Musik-Tipp

US-Rapper Baby Keem stellt sich im Album „Ca$ino“ seiner Vergangenheit

US-Rapper Baby Keem wurde als spannender Newcomer gehandelt, bis er plötzlich verschwand. Das Album „Ca$ino“ erklärt, warum: Er stellte sich der Vergangenheit.

Rapper Baby Keem spricht auf seinem neuen Album viel über seine schwierige Jugend in Las Vegas.

Rapper Baby Keem spricht auf seinem neuen Album viel über seine schwierige Jugend in Las Vegas.

Darum geht’s: Der Name von US-Rapper Baby Keem ist bisher vor allem aus zwei Gründen gefallen: entweder, weil er als Cousin von Superstar Kendrick Lamar als Produkt von Vetternwirtschaft beschimpft wurde. Oder weil sein Debüt „The Melodic Blue“ eines der chaotischsten und gleichzeitig vielversprechendsten Rap-Alben der vergangenen Jahre ist. Nach der Veröffentlichung dieses Werkes wirkte es, als ob Baby Keem der Karriere seines Cousins folgen würde: immer weiter bis an die Spitze der Charts. Doch plötzlich wurde es sehr still.

Sein neues Album „Ca$ino“ zeigt, warum: Der Musiker verarbeitete das Chaos in seiner Familie. In den Songs rappt der Musiker über seine Mutter, die ihn jahrelang vernachlässigt hat und ihn nach seinen ersten Erfolgen eher als menschlichen Geldautomaten gesehen hat. Baby Keems Großmutter, die sich mehr um den Bub kümmerte und versuchte, ihn aus den Pflegeheimen rauszuhalten, ist zudem auch verstorben. Kein Wunder, dass der heute 25-Jährige auf „Ca$ino“ deutlich erwachsener klingt. Seine eigentlich hohe und nasale Stimme ist zum Beispiel bei dem Highlight „I Am Not A Lyricist“ markant tiefer und erinnert an Rap-Legende André 3000.

Außerdem geht es um gesundheitliche Probleme, gescheiterte Beziehungen und darum, wie ihn seine Jugend in Las Vegas geprägt hat. Daher stammt auch der Name des neuen Albums. Das Leben des Rappers habe sich wie konstantes Glücksspiel angefühlt und immer wieder redet der Musiker über schlechte finanzielle Entscheidungen, die er wohl nach seinen ersten Hit-Songs getroffen hat.

Die Musik: „Ca$ino“ ist musikalisch ähnlich schizophren, wie es die Beats schon bei „The Melodic Blue“ waren. Kein Lied klingt wie ein anderes und Baby Keem wechselt auch immer wieder den Klang seiner Stimme – oft sogar so sehr, dass man ihn manchmal gar nicht wiedererkennt.

„Birds And The Bees“ und „$ex Appeal“ sind die größten Ohrwürmer des Albums, während das Ziel von „Good Flirts“ und „House Money“ zu sein scheint, dass Baby Keem möglichst viel Spaß mit seinem Cousin Kendrick Lamar im Studio hat. Die zwei Features des Superstars sind deshalb vor allem humorvoll, und es wirkt, als ob der doch oft ernste Rapper zusammen mit Baby Keem aus seiner Schale kommt.

Es ist also nicht alles todernst, doch die Lieder, in denen Baby Keem das Drama in seiner Familie aufdröselt, sind eindeutig die bewegendsten Momente. Alles fließt zusammen in dem melancholischen Song „No Blame“, in dem der Rapper seine Mutter von jeder Schuld freispricht. Wer zuvor aufmerksam zugehört hat, merkt, wie schwer dieser Schritt dem Musiker fallen muss.

Fazit: „Das ist für alle Pflegekinder, Ausreißer / Für die Unterwelt und die Unterbezahlten“, deklariert Baby Keem am Ende von „I Am Not A Lyricist“. Dieser Liedname ist eine Lüge, denn der Song und „Ca$ino“ als Ganzes beweisen, dass der Rapper durchaus ein talentierter Lyriker ist. Gleichzeitig machen die Beats auf dem kompletten Album immens viel Spaß.

Der einzige Fehlschritt ist der Song „Dramatic Girl“, der zwar nicht schlecht ist, aber mit kitschigem Gesang nicht mit dem Rest des Albums zusammenpassen will. Ansonsten beweist Baby Keem mal wieder, wie facettenreich er ist und dass er zu Recht von Rap-Fans vermisst wurde.

„Ca$ino“ von Baby Keem, erschienen bei PGLang, als CD, Vinyl und auf allen Streaming-Plattformen.
 

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