Landessynode

Evangelische Kirche sucht neuen Landesbischof

Nach zwölf Jahren mit Heinrich Bedford-Strohm an der Spitze stehen die Zeichen für die evangelische Landeskirche in Bayern auf Erneuerung. Die Synode hat in zehn Tagen die Wahl aus vier Kandidatinnen und Kandidaten.


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Ein Storch steht auf dem mit Schnee bedeckten Dach einer Kirche.

Inmitten großer gesellschaftlicher Herausforderungen sucht die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern nach einem neuen Landesbischof. Am Freitag stellten sich die vier Kandidatinnen und Kandidaten in Nürnberg den Mitgliedern der Landessynode vor. Die Synodalen sollen am 27. März über den Nachfolger des Amtsinhabers Heinrich Bedford-Strohm entscheiden. Der 62-Jährige gibt sein Amt im Herbst nach fast zwölf Jahren an der Spitze der Landeskirche und zeitweise auch der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) ab.

Aspiranten auf das Bischofsamt müssen in der bayerischen Landeskirche vorgeschlagen werden, sie können sich nicht selbst bewerben. Den Synodalen zur Auswahl steht eine Liste mit zwei Männern und zwei Frauen, die aus insgesamt 27 Vorschlägen herausgefiltert wurden. Jüngste Kandidatin ist Nina Lubomierski (47), Dekanin in Landshut. Sie tritt an gegen Gabriele Hoerschelmann (54), die Direktorin von "Mission EineWelt". Ebenfalls vorgeschlagen wurde der Regionalbischof im Kirchenkreis München, Christian Kopp (58). Vierter Kandidat ist Klaus Schlicker (56), derzeit Dekan ins Windsbach.

Die Kandidatinnen und Kandidaten mussten sich unter anderem auch Fragen zu ihrer Haltung in Sachen Waffenlieferungen in die Ukraine stellen. Das Thema wird in der evangelischen Kirche mit einer langen Tradition in der Friedensbewegung kontrovers diskutiert. "Wir brauchen Verhandlungen, aber wir brauchen auch eine wehrhafte Ukraine", sagte die aus Hamburg stammende Lubomierski, die in Würzburg zunächst als ehrenamtliche Pfarrerin ihre Karriere in Bayern gestartet hatte. Inzwischen ist sie evangelische Dekanin im überwiegend streng katholischen Landshut. Vor einigen Jahren lehrte sie vertretungsweise an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg.

Gabriele Hoerschelmann, Leiterin des Zentrums MissionEineWelt der Landeskirche, sagte zur Ukraine: "Wir haben uns als Kirche sehr schwer getan, uns zu diesen Waffenlieferungen durchzuringen. Aber ich glaube, wir haben keine andere Wahl." Der Windsbacher Dekan Klaus Schlicker sagte: "Wir können die Ukraine auf keinen Fall alleine lassen gegen diesen Aggressor." Er bezeichnete die Frage nach Waffenlieferungen aber als extrem schwierig.

Christian Kopp (58), Regionalbischof für München und Oberbayern, betonte, das Prinzip "Frieden schaffen ohne Waffen" sei in der evangelischen Kirche sehr wichtig. Bei einem solch massiven Bruch des Völkerrechtes wie in der Ukraine seien aber andere Mittel notwendig.

Die Landeskirche mit rund 2,2 Millionen Gläubigen ist seit Jahren einem Schwund an Mitgliedern ausgesetzt. In den vergangenen Jahren kehrten jeweils rund 30.000 Menschen der Kirche den Rücken. Es lasse sich bei vielen Protestanten ein "längerer Prozess der Entfremdung" feststellen, hieß es.