Auslandstagebuch Eintrag 16: Erlebnisse in der Zwischenzeit - 27. März 2018

Die Zeit fliegt und jetzt sind schon sieben Monate in diesem schönen Land rum. Im letzten Monat ist mal wieder erstaunlich wenig passiert. Wie ich ja schon öfter einmal erwähnt habe, ist Kaleo ein Dorf und auf einem Dorf gibt es nun mal etwas weniger zu tun als in einer Stadt. Zwar bin ich das Dorfleben von Zuhause gewöhnt, aber hier ist es doch noch ein bisschen anders. Da freut man sich wirklich über jede Gelegenheit, die sich einem bietet etwas Spannendes zu machen. Es passiert nicht oft, aber hin und wieder mal und so haben sich in den letzten 2 Monaten (ich habe im letzten Blogeintrag vergessen etwas zu erzählen, sorry) doch auch neben erdrückender Langeweile ein paar witzige Geschichten ereignet.

Eine dieser Geschichten ist die, dass Julius und ich mit Noah (einem Peace Corps Freiwilligen aus dem Nachbardorf Gbankor) auf eine Jagd gegangen sind. Wir sind mit Wurfstöcken bewaffnet mit rund 50 Einheimischen mitten durch den Busch gewandert und haben nach Kleintieren wie Hasen oder Buschratten gesucht. Viele der „größeren Jäger“ waren zudem auch mit Gewehren bewaffnet, die sich allerdings weniger zum Jagen als zum wild in die Luft schießen eigneten. Begleitet wurden wir von circa 50 Hunden, die wohl die meiste Arbeit gemacht haben. Die Jagt hier lief wie folgt ab: Drei Weiße und 50 einheimische Jäger laufen mitten durch den ghanaischen Busch und hauen mit Stöcken auf jeden Laubhaufen oder auf alles, wo sich theoretisch ein Tier (egal ob gefährlich oder nicht) verstecken könnte. Sollte man ein Tier aufgescheucht haben (meistens war es ein Hase), läuft das Tier natürlich in irgendeine Richtung fort. Daraufhin laufen alle Jäger wie gestört dem einen Hasen hinterher und versuchen ihn mit den Wurfstöcken zu treffen, damit dieser stolpert und gefangen werden kann. Da das meistens nicht so klappt wie geplant, kommen die Hunde ins Spiel und jagen den Hasen bis zum bitteren Ende. Wenn die Hunde das Tier erwischt haben, muss man es diesen erst wieder entreißen und, was dann übrig bleibt, lässt sich meistens nicht mehr eindeutig als Tier identifizieren. Fleischfetzen mit Fell trifft es da wohl eher. Nach circa zweieinhalb Stunden ließ sich zum ersten Mal wieder Zivilisation in Form einer Straße blicken. Wir einigten uns dann darauf, uns von der Gruppe abzukapseln und auf eigene Faust der Straße zurück zum geparkten Motorrad zu folgen. Orientierungslos mussten wir erst mal einen Jäger fragen, in welche Richtung wir überhaupt der Straße folgen müssen. Die nächsten drei Stunden verbrachten wir dann damit, durch das Nichts einen Weg zurück zu finden, was trotz „Straße“ nicht ganz so einfach war, da die Leute aus den umliegenden Dörfern uns gerne mal mitten durch den Busch leiten wollten und wir uns natürlich verlaufen haben. Nichtsdestotrotz hatten wir beim Wandern unter der prallen Sonne eine Menge Spaß und dem Schmarrn nach zu beurteilen, über den wir auf dem Weg geredet haben, haben wir wohl alle einen Sonnenstich gehabt.

Kurz darauf kam eine zweite Ablenkung vom Alltagstrott nach Kaleo: Eine Freiwillige aus Cape Coast, die wir von unserem Zwischenseminar kannten, besuchte uns mit einer Freiwilligen aus Togo. Gemeinsam mit Chris (dem Freund aus Kaleo, der wieder in der Heimat war) traten wir die Reise nach Wechiau an. Im September versuchten Julius und ich schon einmal, dort Nilpferde zu sehen, was aufgrund der Regenzeit aber nicht möglich war. Da zu diesem Zeitpunkt die Trockenzeit auf ihrem Höhepunkt war, standen die Chancen gut und tatsächlich konnten wir auch aus sicherer Entfernung zwei gewaltige Köpfe im Black Volta sehen. Dadurch, dass die Haut von Flusspferden sehr schnell austrocknet, müssen diese tagsüber unter Wasser bleiben und so konnten wir „nur“ die Köpfe bestaunen.

