Auf der Männertoilette Das nicht ganz so stille Örtchen am Gäubodenvolksfest

Auf der Herrentoilette zeigt sich die ungeschönte Seite des Gäubodenvolksfests. Foto: Johannes Wiest

Würde Diogenes in der heutigen Zeit leben - er würde vermutlich nicht in einer Tonne hausen, sondern im Männerklo. Die schiere Anzahl an tiefgründigen Weisheiten diverser Promille-Apostel auf dem Gäubodenvolksfest legt diesen Schluss zumindest nahe. Ein Blick in das nicht ganz so stille Örtchen.

Die Notdurft ist verrichtet, die noch nicht geschlossenen Lederhosenklappe offenbart den Blick auf eine Calvin-Klein-Boxershort. Der dunkelhaarige Prediger wandert ins Zentrum seiner von Pissoirs umrahmten Kanzel. „Oans miasds eich merka“, wendet er sich an seine Bruns-Jünger: „Wennsd an saubern Schwanz hosd, muasd da d’Hend ned waschen.“

Auf der Herrentoilette zeigt sich die ungewaschene, ungeschönte Seite des Gäubodenvolksfests. Nicht umsonst pudert man sich dort nicht die Nase – man lässt ihn hängen, geht zum Soacha oder pisst. Aus einem „Hallo“ oder „Servus“ wird – je nach Alkoholkonsum – häufig ein „Na?!“, „Wos machstn du Zipfe do“, zumeist aber ein einfaches „Häää“ samt inniger Umarmung.

Auch bei der ersehnten Ankunft am Urinal ähnelt sich das Vokabular. Einem erleichtertem „Ahhh“, folgt beispielsweise ein „Etz hods pressiert“ oder ein „Kam dringsd a bo Liter Bier, scho muasd soacha.“

Angesichts solch anstrengender Konversationen verwundert es nicht, dass sich manch ein Besucher zwischenzeitlich ausruhen muss – sei es liegend auf dem von Urin angefeuchteten Boden, sitzend in der Kabine, oder stehend am Urinal (eine besonders kunstvolle Schlafart, die nur die Wenigsten beherrschen).

Wo Freundschaften geschlossen – und zu Feindschaften werden

Zumeist bleibt aber doch genug Kraft, um die Nachbarn kennenzulernen. Das Urinal kann so zum Pendant einer Zugfahrt werden, bei dem der Sitznachbar seine Lebensgeschichte erzählt – ob man das will, oder nicht.

Wo die Unterhaltung dann doch tiefgründiger wird, entstehen für einen Abend Freundschaften fürs Leben. Außer bei der Klärung der Herkunft stellt sich heraus, dass die Orte etwa sportlich verfeindet sind – dann wird die Freundschaft genauso schnell widerrufen, wie sie entstanden ist und einvernehmlich eine Feindschaft einberufen.

Ohnehin bedarf es einer Menge Fingerspitzengefühl beim Betreten des Klowagens, wie das Beispiel eines unwissenden Neuankömmlings zeigt. „Hää habedere“, begrüßt er lauthals einen Bekannten am Urinal. Dieser erwidert: "Pschhhht, mir miasma uns do konzentriern." Ein dritter Klogänger pflichtet sodann bei: "Genau, du bringst uns do ois durchanand."

Jetzt ist wieder genug Platz fürs nächste Masserl

In der Regel sind es aber die Neuankömmlinge, die für den meisten Ärger sorgen. Die mit dem meisten Druck in der Blase erzeugen meist den größten Druck. Das Freundschafts-Speeddating endet dann mit einem: „Fix, dads eich um“. Meist ausgerechnet dann, wenn die Diskutierenden kurz davorstehen, die Klimaerwärmung aufzuhalten oder eine Lösung für die Energiekrise zu finden.

Als Ort der großen Nächstenliebe erhalten Männer in Not im Klo-Häuserl neben einer Menge Schadenfreude auch eine Menge Unterstützung. Etwa, wenn die Lederhose mal wieder nicht richtig auf- oder zugehen will. Oder, wenn es so sehr eilt, dass ein Mann in der Schlange mit hochrotem Kopf anfängt, sich mit tänzelnden Bewegungen zu behelfen. Als er vorgelassen wird, stürmt er in die erstbeste Kabine. Nach einem „Ahhhh“ der Erleichterung ruft er: „Danke an meine Retter“, und wirft zehn Euro aus der Klokabine. Anschließend sind sich er und der Großteil seiner Klomitstreiter einig: Jetzt ist wieder genug Platz fürs nächste Masserl.

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