Neues Album „Quaranta“

US-Rapper Danny Brown möchte keine Zeit mehr verschwenden

US-Rapper Danny Brown ist 40 Jahre alt und nicht glücklich über sein Alter. Auf seinem neuen Album „Quaranta“ schreibt er über seine Drogensucht und wie Hip-Hop ihn rettete – nur, um ihm wieder zu schaden.


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US-Rapper Danny Brown.

Rap-Veteran André 3000 machte vor Kurzem Schlagzeilen: Denn er behauptete, dass er mit über 40 Jahren nichts mehr über Raps zu sagen hat. Die eine Hälfte des legendären Duos „Outkast“ überraschte Fans stattdessen nach jahrelanger Stille mit einem instrumentalen Flötenalbum. Am selben Tag erschien jedoch ein Album, das beweist, dass man sehr wohl im fortgeschrittenen Alter noch großartigen Hip-Hop schreiben kann: „Quaranta“ von Rapper Danny Brown.

Darum geht’s: Danny Browns Alter ist nämlich ein zentrales Motiv von „Quaranta“ (italienisch: 40). Es ist eine Fortsetzung von „XXX“, in dem Danny seine Situation als 30-Jähriger beschrieb. „Quaranta“ folgt nun demselben Konzept, nur fasst es die zehn Jahre seit der Veröffentlichung von „XXX“ zusammen.

Danny Brown geht in seiner Musik schon immer offen mit seinem Alkohol- und Drogenproblem um. Doch die vergangenen Monate redet er noch öfter und ehrlicher darüber. Der Grund: Seine Sucht wurde so schlimm, dass er sich Anfang des Jahres freiwillig in eine Entzugsklinik begab. Seitdem ist er nüchtern geblieben.

„Quaranta“ offenbart viele Hintergründe dieser Sucht und die Ängste, die damit einhergehen. Schon in den ersten Zeilen fragt er sich, warum er mit 40 Jahren auf diese Weise lebt – warum er immer noch auf Drogen zurückfällt, aber auch, warum er überhaupt noch rappt. So erzählt er zum Beispiel, dass Hip-Hop sein Leben gerettet hat und es gleichzeitig zerstört. Denn die Sucht kam auch von der Angst, wie seine Musik ankommt.

Er erwähnt auch die Trennung von seiner Frau in dem Lied „Down Wit It“, und wie sie ihn aufgrund seines stressigen Lebens als Musiker und seiner Drogenabhängigkeit verließ. Der Song endet mit einem der stärksten Momente des Albums: Er singt „Now I’m realizing that I love her“, während seine Stimme langsam hinter einer Wand von verzerrten Gitarren verschwindet.

Bei „Jenn’s Terrific Vacation“ geht es um die Gentrifizierung ärmerer Viertel. Und „Hanami“ ist ein unerbittlicher Blick auf all die Probleme, die zu Danny Browns Drogensucht geführt haben und darauf, wie er Angst hat, 40 Jahre seines Lebens verschwendet zu haben. Doch nicht alles ist ernst und traurig. Mit Liedern wie „Dark Sword Angel“ oder der Single „Tantor“ bekommen Fans auch den wilden, spaßigen Danny Brown, den sie gewohnt sind.

Video zum Thema:

Der Sound: Danny Brown klang bisher recht abstrakt und manchmal fast wie ein Cartoon-Charakter. Mit seiner näselnden und teils schiefen Stimme, wilden Reimschemen und chaotischen Beats war er auf jeden Fall nicht für jeden etwas. Doch „Quaranta“ ist ein Schritt in eine komplett andere Richtung. Die Beats sind ruhiger und wie Dannys Raps vor allem nachdenklicher. Dennoch sind sie auch weiter ein Highlight: Sie klingen zwar anders, als man es gewohnt ist, aber sind dennoch perfekt produziert. Ein paar bekannte Namen haben hierbei geholfen: zum Beispiel The Alchemist und Quelle Chris.

In aller Kürze: Danny Brown ist auf dem neuen Album „Quaranta“ deutlich reservierter – und liefert einen melancholischen Blick in seine Psyche, der dennoch nicht langweilt.

Fazit: „Quaranta“ beweist, dass man Hip-Hop nicht nur jungen Rappern überlassen sollte. Es ist ein ehrliches und erwachsenes Album, das trotz des schweren Themas an vielen Stellen Spaß macht. Es begräbt den Zuhörer nicht mit den traurigeren Momenten, sondern führt langsam zu diesen hin. Alle Seiten von Danny Brown wirken ausbalanciert – und keine Zeile oder Sekunde wird verschwendet.

„Quaranta“ von Danny Brown, Warp Records. Auf allen bekannten Streaming-Plattformen sowie als Vinyl und CD erhältlich.