2026, das neue 2016?
Warum viele Menschen gerade Sehnsucht nach der Welt vor zehn Jahren haben

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Diese Trends aus 2016 kommen dieses Jahr wieder zurück.
Ein Cabrio fährt Richtung Sonnenuntergang, im Radio läuft „Lush Life“. Die türkisen Haarsträhnen eines Mädchens wehen im Wind, während die Silhouetten der Bäume vorbeiziehen. Noch schnell ein Bild vom knallbunten Getränk gemacht, Rio-de-Janeiro-Filter drüber und ab in die Insta-Story.
Wer sich bei dieser Situation an längst vergangene Jahre erinnert, irrt sich: Es ist 2026, doch könnte es genauso auch 2016 sein. Schon seit Mitte vergangenen Jahres schwappt eine Welle aus nostalgischen Trends durchs Netz, deren Ziel es ist, das Jahr 2016 wieder aufleben zu lassen. Doch was fasziniert die Gen Z an dieser Zeit?
Was macht 2016 besonders?
Viele Jugendliche betrachten das Jahr als eine Zeit, in der die Welt noch weniger hektisch und kurzlebig war. Zahlreiche alte Posts, Trends und Songs zeigen ein unbeschwertes und farbenfrohes Leben, in dem die sozialen Medien noch weniger kommerzialisiert waren und nicht jeden Tag eine neue apokalyptische Eilmeldung die Nachrichten heimsuchte. Psychologe Clay Routledge erklärt dazu gegenüber BBC, dass junge Menschen besonders nostalgisch sind, wenn sich die Welt um sie schneller verändert. Zudem greift der 2016-Trend den existierenden Y2K-Hype auf, also die Vorliebe für die Mode und den Lifestyle der 2000er-Jahre, die seit 2021 Baggy-Jeans und Crop-Tops zurückgebracht hat.
Wie äußert sich der Trend?
Anstatt New-year-new-me-Posts fluteten Anfang des Jahres Vergleiche zwischen 2026- und 2016-Ichs die sozialen Medien. Auch viele Stars beteiligten sich an diesem Trend. So zum Beispiel Kylie Jenner, die bereits im Oktober des vergangenen Jahres das Comeback einer der popkulturell prägendsten Ären im Jahr 2016 ankündigte: King Kylie. Diese junge, rebellische Art der damals 18-Jährigen trug maßgeblich zu den extremen Make-up-Looks und Outfit-Inspirationen dieser Zeit bei.
Neben Make-up erhielt nahezu jeder andere Lebensbereich heute eine Aktualisierung im Stil von vor zehn Jahren: Modisch rücken Napoleon-Jacken und Bootcut- sowie engere Jeans ins Rampenlicht, wie das Modemagazin Harper’s Bazaar schreibt. Auch exotische Tierprints wie Leopard oder Zebra sind wieder modern. Der längst vergessene Rio-de-Janeiro-Filter oder Snapchats Hundeohren sind ebenfalls zurück, während der Song „Lush Life“ aus 2015, der unbeschwertes Leben und Harmonie philosophiert, dank eines TikTok-Trends an die Spitze der deutschen Charts zurückkehrte. Und vor allem mit Beginn des Sommers, der charakteristischen 2016-Jahreszeit, wird dieser Hype vermutlich noch viel stärker trenden.
Was steckt hinter dem Trend?
Die zahlreichen Micro-Trends, die nostalgische Dinge zurückbringen, erschaffen tatsächlich eine Realität, in der das Leben so unbeschwert und frei wirkt, wie es damals schien. Vielen Menschen gelingt es dadurch, den jetzigen Umständen, geprägt von Kriegen, Krisen und dem Klimawandel, zumindest für kurze Zeit zu entfliehen.
Aber der Trend zeigt mehr ein Ideal als die tatsächliche Realität: Denn auch 2016 gab es Neuigkeiten und Entwicklungen, die Sorgen machten und die oft im Gesamtbild übersehen werden, wie Medienpsychologe Tim Wulf gegenüber dem BR berichtet: In Deutschland heizten Übergriffe in der Silvesternacht erneute Debatten zum Thema Migration an, das Vereinigte Königreich stimmte über den Brexit ab und Donald Trump wurde erstmals US-Präsident. Somit unterscheiden sich 2016 und 2026 dann doch nicht mehr so sehr.
Nostalgie gibt dem Menschen in Zeiten von gesellschaftlichen Umbrüchen Wohlbefinden, einen Rückblick auf eine Zeit, in der vermeintlich alles gut war. Dass dies kein einmaliges Phänomen ist, sollte jedem klar sein. Denn egal, ob es der kürzliche German-Childhood-Trend ist, der auf die frühe Kindheit ohne Smartphones zurückblickt oder die Nostalgie der Generation X gegenüber den 1990er-Jahren, ein Rückblick muss nicht immer ein Rückschritt sein, sondern kann in hektischen Zeiten auch eine kurze Flucht aus dem Alltag bieten.













