Auslandsblog Eintrag 11: Weihnachten und Silvester bei Hitze und Sonnenschein - 17. Januar 2017

Des Öfteren werde ich gefragt, wie ich denn Weihnachten und das neue Jahr feiere - hier in Neuseeland, also auf der anderen Seite der Erdkugel und damit ganz schön weit von meiner Familie und Freunden aus Deutschland. In Neuseeland, einem Land, in dem wir auf der „falschen“ Seite der Straße fahren und an Weihnachten Hochsommer ist.

Im Prinzip ist das ganz einfach. Ich darf nur manchmal eben ein bisschen umdenken und mich von meinen Gewohnheiten nicht zu sehr beeinflussen lassen. Und das ist auch gut so. Warum nicht mal was Neues ausprobieren? Wobei ich damit natürlich nicht sagen möchte, dass Gewohnheiten immer etwas Schlechtes sind. Gewohnheiten sind sehr interessant und bringen mich des Öfteren zum Lächeln. Sie stellen sie mir ein Bein, helfen mir aber auch auf. Ich lerne, Gewohntes mit dem Neuen und Unbekannten verknüpfen zu können, und ich muss sagen, es gefällt mir!

Doch wie genau feiere ich jetzt Weihnachten?

24. Dezember in Landshut (Deutschland):

Ich bin daran gewöhnt, am heiligen Morgen im Pfarramt, mit dem Chor der Christuskirche in Landshut bei Kaffee und Schoko-Croissant zusammenzusitzen und noch einmal die Lieder durchzugehen. Anschließend fahren wir zusammen zu zwei Seniorenwohnheimen, wo wir zusammen mit unserem Pfarrer, unserem Chorleiter und guten Freunden einen Gottesdienst feiern und ihn musikalisch unterstützen dürfen. Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue auf meine Senioren, die glücklichen Gesichter und ihre Unterstützung bei den Liedern. Das ist eines der größten Geschenke für mich an Weihnachten. Anschließend dekoriert meine Familie den Weihnachtsbaum und wir machen einen großen Weihnachtsspaziergang um einen See. Wieder zuhause gibt es Mittagessen, verpacken unsere Geschenke und bereiten uns auf den Heiligen Abend vor. Am Abend gibt es dann ein riesiges, superleckeres Essen mit der Familie, wir hören Musik, essen Plätzchen und es gibt Bescherung. Den späten Abend verbringen wir dann bei einem Weihnachtsgottesdienst in der Kirche. Die Weihnachtszeit ist für mich eine Familienzeit.

24. Dezember in Neuseeland

Am 24. Dezember 2016 wache ich um neun Uhr morgens im Zelt am Gillespeech Beach auf und packe alles so schnell wie möglich zusammen, da mich die Sandflys attackieren und ich wohl das einzige übriggebliebene Futter für sie bin. Jeder andere war nämlich schlau genug, so früh wie möglich aufzustehen und ihnen so zu entkommen. Neun Uhr morgens seh’ ich jetzt zwar nicht als sehr spät an, jedoch trotzdem spät genug, um die letzte auf diesem wunderschönen Zeltplatz zu sein. Somit düse ich mit meiner Reisekumpanin zum ersten Tagesziel - Lake Matheson/Spiegelsee - wo wir meinen alljährlichen großen Weihnachtsspaziergang um einen See durchführen.

Ich genieße das klare Wasser, die Natur und natürlich das extrem laute Vogelgezwitscher. Nach einem wunderschönen Spaziergang, fahren wir mit dem Auto weiter nach Hasst und widmen uns dort einem Picknick am Strand. Einige Neuseeländer erklärten mir, dass sie ihr Weihnachten mit einem Picknick oder BBQ am Strand verbringen, nachdem ich mir Weihnachten ohne die Kälte und den Schnee zu Beginn nicht so ganz vorstellen konnte. Aber das liegt nur daran, dass ich das nicht gewohnt bin, denn möglich ist natürlich alles. Ich bin jetzt in Neuseeland, und damit gehört für mich an Weihnachten jetzt auch ein Picknick dazu. Und das gefällt mir!

Ich übernachte in Makaroa, um am nächsten Morgen gleich in der Früh nach Wanaka aufbrechen zu können, um am 25. Dezember 2016 in der Früh (Obacht: Zeitverschiebung!), also in Deutschland am 24. Dezember 2016 abends, über das WIFI der Stadt Weihnachtsgrüße zu verschicken und Zeit mit der Familie verbringen zu können. Weihnachtszeit ist Familienzeit und per Videoanruf klappt das super. Ein Hoch auf die Technik!

Da in Neuseeland eigentlich erst am 25. Dezember Weihnachten gefeiert wird, beschließe ich, das Ganze einfach zwei Tage lang zu zelebrieren. Und so lasse ich es mir nach den Videoanrufen in einer Bäckerei bei Kaffee und Kuchen gut gehen. Anschließend geht es natürlich mal wieder zum Strand, um alle Sonnenstrahlen einzufangen und ich springe in den See in Wanaka. Ich kann bei Gitarre und Gesang von einer Gruppe nebenan gut entspannen und träume durch den Tag. Am Abend erreiche ich nahe Queenstown einen etwas abgelegenen Campingplatz, von dem ich perfekt den ganzen Sternenhimmel betrachten kann. Als ich am nächsten Tag aufwache, wird mir die Schönheit dieses versteckten Campingplatzes erst richtig bewusst. Hier wurden Teile von Herr der Ringe gedreht und das kann ich mir hier auch gut vorstellen. Die Natur des Campingplatzes sieht so schön aus. Wie aus einem Teil von Herr der Ringe - nein, schöner!

