FFW Alteglofsheim

Feuer löschen, Teamgeist entfachen: Warum Jugendfeuerwehren wachsen

Jugendfeuerwehren boomen wie nie zuvor. Ein Besuch bei der erfolgreichsten Nachwuchsgruppe der Oberpfalz nahe Regensburg zeigt, was den Verein so beliebt macht.

Ende Mai gewann die Jugend der FFW Alteglofsheim den Bezirksentscheid in Roding.

Ende Mai gewann die Jugend der FFW Alteglofsheim den Bezirksentscheid in Roding.

Kaum ist das Kommando gefallen, laufen Marie und Lotte auf der Wiese los. In den Händen tragen die beiden 14-Jährigen zwei C-Schläuche, ein Strahlrohr, eine Taschenlampe und einen Verteiler. Ihre Aufgabe: Angriffstrupp.

Nach wenigen Metern wartet bereits das erste Hindernis. Marie klettert über ein Holzgerüst mit vier Sprossen, während Lotte den Verteiler am Boden platziert und einen Schlauch anschließt. Jeder Handgriff sitzt. Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Der Löschaufbau soll innerhalb von sieben Minuten erfolgen.

Vom Nieselregen unbeirrt absolvieren die beiden Mädchen das Training der Jugendfeuerwehr Alteglofsheim im Landkreis Regensburg. Die 14-Jährigen gehören zur neunköpfigen Wettkampfmannschaft, die Ende Mai den Bezirksentscheid gewonnen hat. Damit gilt das Team aktuell als beste Jugendfeuerwehr der Oberpfalz.

Anfang Juli geht es für die Jugendlichen zum Landesentscheid nach Neumarkt. Dort stellt sich heraus, wer zu den besten Jugendfeuerwehren in Bayern gehört und die Chance erhält, im September um den deutschen Meistertitel zu kämpfen.

Marie hat das Hindernis hinter sich gelassen. Mit einer schnellen Bewegung rollt sie den Schlauch aus. Wenige Sekunden später klettert auch Lotte über das Gerüst. Dann heißt es warten, bis zum nächsten Kommando. Alle neun Jugendlichen haben eine bestimmte Aufgabe, sind Teil des Angriffs-, Schlauch- oder Wassertrupps, Maschinist, Melder oder Gruppenführer. Jeder Handgriff muss sitzen, jede Bewegung zur richtigen Zeit erfolgen.

Mehr Team, weniger Screen

Trainiert wird immer mittwochs um 18 Uhr am Gerätehaus. „Uns ist wichtig, dass alle Jugendlichen regelmäßig ausgebildet werden, nicht nur die Wettkampfgruppe“, sagt Jugendwart Joshua Biehl. Während die neun ihren Löschaufbau perfektionieren, bereitet sich eine Gruppe auf ein Waldbrand-Szenario vor, eine andere beschäftigt sich im Hof mit den Grundlagen der Wasserförderung. Insgesamt 41 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren engagieren sich regelmäßig bei der Jugendfeuerwehr Alteglofsheim. Darunter 14 Mädchen und 27 Buben.

Die Jugendfeuerwehr und auch die Teilnahme an Entscheiden hat im Ort eine lange Tradition. Bereits 1972 wurde die Nachwuchsgruppe gegründet. Seit mehr als fünf Jahrzehnten lernen Jugendliche hier die Grundlagen des Feuerwehrdienstes. Viele von ihnen wechseln später in die aktive Mannschaft. Im Durchschnitt schließen jedes Jahr etwa zehn Jugendliche das Basismodul der Modularen Truppausbildung (MTA) ab. Zusammen mit dem vollendeten 16. Lebensjahr ist das die Voraussetzung dafür, bei echten Einsätzen mitfahren zu dürfen.

Wer dabei an trockenen Unterricht denkt, irrt sich. Neben den mittwöchlichen Übungsstunden steht einmal im Monat eine größere Einsatzübung auf dem Programm. Dann verwandeln die Jugendwarte und ihre Helfer das Dorf in eine Art Trainingsgelände. Mal wird ein Wohnungsbrand simuliert, bei dem eine Nebelmaschine für dichten Rauch sorgt. Mal muss eine vermisste Person gesucht oder ein Keller ausgepumpt werden. Die Jugendlichen übernehmen dabei fast alle Aufgaben selbst. Andere aktive Feuerwehrler unterstützen sie als Statisten oder fahren das Einsatzfahrzeug. „Wir wollen den Jugendlichen ein sinnvolles Hobby bieten“, sagt Jugendwart Raphael Nunner. „Eines, bei dem sie merken, dass sie in der Gemeinschaft etwas erreichen können.“ Joshua ergänzt: „Gerade in Zeiten, in denen Social Media eine so große Rolle spielt, wollen wir die Screentime runterschrauben.“

Eine Freizeitbeschäftigung, die zusammenschweißt, sinnstiftend und motivierend ist, findet nicht nur in der Oberpfalz Anklang. Die Feuerwehr boomt überall. Nach Angaben der Deutschen Jugendfeuerwehr engagierten sich 2025 bundesweit mehr als 380.000 Kinder und Jugendliche in den jungen Gruppen – so viele wie noch nie. Auch bei uns in Bayern sind über 55.000 Kinder und Jugendliche in Kinder- und Jugendfeuerwehren aktiv.

