Die Party des Jahrhunderts?!
Das Phänomen "Project X"

Dass ihre Party so aus dem Ruder läuft, hätten sich Costa, Thomas und JB (von links) im Film "Project X" nicht träumen lassen. (Foto: Warner Bros.)

Es ist eine Meldung wie sie die Polizei tagtäglich erreicht. Im Nachbaranwesen wird gefeiert, der Lautstärkepegel übersteigt die Grenze des Zumutbaren. Zwei Polizisten fahren zum Einsatzort. Doch als sie ankommen: Stille. Sie klingeln an der Tür, die zwei Teenager Costa und Thomas öffnen. Ob hier eine Party gefeiert wird? Ja, aber nur im kleinen Kreis und sie sei auch schon vorbei. Nach einem kurzen Gespräch gehen die Beamten wieder. Sie verabschieden sich mit den Worten "Wir wollen nicht noch mal kommen müssen." Was die Polizisten nicht wissen: Hinter dem Haus verstecken sich hunderte Teenager im Garten, die mucksmäuschenstill darauf warten, dass die Polizisten wieder verschwinden. Als der Streifenwagen am Ende der Straße abbiegt, geht Costa leise hinters Haus, kostet den Moment erwartungsvoller Stille aus und brüllt dann: "Bis zum Morgengrauen, Yo!"
Diese Szene stammt aus dem Film "Project X", der vor Kurzem auch in Deutschland seine DVD-Veröffentlichung feierte. Und feiern ist in diesem Zusammenhang wörtlich zu nehmen: Der Film handelt von den drei Verlierern Thomas, Costa und JB, die endlich cool werden wollen und deswegen eine Party schmeißen, die alles bisher Dagewesene übertreffen soll. Und tatsächlich: Die coolsten Typen und heißesten Mädchen der Schule stehen am Abend Schlange für die Party. Diese entwickelt jedoch bald eine bedrohliche Eigendynamik - und mündet im totalen Chaos. Am Ende parkt der Mercedes von Thomas' Vater im Pool, die Partygäste liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei und das Haus ist komplett verwüstet. Nun wäre das nicht weiter schlimm, wenn der Film nicht vielen Jugendlichen als Vorlage dienen würde, um selbst Mega-Partys zu veranstalten - die dann auch außer Kontrolle geraten.
Das große Feiern
Zuletzt geschehen ist das im (ansonsten eher beschaulichen) Haren in den Niederlanden. Eine 16-Jährige wollte hier ihren Geburtstag mit einigen Freunden feiern - vergaß aber ein wichtiges Häkchen bei Facebook. Eigentlich sollten nur ihre Freunde die Einladung sehen. 20000 Zusagen später war die Party aber in aller Munde. Ein Zurück gab es nicht mehr. Tausende feierwütige Jugendliche kamen, sahen und verwüsteten. Sie brachen in Geschäfte ein, zerstörten Gärten und zündeten Häuser an. Am nächsten Morgen erwartete die Anwohner ein Bild der Zerstörung.
Als Motivation gaben einige Täter später den Film "Project X" an. Zeitungsberichten zufolge trugen einige Randalierer sogar selbstbedruckte T-Shirts mit der Aufschrift "Project X Haren". Auch in den USA schlug der Film extrem hohe Wellen. Bereits eine Woche nach Kinostart gab es die ersten Nachahmer-Partys. In Houston wurden im Rahmen einer Party Schäden in Höhe von 100000 Euro angerichtet. 13 Teenager wurden festgenommen.
Kein Fall in Niederbayern
In Niederbayern waren solche Partys bisher kein Thema. Till Hauptmann, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern, bestätigt, dass es zwar schon "einige Facebook-Partys gab, bei denen die Polizei anrücken musste." Aus dem Ruder gelaufen sei jedoch noch keine. "Offensichtlich sind die Jugendlichen sensibel und vorsichtig genug."
Zudem seien solche Partys im Vorfeld leicht zu verhindern. Man müsse nur aufpassen, wen man bei Facebook einlädt. Wenn aber bei der Einladung doch etwas schief geht, am Abend das ganze Dorf vor der Tür steht und die "Gäste" auch nicht gehen wollen, sollte man nicht zögern, die Polizei zu rufen. Doch was, wenn eine Feier bereits ausgeartet ist und das Haus in Trümmern liegt? Wer zahlt dann? "Das kommt auf den Einzelfall an", meint Hauptmann. Wenn der Veranstalter fahrlässig war oder sogar vorsätzlich hunderte Leute eingeladen hat, kann es sein, dass er die Kosten für den Polizeieinsatz tragen muss. In Haren war das nicht der Fall: die 16-Jährige hatte ja noch versucht, die öffentliche Einladung zurückzunehmen. Nur interessierte das die Feierwütigen nicht. Deswegen mussten die Randalierer zahlen.
Apropos zahlen: Auch einige Diskotheken sind auf den "Project X"-Zug aufgesprungen und veranstalten dem Film nachempfundene Partys. Die Diskothek Penker in Ascha veranstaltete eine "Nacht, legendärer als alle zuvor". Das Atrium in Dingolfing kündigte auf seiner Webseite an: "Die Party zum Kinohighlight wird Realität." Im Programm: Freibier, Gartenzwerg-Baseball, Hüpfburg-Action und wilde Pool-Spiele. Und "wer sich am nächsten Tag daran erinnert, war nicht dabei".
Von Patrick Beckerle