In Queenstown statte ich vielen kleinen Shops in der Innenstadt einen Besuch ab. Ich lerne in dieser vollen Stadt einige nette Personen aus den verschiedensten Orten der Welt kennen. In Queenstown, der Touristenstadt am See, ist einiges los und es wird nicht schnell langweilig. Für jeden ist hier ein bisschen was dabei. Fergburgers, den angeblich besten Burgerladen der Welt, habe ich nicht besucht, da er wahnsinnig überlaufen war und ich mehrere Stunden für einen vegetarischen Burger hätte anstehen müssen. Bei der Hitze an diesem Tag entscheide ich mich deshalb, die kleine Schwester, die Fergbakery, zu besuchen und dort lieber etwas Süßes mitzunehmen und das Gebäck dann entspannt am Strand zu verspeisen.

Nach Queenstown geht es für mich weiter nach Arrowton, wo ich den meiner Meinung nach besten Queesecake der Welt mit Boysenberry-Mousse verputzen darf. Anschließend schlendere ich glücklich und mit vollem Bauch durch den Farmers Markt in Arrowtown, lasse mich von den kleinen Ständen inspirieren und höre mir großartige Geschichten von den Verkäufern an.

In den nächsten Tagen besuche ich Te Ana und fahre mit dem Kajak durch Milford Sound. Milford Sound ist mit seinen Wasserfällen berühmt für seine regnerischen Tage und ich habe wirklich Glück, einen sonnigen Tag erwischt zu haben.

Doch auf der Autofahrt von Milford Sound zurück nach Te Anau muss ich ungewollt eine Pause einlegen, da das Kühlwasser durch ein Loch in einer Röhre ausgelaufen ist und ich nicht mehr weiterfahren kann, ohne das Auto zu beschädigen. So werde ich nach einigen Stunden in der Sonne durch die AA (einer Autoversicherung in Neuseeland) gerettet. Ein Mechaniker holt mich samt Auto ab, repariert es und lädt mich und meine Reise-Kumpanin ein, die Nacht im Haus seiner Familie übernachten zu können, da die Unterkünfte in den Feiertagen in Te Anau (Milford Sounds nächstgelegener Stadt) ausgebucht sind. Zu diesem Zeitpunkt bin ich besonders froh, dass ich nicht alleine reise, und ich jemanden an meiner Seite habe, der mir hilft, dieses Erlebnis gemeinsam durchzustehen. Ich bin ein wenig misstrauisch in Bezug auf das Auto, da mir der Mechaniker fremd ist und ich mich ehrlich gesagt nicht so sehr mit alten Autos auskenne. Daher spreche ich mich zur Sicherheit noch einmal mit dem Mechaniker meines Vertrauens aus meinem Wohnort ab, bevor wir zustimmen, eine Röhre des Autos reparieren zu lassen. Ich bin sehr dankbar über meinen Sicherheitsumkreis von Menschen in Hawarden, die ich um Rat fragen kann und die mich kennen. Speziell in Neuseeland muss man zwar generell eh keine Angst haben, wenn man auf Reisen geht, da es eine sehr ungefährliche Insel ist. Trotzdem tut es mir gut, zu wissen, dass sich einige gute Freunde nur wenige Stunden weit weg aufhalten.

Nach meinem einen Abenteuer hüpfe ich sofort in das nächste und probiere mit meiner Reisegefährtin auf unserem nächsten Stopp Couchsurfing aus. In Invercargill verbringen wir dadurch einige Tage in einer WG, haben schöne Abende zusammen, kochen gemeinsam und lassen uns die Stadt zeigen. Couchsurfing ist eine super Sache, da man dadurch mehr Einheimische kennenlernt, und dadurch einen ganz anderen Einblick in die Stadt genießen kann.

Ich feiere Silvester mit einer Bartour ebenfalls in Invercargill. Zu Beginn vermisse ich die gewohnten, großen Feuerwerke. Jedoch lerne ich, dass das auch ohne geht. Ich zähle drei kleine Mini-Raketen und stoße mit meiner Reise-Kumpanin in einem Irish Pub auf das neue Jahr an. Wir lernen nette Kiwis von der Nordinsel kennen, und feiern mit ihnen gemeinsam das neue Jahr. Die Frauen der Gruppe lernen uns Choreographien auf bestimmte Lieder, die gespielt werden und wir tanzen und lachen zusammen. So wie sich das eben gehört! Und einen ein halben Tag später versende ich noch einmal Grüße und ein einen guten Rutsch ins neue Jahr, da ja nun nach der Zeitverschiebung auch meine Familie und Freunde endlich in 2017 hineinrutschen. Für ein paar Stunden war ich ihnen ein ganzes Jahr voraus.

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