Infektion

Selten, aber hochgefährlich: Person (79) aus dem Landkreis Regen an Bornavirus erkrankt

Immer wieder kommt es in Bayern zu Infektionen mit dem Bornavirus. Fast immer enden diese tödlich. Jetzt gibt es einen Fall im Landkreis Regen.

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Wie das Landratsamt Regen mitteilt, ist eine 79-jährige Person am Bornavirus erkrankt. (Symbolfoto)

Wie das Landratsamt Regen mitteilt, ist eine 79-jährige Person am Bornavirus erkrankt. (Symbolfoto)

Von Redaktion Viechtach Aktuell

Ende vergangener Woche ist bei einer 79-jährigen Person aus Viechtach im Landkreis Regen das gefährliche Borna-Virus (BoDV-1) festgestellt worden. Darüber informiert das Landratsamt Regen in einer Pressemitteilung am Montagnachmittag. Aufgrund der Folgen der Infektion befindet sich die betreffende Person derzeit in intensivmedizinischer Behandlung. Das Landesamt für Gesundheit- und Lebensmittelsicherheit (LGL) sei laut Landratsamt umgehend hinzugezogen worden.

Aus verschiedenen Regionen Bayerns sind in den vergangenen Monaten einzelne Infektionen mit dem sehr seltenen, in der Regel durch die Feldspitzmaus übertragenen und tödlichen Virus gemeldet worden. Bundesweit werden nach Behörden-Angaben weniger als zehn Infektions-Fälle pro Jahr registriert, ein Großteil davon in Bayern. Dass es beim Menschen schwere Gehirnentzündungen verursacht, wurde nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit (LGL) erst 2018 nachgewiesen.

„Keine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung“

„Da das Virus sich nicht von Mensch zu Mensch verbreitet, besteht keine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung“, versichert Amtsarzt Jürgen Dachl. Wo genau sich die im Landkreis Regen erkrankte Person angesteckt hat, hätte bisher nicht ermittelt werden können. „Neben einer Übertragung durch direkten Kontakt zu Feldspitzmäusen, etwa durch Bissverletzungen, ist es grundsätzlich denkbar, dass ein Mensch sich über die virushaltigen Ausscheidungen der Feldspitzmaus infiziert. Ein direkter Spitzmauskontakt wäre somit nicht zwangsläufig erforderlich.“

Um sich vor einer Infektion zu schützen, empfiehlt das LGL den direkten Kontakt zu Spitzmäusen und deren Ausscheidungen zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, zum Beispiel, weil eine Katze eine Spitzmaus in die Wohnung gebracht hat, eine Spitzmaus versehentlich in eine Mausefalle geraten ist oder ein Schuppen mit Spitzmausbefall gereinigt werden muss, dann sollten Schutzmaßnahmen getroffen werden. Die Feldspitzmaus ist laut LGL der einzige bekannte Reservoirwirt für das Bornavirus. Sie können das Virus unter anderem über Speichel, Urin, Kot und die Haut ausscheiden, ohne selbst daran zu erkranken. 

BoDV-1-Infektionen seit 2020 meldepflichtig

Ein LGL-Sprecher teilt unter Verweis auf Daten des FLI mit, dass BoDV-1 nahezu überall im Freistaat in der Feldspitzmauspopulation vorkomme. Lediglich im Nordwesten Bayerns gebe es bisher keine Nachweise von BoDV-1. Dem LGL ist keine systematische Erhebung der Feldspitzmauspopulation in Deutschland bekannt. Das Virus tritt bei Feldspitzmäusen den Angaben nach bisher regional begrenzt in Teilen Ost- und Süddeutschlands, Österreichs, der Schweiz und Lichtensteins auf.

Markus Naumann, Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Augsburg, erklärte jüngst: „Symptomatisch kommt es nach einer Ansteckung zu einer rasch voranschreitenden Entzündung des Gehirns mit Verwirrtheit, geistigem Abbau, Sprachstörungen und epileptischen Anfällen.“ Es gibt laut LGL weder eine spezifische Therapie noch eine Impfung. Seit 2020 sind BoDV-1-Infektionen meldepflichtig.

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