Sophias MUT

Lebensmittelretter


Jonas Bieber und die Zwillinge Philipp (rechts) und Stefan Prechtner finden: Ein Ende der Lebensmittelverschwendung ist überfällig. Oben: die "Rettergut Mixschoko- lade" Fotos: Dörrwerk

Jonas Bieber und die Zwillinge Philipp (rechts) und Stefan Prechtner finden: Ein Ende der Lebensmittelverschwendung ist überfällig. Oben: die "Rettergut Mixschoko- lade" Fotos: Dörrwerk

Wusstest du, dass viele Lebensmittel um ihren Platz auf deinem Teller "kämpfen" müssen? Güteklasse eins ist dabei der Hauptgewinn eines unfairen Wettbewerbs. Drei Gründer wollen
diesen fairer gestalten und "Loser"-Lebensmittel retten.

Wenn in der Schokoladenherstellung auf eine andere Sorte umgestellt wird, beispielsweise von Zartbitter auf Vollmilch, müssen zuerst die Rohre und Geräte gereinigt werden, damit sich keine Zartbitter-Reste in der Vollmilchschokolade finden. Das geschieht nicht mit Wasser oder Spülmittel. Sondern mit Schokolade. Durch die Rohre fließt so viel Vollmilchschokolade, bis keine Reste der Zartbitterschokolade mehr vorhanden sind. So gehen Hunderte Kilogramm an "Chargenmasse" verloren.

sized

Die "Dörrwerk"-Gründer erfahren davon durch Zufall. Aus erster Hand von einem großen Schokoladenhersteller. Hinter "Dörrwerk" stehen drei Lebensmittelretter. Jonas Bieber (37) aus Berlin und die Zwillinge Philipp und Stefan Prechtner (31) aus Regensburg. Sie probieren die "Mixschokolade" und merken: Man merkt nichts. Die Mixschokolade schmeckt genau so gut wie die reine Schoko-Masse. Und sie soll auf den Markt. "Wir sind dann einige Zeit später auf den Hersteller zugekommen und haben ihm unsere Idee vorgestellt", sagt Marketing-Mitarbeiter Philip Koloczek.

Der Hersteller, von dem die Lebensmittelretter ihre "Rettergut Mixschokolade" erhalten, hat einen hohen Anteil an Bio- und Fairtrade-Schokolade und Edel-Kakao im Sortiment. "Auszeichnen dürfen wir das in unserer Schokolade aber nicht", bedauert Philip.

Nach Obst und Schokolade kommt jetzt Gemüse

Seit einigen Jahren bereits verarbeitet das Team als "Dörrwerk" gerettetes Obst vom Markt zu Fruchtpapier. Ein knuspriger Snack für Zwischendurch und das erste Produkt, das sie sowohl online als auch im Handel verkaufen.

Doch Fruchtpapier und Schokolade decken die Produktpalette nicht ab. Ebenfalls unter dem Namen "Rettergut" wollen die Jungs ran ans Gemüse. Das möchten sie aber nicht nur retten, sondern etwas möglichst Langlebiges daraus kreieren: Suppen mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum von 18 Monaten. "Da haben wir unserer Meinung nach eine relativ nachhaltige Lösung gefunden", sagt Philip.

Mit 16 989 Euro hat die Crowdfunding-Kampagne des Teams im Dezember ihr Ziel von 15 000 Euro sogar übertroffen. Das gesammelte Geld wird jetzt investiert: in die Produktion von Suppen. "Das erfordert gerade am Anfang einiges an Unterstützung."

Doch was muss für die Suppen gerettet werden? Verformte Gurken, knorrige Karotten oder Tomaten mit Dellen werden aussortiert. "Gemüse kommt nach der Ernte zuerst in Sortierbetriebe", erklärt Philip. Dort wird es in verschiedene Güteklassen aufgeteilt. "Große Mengen fallen hier durchs Raster. Hier schnappen wir uns das aussortierte Gemüse." Ob das Suppen-Gemüse perfekt rund war oder nicht, spielt für den Geschmack schließlich keine Rolle. Im Handel sollen die Suppen erstmals im Januar auftauchen.

Bio oder nicht-bio, das ist egal - es geht ums Retten

Je nach Bezugsquelle ist das Gemüse manchmal in Bio-Qualität und manchmal nicht. Philip sagt: "Da bei uns das Retten im Vordergrund steht, nehmen wir grundsätzlich alles."

Krummes Gemüse sei nach wie vor nicht "normal". Supermärkte würden zwar hin und wieder Aussortiertes verkaufen, "aber nur mit Sonderaufsteller und extra Werbung", sagt Philip.

Die Landwirtschaft beim Umweltschutz stärker miteinzubeziehen, sei unumgänglich, meinen die Gründer. "Wenn im Schnitt ein Drittel der Lebensmittel ungenutzt bleibt, wird auch das CO2 zur Produktion umsonst verbraucht." Dörrwerk will also "Teil einer nachhaltigeren Wirtschaft" sein. Als Marke für jedermann. Ob umweltbewusst oder nicht. Nachhaltige Lebensmittel sollen leicht zugänglich sein. Einfach für den Verbraucher und gut für die Umwelt. "Geplant ist eine ganze Produktwelt mit dem Rettergedanken als verbindendem Faktor."

Und wer in Zukunft durch die Lebensmittelgeschäfte schlendert, könnte bald schon Nudeln und Aufstriche von Rettergut entdecken.

Alle bisherigen Teile von "Sophias MUT" gibt es zum Nachlesen unter: bit.ly/SophiasMUT.