Auslandsblog Eintrag 1: Auf ins Land der Fjorde (10. Oktober 2018)

Wenn man an Norwegen denkt, denkt man wahrscheinlich zuerst an die Natur: die Fjorde, die Inseln und zwischendrin kleine, rote Hütten, die sich an einen Fels schmiegen oder über das Wasser blicken. Aber Norwegen ist mehr als seine atemberaubenden Landschaften. Es ist ein sehr reiches Land, das auch bekannt ist für moderne und fortschrittliche Politik, insbesondere im Sozialwesen und somit auch in der Bildung.

Hier ein Auslandssemester zu machen, zeigt mir allerdings erst, was diese Balance zwischen Modernität und Naturverbundenheit wirklich für die Einwohner Norwegens bedeutet. „Zuhause“ studiere ich Medien und Kommunikation an der Universität  Augsburg und würde nun langsam dort ins dritte Semester starten. Ich dachte schon immer bei der Planung meines Studiums auch an ein Auslandssemester. Diese Chance, die uns Studierenden gegeben wird, mit relativ wenig Aufwand fast wie Einheimische in verschiedenen Städten zu leben und dort zu lernen, klang einfach zu gut. Ich wollte sie nicht ausschlagen. Also informierte ich mich über die verschiedenen Möglichkeiten, die mein Studiengang bietet. Für mich war das Erasmus-Programm besonders attraktiv, da ich gerne andere Länder Europas kennenlernen wollte und die finanzielle Unterstützung, die Erasmus bietet, ein Studium im Ausland einfach leichter macht.

Der Betrag variiert dabei nach Land. Norwegen fällt in die höchste Kategorie, da das Leben hier teurer ist als in Deutschland und man mehr Geld für Wohnraum und Essen ausgeben muss.  Ich entschied mich also für ein Studium in Skandinavien, genauer gesagt in dem relativ kleinen Ort Volda, der direkt an einem der unzähligen Fjorde liegt. Volda ist zwar noch im Süden Norwegens, ist aber vom wirklich südlichsten Punkt über elf Stunden Autofahrt entfernt.   Dieses Land ist mit seinen 1752 Kilometern einfach so lang (zum Vergleich: Deutschland ist gerade mal 876 km Luftlinie lang) und durch die Fjorde so schwer und besonders umständlich zu durchfahren, dass ‚kurze‘ und ‚lange‘ Strecken komplett andere Fahrzeiten bedeuten, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Kein Wunder also, dass es hier so viele Inlandsflüge gibt, hauptsächlich in den vielen kleinen Flugzeugen der Airline Widerøe. Mit diesen kommt man spätestens dann in Kontakt, wenn man wirklich einmal einen dieser kleinen Flughäfen mit lediglich einer Rollbahn und einem 2-Meter-Gepäckband als Endziel hat.

Der Innenraum des Flugzeugs, mit dem ich von Oslo nach Volda flog, war mit 39 Passagieren voll besetzt. Der Steward hatte einen kleinen Klappsitz, den er mit einem Vorhang, der gerade so um ihn herumging, abschirmte und einen Miniatur-Getränkewagen, mit dem er einmal hin- und zurück durch den maximal 10 Meter langen Gang zuckelte. Aber bei den Turbulenzen, die wir nach einem sehr windigen Tag in Oslo durchflogen, hatte sowieso keiner der Passagiere die Nerven, wirklich etwas zu bestellen.

Volda bietet trotz nur etwa 9000 Einwohnern eine erstaunlich große und schöne Uni mit vielen, sehr verschiedenen Kursen. Auf Englisch sind besonders die Medienmodule in den Bereichen Journalismus, Medienproduktion und Design vertreten, aber auch einige musikalische und sozialwissenschaftliche Fächer. Dementsprechend sind wir gerade circa 120 „Internationals“, die entweder nur für ein Semester, für ein Jahr oder sogar für ein ganzes Studium hier ihr „home away from home“ gefunden haben.

In der Nähe, also noch in mit dem Auto relativ schnell erreichbarer Distanz, sind die auf Inseln erbaute Jugendstilstadt Ålesund, der weltberühmte Geirangerfjord, der sogar UNESCO-Weltnaturerbe ist, und auch der größte Gletscher Kontinentaleuropas, der Jostedalsbreen.

Wenn ich zur Zeit meiner Bewerbung auch nicht wusste, wie genau mein Semester hier ablaufen würde, welche Kurse ich belegen würde und welche Leute ich kennenlernen würde, eins ist sicher: Dieses Semester wird komplett anders, als alles, was ich vorher erlebt habe.

 

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