7-Tage-Inzidenz unter 50 Diese Lockerungen greifen ab Montag in der Stadt Landshut

Ab morgigem Montag greifen in Landshut erste Corona-Lockerungen. Doch Oberbürgermeister Alexander Putz übt Kritik an der Landesverordnung und sagt: "So fordern wir die Menschen zum Einkaufstourismus auf." (Symbolbild) Foto: Hansjörg Eder

In der Stadt Landshut werden die Corona-Schutzmaßnahmen mit Wirkung zum morgigen Montag deutlich gelockert. Die 7-Tage-Inzidenz sank am Sonntag nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf 40,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Damit lag der Wert, der zur Beurteilung des Infektionsgeschehens allein maßgeblich ist, zum von der Staatsregierung festgelegten Stichtag unter der kritischen Marke von 50,0.

Die nun möglichen Erleichterungen betreffen vor allem den Einzelhandel: Dieser darf ab morgen unabhängig vom dann aktuellen Inzidenzwert –unter Beachtung der bekannten Infektionsschutzmaßnahmen – regulär öffnen.

Konkret gelten nach Angaben das Bayerischen Gesundheitsministeriums in Landkreisen oder kreisfreien Städten, in denen – wie aktuell in der Stadt Landshut – eine stabile 7-Tage-Inzidenz von unter 50 besteht, ab morgen folgende inzidenzabhängige Regeln:

  • Öffnung des Einzelhandels mit einer Begrenzung auf einen Kunden je 10 Quadratmeter für die ersten 800 Quadratmeter Verkaufsfläche und darüber hinaus einen Kunden je 20 Quadratmeter.
  • Öffnung von Museen, Galerien, zoologischen und botanischen Gärten sowie Gedenkstätten.
  • Kontaktfreier Sport in kleinen Gruppen (maximal zehn 10 Personen) im Außenbereich, auch auf Außensportanlagen.

Diese Regelungen gelten, solange die 7-Tage-Inzidenz nicht an drei Tagen in Folge über den Grenzwert von 50 steigt. Sollte dies der Fall sein, wird die Stadt Landshut darüber und über die dann in Kraft zu setzenden, strengeren Maßnahmen unverzüglich informieren.

Landesweit gelockert werden außerdem die Kontaktbeschränkungen. So sind ab morgen private Treffen des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt möglich; wobei die Teilnehmerzahl auf maximal fünf Personen begrenzt ist. Kinder bis 14 Jahre werden dabei jeweils nicht mitgezählt. Eine Verschärfung der Regeln droht in diesem Bereich übrigens erst, wenn die 7-Tage-Inzidenz über 100 steigen sollte. In Kinderbetreuungseinrichtungenerfolgt bis zu einem Inzidenzwert unter 50 – und damit in allen Einrichtungen im Stadtgebiet Landshut – ab morgen Regelbetrieb. Für Schulen ändert sich dagegen nächste Woche noch nichts: Dort sind erst ab Montag, 15. März, Öffnungsschritte geplant, die sich ebenfalls an der 7-Tage-Inzidenz orientieren werden.

Putz: "Morgige Öffnungen eigentlich unlogisch"

Oberbürgermeister Alexander Putz sieht die bevorstehenden Lockerungen zwiespältig. „Einerseits freue ich mich, dass Öffnungsschritte möglich sind. Das ist ein Lohn für die Mühen all jener, die die bekannten Abstands-, Kontakt- und Hygieneregeln konsequent beachten und sich so aktiv in die Bekämpfung der Pandemie einbringen.“ Andererseits sei das Virus eben noch längst nicht bezwungen. „Wir sehen, dass die Zahl der Neuinfektionen auch bei uns wieder steigt. Schon morgen ist nach den Prognosen des Staatlichen Gesundheitsamts davon auszugehen, dass wir die 50er-Grenze bei der 7-Tage-Inzidenz deutlich reißen und diese in den Folgetagen auch nicht mehr unterschreiten werden“, so Putz. „Mit diesem Wissen sind die Öffnungen, die wir aus landesrechtlichen Gründen morgen ermöglichen müssen, eigentlich unlogisch.“

Die Schwächen der von Bund und Ländern vereinbarten Öffnungsstrategie würden also gleich am ersten Geltungstag der neuen Regeln offensichtlich, sagt Putz. „Die 7-Tage-Inzidenz schwankt gerade in kleineren Städten und Landkreisen erfahrungsgemäß sehr stark. Wenn allein an der Inzidenz praktisch alle Regeln für das gesellschaftliche Leben hängen – vom Einzelhandel über Kultur und Sport bis hin zum Präsenzunterricht an den Schulen – droht ein sich ständig änderndes Regelungs-Wirrwarr, das keiner mehr überblicken kann.“ Zudem sei die 7-Tage-Inzidenz zwar ein wichtiges Kriterium, als alleiniger Maßstab aber kaum mehr geeignet, das lokale Infektionsgeschehen realistisch abzubilden. „Dafür müsste man vor allem auch die fortschreitende Immunisierung der besonders von einem schweren Verlauf der Erkrankung gefährdeten Bevölkerungsgruppen durch die Impfung, die Zahl der Neuinfektionen in den bekannten Risiko-Altersgruppen und auf dieser Basis die voraussichtliche Belastung der regionalen Krankenhäuser berücksichtigen. Dass dies in Deutschland – anders als in vielen anderen Ländern – nicht getan wird, kann ich mittlerweile nicht mehr nachvollziehen.“

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