Ohne Wir-Gefühl geht nichts

Wer die Jugendwarte fragt, warum sie denken, dass gerade dieser Verein so viele Mitglieder sammeln kann, erhält als Antwort: „Uns geht es nicht nur um die feuerwehrtechnische Ausbildung. Wir wollen vor allem das Wir-Gefühl stärken, ohne das eine Feuerwehr nicht funktionieren kann.“ Deshalb stehen neben den Übungen auch Aktionen und Ausflüge auf dem Programm. Die Jugendlichen sollen sich kennenlernen, Freundschaften schließen und als Gruppe zusammenwachsen. Gemeinsame Erfolgserlebnisse, wie sie in Wettkämpfen entstehen, fördern dieses Gefühl zusätzlich.

Wie gut das funktioniert, ist an diesem Mittwochabend auf dem Übungsplatz zu beobachten. Marie und Lotte erhalten ihr nächstes Kommando: „Angriffs- und Wassertrupp, Knoten und Stiche anlegen!“ Zusammen mit zwei Jungs sprinten sie zu einem Bock, auf dem vier Seile bereitliegen. Nach knapp sechs Sekunden verkünden sie: „Übung beendet.“ Sofort beginnen die beiden Mädels angeregt mit ihren Teampartnern zu diskutieren. Wie ist es gelaufen? Was hat gut geklappt?

Dass es bei der Feuerwehr um mehr geht als um Schläuche und Knoten, zeigt sich nach dem Training. Die Schläuche sind aufgerollt, die Geräte verstaut. Trotzdem geht kaum jemand sofort nach Hause. In der Küche des Gerätehauses kocht sich eine Gruppe Mädels Nudeln mit Pesto. Im Aufenthaltsraum sitzen Jugendliche und Erwachsene bunt gemischt zusammen. Es wird gescherzt, gelacht und im Jugendraum auch gekickert. Feuerwehr spielt dabei zwar immer wieder eine Rolle, im Mittelpunkt stehen aber die Freundschaften, die hier entstehen.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum jede Woche so viele Jugendliche ins Gerätehaus kommen. Sie lernen hier nicht nur, wie man Menschen hilft, sie werden Teil einer Gemeinschaft. Dass sie damit inzwischen die beste Jugendfeuerwehr der Oberpfalz stellen, ist für die Kameraden aus Alteglofsheim nur ein zusätzlicher Ansporn.

Marie und Lotte sind seit Februar Teil der Jugendfeuerwehr in Alteglofsheim. 
Marie und Lotte sind seit Februar Teil der Jugendfeuerwehr in Alteglofsheim. 
Marie und Lotte sind seit Februar Teil der Jugendfeuerwehr in Alteglofsheim. 
Eine Gruppe mit drei Jugendlichen übt zusammen mit ihrem Jugendwarthelfer einen Löschvorgang.
Eine Gruppe mit drei Jugendlichen übt zusammen mit ihrem Jugendwarthelfer einen Löschvorgang.
Eine Gruppe mit drei Jugendlichen übt zusammen mit ihrem Jugendwarthelfer einen Löschvorgang.
Die drei Jugendwarte Joshua Biehl, Raphael Nunner und Sebastian Brünner (v.r.) mit ihren Jugendhelfern für die wöchentliche Ausbildung Tim Kapfelsperger und Raphael Scholler 
Die drei Jugendwarte Joshua Biehl, Raphael Nunner und Sebastian Brünner (v.r.) mit ihren Jugendhelfern für die wöchentliche Ausbildung Tim Kapfelsperger und Raphael Scholler 
Die drei Jugendwarte Joshua Biehl, Raphael Nunner und Sebastian Brünner (v.r.) mit ihren Jugendhelfern für die wöchentliche Ausbildung Tim Kapfelsperger und Raphael Scholler 
Für ihre Einzel-Aufgabe bei den Entscheiden brauchen Marie und Lotte einen C-Schlauch, eine Feuerwehrleine und ein Strahlrohr.
Für ihre Einzel-Aufgabe bei den Entscheiden brauchen Marie und Lotte einen C-Schlauch, eine Feuerwehrleine und ein Strahlrohr.
Für ihre Einzel-Aufgabe bei den Entscheiden brauchen Marie und Lotte einen C-Schlauch, eine Feuerwehrleine und ein Strahlrohr.
Erst kommt die Theorie zum Waldbrand ...
Erst kommt die Theorie zum Waldbrand ...
Erst kommt die Theorie zum Waldbrand ...
... dann die Praxis. 
... dann die Praxis. 
... dann die Praxis. 
Ende Mai gewann die Jugend der FFW Alteglofsheim den Bezirksentscheid in Roding.
Ende Mai gewann die Jugend der FFW Alteglofsheim den Bezirksentscheid in Roding.
Ende Mai gewann die Jugend der FFW Alteglofsheim den Bezirksentscheid in Roding.

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