 2014 nicht mehr werden. Die vier Freunde sind sich einig: "Wir wollen unser Musikerleben so druckfrei wie möglich halten und nicht komplett auf Kommerz abzielen." Ausreizen wollen sie das Thema allerdings schon. "Wir möchten schon sehen, wie weit wir mit unserer Musik kommen können." Doch das Risiko eingehen, nur von der Musik zu leben, das wollen sie nicht: "Dazu sind wir wohl alle zu vernünftig."