[Frei]schreiben!
Matratzen für die Armen

Jonas Geisperger (rechts) engagiert sich freiwillig in Ecuador. Was er erlebt, könnt ihr in seinem Blog unter www.jonasecuador.blogspot.com nachlesen.
Seit drei Monaten lebe ich nun in Ibarra, einer Provinzhauptstadt mit rund 100 000 Einwohnern im Andenhochland von Ecuador, etwa 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Quito. Ich arbeite dort noch bis Ende April als Freiwilliger in einem Sozialprojekt für arme alte Menschen. Am Rande der pulsierenden Städte und neben durchaus auch vorhandenem Reichtum stößt man immer wieder auf schlimme Armut.
Es stirbt hier niemand an Hunger, aber viele müssen schauen, wie sie über die Runden kommen. Gerade die alten Menschen sind oft benachteiligt. Nicht mehr als 35 US-Dollar monatlich bekommen sie vom Staat und müssen davon die Rechnungen für Strom und Wasser, Miete und Essen bezahlen. Haben sie keine Kinder, die sie unterstützen, stehen sie oft sehr schlecht da. An die Stelle des Staates tritt dann meistens die Kirche. Die hat hier eine ganz andere Bedeutung als bei uns, ist oft der einzige Anker, an dem sie sich festhalten können.
Das Kloster "Monasterio Santa Clara des los Ángeles" kocht und gibt den Armen: "Comedor del Divino Niño, para los pobres", was etwa soviel heißt, wie "Speisesaal des göttlichen Kindes für die Armen". "Dios le pague" sagen sie zum Dank. "Vergelt's Gott". Das Essen ist die Hauptaufgabe des Projekts. Aber es gibt dort noch viel mehr zu tun. Jeden Vormittag machen die "Adultos Mayores", so heißen die Senioren auf spanisch, ihre Handarbeiten. Die dabei entstandenen kleinen Kunstwerke können sie später verkaufen und das Geld für sich behalten.
Gemeinsames Singen
Weil sie auch Musik lieben, habe ich mir vom Kloster eine Gitarre ausgeliehen und singe mit ihnen ihre Lieder. Viele können nicht lesen, aber es geht trotzdem irgendwie. Niemand geniert sich hier. Wer ein Lied kennt, der stellt sich hin und singt einfach. Kennen es die anderen auch, steigen sie mit ein und die Lieder, die sie noch nicht kennen, bringe ich ihnen bei. Alle hören zu und sind begeistert. Es wird viel getanzt und keiner darf sich drücken. Schon oft war ich, ehe ich mich versah, mit auf der Tanzfläche und musste mitmachen, sehr zur Freude der Adultos Mayores.
Wenn man die Leute im Projekt so fröhlich erlebt, meint man oft gar nicht, wie schlecht es ihnen eigentlich geht. Wir haben alle in ihren Häusern besucht, ihnen Fragen gestellt über ihre Lebensumstände und ihre Vergangenheit, mit dem Ziel, ihre Situation zu verbessern. Oft waren wir ganze Nachmittage dafür unterwegs, denn sie wohnen meist sehr weit außerhalb, in den suburbanen Randbezirken, in denen man sich nicht mehr wie in einer Stadt vorkommt. Wir haben sie auf ihrem Heimweg vom Projekt begleitet, meist ging es über Schotterpisten, kleine Seitenstraßen entlang. "Aquí no más vivo yo". "Hier wohne ich". Sie sitzen auf ihrem Bett und erzählen von ihrem Leben. Don Wilson stehen dabei die Tränen in den Augen, weil er nicht weiß, wie er die Medikamente für seine geistig und körperlich behinderte Enkelin bezahlen soll. In dem Haus wohnt eine Großfamilie von elf Leuten in nur drei kleinen Zimmern. Man müsste so viel tun. Aber oft ist es uferlos, bei einer Decke aus Pappe und überall Löcher, durch die es hineinregnet.
Doch wo wir können, setzen wir an. Zum Beispiel wollen wir Don Wilson eine Matratze schenken, wie fast allen anderen. Es sind oft nur Strohmatten oder Schaumstofffetzen, auf denen sie schlafen. Die Situation einer Frau und ihrer Tochter haben wir bereits verbessert. Aus ihrem höhlenartigen Raum haben wir ein richtiges Zimmer gemacht, mit richtigen Wänden und einem richtigen Boden. Bei einem anderen Haus sind wir gerade dabei, ein Zimmer herzurichten und zwei neue zu bauen, in die andere Adultos Mayores vom Projekt einziehen können. All das kostet Geld und wir sind auf Spenden angewiesen.
Wer meine Arbeit und die armen alten Menschen in Ibarra unterstützen möchte, kann dies durch die Überweisung auf ein Konto meiner Heimatpfarrei Christkönig tun. Von dort werden die Gelder gegen Spendenquittung umgehend und ohne Abzug von Verwaltungskosten direkt an mich weitergeleitet.
Empfänger: Kirchenstiftung Christkönig,
Kontonummer: 310565,
Bankleitzahl 74260110,
Verwendungszweck Ibarra.
(Für die Quittung bitte vollständige Adresse angeben.)
Ausführliche Informationen auch auf meiner Blog-Seite: www.jonasecuador.blogspot.com .