Kurz nachdem die zwei Mädchen wieder Richtung Heimat aufgebrochen sind, gab es bei uns im Haus eine kleine Veränderung. Bislang haben Julius und ich aufgrund der spärlichen Wohnsituation immer noch in einem Raum gewohnt, doch dadurch, dass er sich damit nicht mehr wohlgefühlt hatte, entschied er sich, in die andere Haushälfte zu ziehen. Somit war ich zwei Tage damit beschäftigt, meine eigene Haushälfte auf Vordermann zu bringen und ich bin ziemlich stolz auf mich, dass ich das so schön hinbekommen habe. Mittlerweile fühle ich mich in meinem Raum richtig wohl. Dadurch, dass es durch die Veränderung der Wohnsituation auch einen kleinen Streit zwischen Julius und mir gegeben hat, dessen Auswirkungen sich bislang noch ziehen, gehen wir seitdem getrennte Wege. Das ist natürlich schade, aber das kann man nicht ändern. Man wird mit einem fremden Menschen zusammen in ein Land geschmissen und dem Motto, du musst das nächste Jahr mit dieser Person verbringen - da kann man Glück oder auch eben Pech haben.

Vor etwa zwei Wochen bekamen wir erneut Besuch von einem „Narsala“ (Weißem Mann). Ein ehemaliger Freiwilliger, der seinen Dienst 2010/2011 in Kaleo absolviert hat, besuchte alte Freunde und neue Freiwillige. Gemeinsam mit Christopher sind wir zu seinem alten Pito-Spot gegangen und haben eine alte Tradition wiederbelebt. Es heißt, dass fast alle deutschen Freiwilligen (bis auf ein paar Ausnahmen) immer zu Celestina zum Pito trinken gegangen sind und ja, jetzt gehe ich auch dort hin. Außerdem habe ich von einem seiner alten Freunde aus dem Dorf etwas gelernt, was ich mir schon lange vorgenommen hatte: das Schlachten. Mir wurde also beigebracht, wie man hier in Ghana ein Hähnchen schlachtet und ausnimmt. Natürlich wollte ich nicht das Schlachten lernen, um irgendwelche sadistischen Neigungen zu befriedigen, nein, ich wollte das Schlachten aus zwei Gründen lernen: Zum Einen hat man kein Bewusstsein darüber, dass man Fleisch, also ein einst lebendiges Tier, isst. Somit habe ich mir gedacht, wenn man selber ein Tier schlachtet, zubereitet und isst, dass einem dadurch vielleicht etwas bewusster wird, was man eigentlich isst. Für mich schmeckt es immer noch gleich, nur dass ich weiß, dass es 100 Prozent frisch ist. Der andere Grund ist, dass man ja auch in Deutschland bis vor wenigen Jahren selber geschlachtet hat. Also warum es nicht einfach auch lernen, vielleicht kommt es einem irgendwann zu gute?

Das war nun aber auch das letzte „Spannende“, was passiert ist.Seitdem ist es in Kaleo wieder sehr fad.

Nun noch ganz kurz etwas zum Wetter: Ende Februar bis März/April ist das Ende der Trockenzeit. Und das Ende der Trockenzeit ist so ziemlich das Schlimmste, was man wettertechnisch hier erleben kann. Im Gegensatz zur Mitte der Trockenzeit, wo es vielleicht Temperaturen von 35 bis 40 Grad hat und angenehm trocken ist, hat es am Ende der Trockenzeit Temperaturen von mehr als 40 Grad mit dem kleinen Extra, dass es zudem noch schwül ist. Das heißt, in Räumen ohne Ventilator kann man es kaum aushalten und, wenn man draußen ist, fühlt es sich an, wie wenn dir jemand mit einem Baseball-Schläger auf den Kopf schlägt. Weil es das Ende der Trockenzeit ist, hat es vereinzelt auch schon einmal geregnet. Nein, es hat sogar geschüttet. Das ist eigentlich ganz angenehm, wenn da nicht ein kleines negatives Detail wäre: Neben dem monsunartigen Regen geht zudem auch noch ein starker Wind. Besonders schön wird es, wenn es gegen mein Fenster regnet, weil dieses nicht dicht hält. Somit regnet es gerne mal in mein Bett, was besonders nachts sehr angenehm ist. Ein anderer witziger Fakt ist, dass es, wenn es regnet, wahnsinnig abkühlt auf 25 Grad. Dann friert es mich sehr und ich sitze im Pulli da.

Seit zwei Wochen fällt das Unterrichten aufgrund der Terminal-Exams (Examen am Ende eines jeden Terms) aus und ich muss nur einmal pro Tag für circa zwei Stunden bei einem Examen Aufsicht machen. Den Rest des Tages habe ich nichts zu tun und ich muss mir immer was suchen um die Zeit totzuschlagen. Glücklicherweise nur noch bis Ostern, denn Anfang April kommen Kathi und Lukas, die Freiwilligen aus der Volta Region nach Upper-West, um uns zu besuchen. Da kommt dann endlich mal wieder Leben nach Kaleo und darauf freue ich mich schon narrisch.

 
 

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