Als Koch auf Expedition im ewigen Eis Tanguy und seine ersten Wochen in der Antarktis

Ein Stück vertraute Heimat mitten in der Antarktis: ein Briefkasten. "Der ist aber leider außer Betrieb", scherzt Tanguy Doron. Foto: Doron

Am 20. Dezember letzten Jahres begann für den ehemaligen Freisinger Gastronom Tanguy Doron (52) das Abenteuer seines Lebens: eine Expedition in die Antarktis. Dort wird er über ein Jahr lang ein Team aus Wissenschaftlern bekochen. Seit knapp zwei Wochen ist Doron nun im ewigen Eis. Gegenüber idowa schildert er seine ersten Eindrücke vor Ort.

Wer würde in Zeiten von Lockdowns und Ausgangssperren der alltäglichen Tristesse nicht gerne entfliehen und einfach mal wieder etwas anderes als die eigenen vier Wände sehen? Zugegeben, in die Antarktis würde es dabei wohl nur die wenigsten verschlagen, doch der 52-jährige Tanguy Doron hat genau das getan. Nach vielen Jahren als Gastronom, suchte er nicht nur beruflich eine neue Herausforderung. Fündig wurde er am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Dort engagierte man ihn als Koch für eine Expedition in die Antarktis.

Schon die Anreise mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ dauerte über einen Monat und war für Doron „ein sensationelles Erlebnis“, wie er sagt. „Ich war ja noch nie auf so einem Schiff unterwegs, noch dazu so lange. Und dann noch durch den gesamten Atlantik. Klar war ich da nervös“, gibt der 52-Jährige gegenüber idowa zu. Die Anreise sei nicht nur lang, sondern auch sehr lehrreich gewesen. Nicht zuletzt deshalb habe sich das ganze Team dadurch besser kennengelernt. Ein sehr wichtiger Aspekt. Denn wenn man über ein Jahr in einem kleinen Team in der Antarktis verbringt, dann muss man einander vertrauen können.

Am 19. Januar hat die „Polarstern“ an ihrem Bestimmungsort angedockt. Bereits diese knapp zwei Wochen haben bei Tanguy Doron einen bleibenden Eindruck hinterlassen: „Ich kann definitiv sagen, dass man hier einen ganz anderen Bezug zum Leben bekommt. Hier, wo es immer kalt ist und wo man ab und zu nicht einmal mehr den Unterschied zwischen Himmel und Erde erkennen kann, weil alles weiß ist.“ Dabei birgt das Leben in der Antarktis natürlich auch zahlreiche Gefahren in sich. „Ich habe schon jetzt in dieser kurzen Zeit gesehen, wie ernsthaft die Gefahr hier ist. Das Wetter schlägt so schnell um. Wenn man sich hier nicht an alle Vorsichtsmaßnahmen und Regeln hält, gerät man in lebensgefährliche Situationen“, bringt der 52-Jährige seinen Respekt vor den Bedingungen zum Ausdruck. Zumal eine Nachlässigkeit unter Umständen auch die Kollegen vor Ort in Lebensgefahr bringen kann. Doron: „Deshalb muss man sich auf jeden Außeneinsatz akribisch vorbereiten.“

24 Stunden lang helllichter Tag

Das schweißt zusammen. Schon jetzt sind ihm seine Kollegen wie eine Familie geworden. Aktuell ist die Übergabe an der Forschungsstation „Neumayer III“ noch in vollem Gange. Ist diese abgeschlossen, dann wird das Team, das nun seit über einem Jahr dort verweilt, die Heimreise antreten. Dann sind Tanguy Doron und seine Kollegen auf sich allein gestellt. Für den 52-Jährigen zweifelsfrei noch eine gewaltige Umstellung. Denn aktuell plagen ihn nicht nur Heimweh und die Sehnsucht nach Familie und Freunden, sondern auch Schlafmangel. Doron: „Die Sonne scheint hier aktuell 24 Stunden am Tag. Dadurch werde ich nicht müde. Der Schlafmangel ist anstrengend.“ Doch dem ehemaligen Gastronom bleibt noch genug Zeit, sich daran zu gewöhnen, denn für ihn geht es voraussichtlich erst wieder im März 2022 zurück in die Heimat.

 

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